Christliche Themen für jede Altersgruppe

Alle kommen zur Krippe

Gerhard Raff sammelt Krippenfiguren aus der Provence. Angefangen hat er damit als 16-Jähriger. Seit vielen Jahren geht die „Provenzalische Krippe“ auf Reisen. In diesem Jahr ist sie im Museum Ludwigsburg zu sehen. Wie er überhaupt dazu kam, provenzalische Krippenfiguren zu sammeln, erzählt Raff heute.


Handwerker, Blumenfrauen, Tänzer, Menschen in Tracht: All diese Figuren gehören zur "Provenzialischen Krippe".(Foto: Gemeindeblatt)

Als Charles de Gaulle 1962 im Ludwigsburger Schlosshof seine berühmt gewordene „Rede an die deutsche Jugend“ hielt, war ich als Schüler derart bewegt, dass ich spontan beschloss, in den nächsten Sommerferien mit meinem Schulnebensitzer selbzweit und sechzehnjährig per Fahrrad in das Land des vormaligen „Erbfeinds“ zu fahren, in die auch von Ludwig Uhland so schön besungenen „Tale der Provence“.

Bei der Vorbereitung dieser Radfahrt auf Bundes- und Nationalstraßen las ich im Merianheft „Provence“ den Beitrag zur Geschichte der provenzalischen Krippenfiguren, der „Santons“, und entdeckte dann bei der Kirche Saint-Trophime in Arles in einem Andenkenlädle diese so liebevoll in Handarbeit hergestellten, präzise und farbenfroh bemalten folkloristischen Figürchen aus Terrakotta. Es war Liebe auf den ersten Blick.

Dank einer durch frühmorgendliches Zeitungsaustragen gefüllten Reisekasse konnte ich dort die ersten, der auf Grund ihrer lohnintensiven und arbeitsaufwändigen Individualproduktion nicht ganz billigen Exemplare, darunter Maria, Josef und das Jesuskind, Ochs und Esel und Engel, erwerben und – in der Satteltasche in Watte gepackt – auch heil heimbringen.

Im Laufe der Jahrzehnte kamen bei weiteren Reisen dann noch all die anderen Figürle hinzu, die sich die provenzalische Volksseele zusätzlich zu der im Lukasevangelium überlieferten Weihnachtsgeschichte hat einfallen lassen: die ganzen Handwerksleute, vom Korbmacher über den Kaminfeger bis zum Küfermeister, die Marktbesucher und die Marktbeschicker, von der Blumenfrau über die Schneckenverkäuferin bis zur Zitronenhändlerin, die Lavendel- und Oliven- und Weinbauern, die „schönen Arlesierinnen“ und die „Gardians“, die „Cowboys“ der Camargue auf ihren weißen Pferden und mit ihren schwarzen Stieren, die Musikanten, Spielleute und Tänzer der „Farandole“ – eine Art provenzalischer „Sirtaki“ – und die Trachtengruppen aus ganz Frankreich, von der Normandie über die Bretagne und Touraine bis hin zu den Katalanen und Elsässern.

Mittlerweile sind über 500 Santons aus der Werkstatt des „Maître Santonniers“ Marcel Carbonel (1911–2003) in Marseille zusammengekommen. Die Mehrzahl von ihnen wurde in der bei der Einweihung des Denkmals zu 600 Jahre Wirtemberg-Mömpelgard entdeckten ökumenischen Buchhandlung in Montbéliard erworben. Die Württemberg seit der Verlobung ihrer Grafentochter Henriette mit unserem Grafen Eberhard IV. anno 1397 so innig verbundenen Mömpelgarder haben bekanntlich schon bald nach dem Zweiten Weltkrieg die Hände der Versöhnung über den Rhein gestreckt und 1950 die allererste französisch-deutsche Städtepartnerschaft, die Jumelage mit Ludwigsburg, geschlossen.

Seit die Santons erstmals zu Weihnachten 2002 im damaligen Landeskirchlichen Museum in der Ludwigsburger Friedenskirche gezeigt worden waren, wird diese Provenzalische Krippe alljährlich in der Adventszeit in ganz Deutschland herumgereicht, erzielt stets Besucherrekorde und erfreute unterdessen schon Hunderttausende von Krippenfreunden, so unter anderem im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe, beim Landshuter Krippenweg, im Ulmer Brotmuseum, in der Klosterkirche von Lorch, im Schloss Waldenbuch, im Brandenburger Dom, zuletzt in der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall.

Der Stall von Bethlehem steht übrigens auf dem Vesperbrettle von Thaddäus Troll aus dessen Hinterrohrbacher Ferienhaus, vor dem ein großes Straßenschild mit der Aufschrift „Avignon 7 km“ stand. Dieses Jahr ist dieses zauberhafte Zeugnis deutsch-französischer Freundschaft im Andenken an de Gaulles Friedensrede vor 55 Jahren im Museum Ludwigsburg, Karlstraße 1, zu sehen. Die nächsten drei Jahre haben sie sich Kirchen und Museen außerhalb von Württemberg reserviert.

Zu sehen ist die Krippe vom 8. Dezember bis 6. Januar 2018, Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr, feiertags geschlossen. Eintritt frei.

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