Christliche Themen für jede Altersgruppe

Am liebsten mit Soß’

STUTTGART-WANGEN – „Sternchenköche“ heißt eine Gruppe Männer, die für den guten Zweck kocht: fürs Gemeindefest oder für Benefizveranstaltungen. Normalerweise haben Frauen in der Küche keinen Zutritt. Für das Gemeindeblatt machen sie aber eine Ausnahme. 

Die Sternchen­köche Wolfgang Jancevskis, Ulrich Heinz und arbeiten Hand in Hand. (Foto: Brigitte Jähnigen)


Sie nennen sich „Sternchenköche“ und kochen, kochen, kochen. Für wen? Für sich, für andere, für wenige, für viele. Zehn- bis fünfzehnmal im Jahr sind sie im Einsatz für einen guten Zweck, die Hobbyköche aus Stuttgart-Wangen. „Essen ist ein gemeinsames Erlebnis, es stärkt den Zusammenhalt in unserer Kirchengemeinde und darüber hinaus“, sagt Michael Mischke. Am 29. Juni können sich Besucher des Gemeindefestes in Stuttgart-Wangen vom Können der „Sternchenköche“ überzeugen. Serviert werden zweierlei warme Pasteten, verschiedene kalte Salate und ein süßer Nachtisch.

Vivian (6) präsentiert das Dessert. Ein luftiges „Etwas“ aus Quark und Sahne, geschichtet zwischen frischen Erdbeeren. Vivians Großvater heißt Kurt Hoffmann. Den ganzen Nachmittag hat er mit Michael Mischke, Ulrich Heinz und Wolfgang Jancevskis in der Küche des evangelischen Gemeindezentrums in Wangen gearbeitet. Getestet werden soll, ob das vor Wochen gemeinsam ausgewählte Menü für die erwarteten 200 Besucher des diesjährigen Gemeindefestes taugt. Zwar haben die Männer in einigen Jahren jede Menge Kocherfahrungen gesammelt, seitdem sie im Jahr 2007 mit einem Benefizessen zugunsten des Umbaus des Zentrums mit kulinarischen Aktionen begannen. Fingerfood für das 20-Jahr-Jubiläum der Begegnungsstätte wurde produziert, Zucchinschiffchen für ein Gemeindefest mit dem Motto „Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt“ geschnitzt, mit den Konfirmanden Lasagne gekocht. Spieße für ein Grillfest wurden geschmiedet, Brot gebacken, Wurst hergestellt.

Mit Essen im Gepäck fuhren sie vor Jahren gen Bautzen in den damals noch neuen Bundesländern und verwöhnten in der dortigen Kirchengemeinde die Frauen beim Frauenfrühstück. Egal, was und für wen sie kochten, die Lust ist ihnen nie vergangen. Aber Premiere ist immer. Also schneidet Kurt Hoffmann gelbe und rote Paprika, Wolfgang Jancevskis fürchtet sich nicht vor dem Zerkleinern vieler Zwiebeln, von Ulrich Heinz‘ Brettchen duftet es nach Zitronenthymian, und Michael Mischke reinigt Champignons mit dem Küchentuch. „Wir schaffen immer zusammen“, sagt einer der Männer. Und dass es immer auch ein vegetarisches Angebot gebe.

„Etwa ein Drittel aller Besucher freut sich über ein vegetarisches Gericht und lobt dann auch eher als nichtvegetarische Esser“, sagt Michael Mischke und setzt mal schon den großen Spezialofen in Aktion. Durch das offene Fenster schauen Zaungäste, meist Frauen. Denen aber ist das Kochen mit den „Sternchenköchen“ nicht erlaubt. Einer sagt selbstbewusst: „Zwischen Essen machen und kochen liegen Welten“.

Entgegen der Meinung, dass Männer nicht fürs Multitasking taugen, kochen sie und erzählen. Dass ihre Gerichte immer preiswert sein sollen, damit sich jeder ein gutes Essen leisten kann. Dass der erhoffte Überschuss in die örtliche Flüchtlingshilfe geht und Familien dort Gutscheine bekommen. Dass sie einen Referenten einladen werden, der zu einer Wertediskussion anregen soll. „Die Frage, wie wir morgen leben werden, hat viel mit dem Heute zu tun. Auch mit dem Essen. Auch der gängige Lebensstil hat Auswirkungen“, sagt Michael Mischke.

Die Männer verraten, dass sie Kochbücher den gängigen TV-Kochsendungen vorziehen und womit sie sich am liebsten selbst verwöhnen. Ulrich Heinz mag am liebsten Paella, „selbstgemacht“. Michael Mischke bekommt beim Gedanken an Rinder-Rouladen mit Semmelknödeln „und einer guten Soß‘“ ganz glänzende Augen. Kurt Hoffmann outet sich als Freund der schwäbischen Küche, der „auch Innereien“ liebt. Wolfgang Jancevskis experimentiert gern und nicht nur er findet seine norwegische Fischsuppe super.

Mehrere Aluformen mit herzhafter und vegetarischer Pastetenmasse wollen jetzt gegart und pünktlich für die Ehefrauen in der Rolle der Vorkoster serviert werden. Denn auch das Timing gehört zur Qualität eines guten Menüs. Doch dann stellt sich noch eine schwäbische Kardinalsfrage: Wird die Pastete zum Gemeindefest mit oder ohne Soße angeboten? „Supp‘, Salat und Soß‘“, das sind die drei S beim Württemberger. Darin sind sich die Sternchenköche einig. Am 29. Juni also mit Soß‘!

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