Christliche Themen für jede Altersgruppe

Andere Länder, andere Sitten

Den Teller leer essen oder einen Anstandsrest übrig lassen? Pünktlich erscheinen oder besser mit einer kleinen Verspätung? Welche Regeln bei einem Besuch gelten, ist weltweit verschieden. Ein Überblick über mögliche Fettnäpfchen. 


In Ostfriesland sollte man es nicht bei einer Tasse Tee belassen. (Foto: Steffi Pelz/pixelio)

Jetzt ist Besuchszeit – an Weihnachten sehen sich alte Schulfreunde wieder und verbringen den Vormittag miteinander, bevor es zum Heiligen Abend in den Kreis der Familie geht. Der erste und der zweite Weihnachtstag sind Verwandtschaftsbesuchen vorbehalten, oder die Freundin kommt vorbei, die auch die Patentante des Sohnes ist. Vorher wird aufgeräumt, man möchte, dass der Besuch sich wohl fühlt, dass es gemütlich ist – und auch, dass der Gast einen guten Eindruck mit nach Hause nimmt. Aussehen wie bei den sprichwörtlichen „Hempels unterm Sofa“ sollte es nicht, wenn man seine Türen für Besuch öffnet. Ein guter Gastgeber möchte seine Freunde, Verwandten oder Bekannte auch nicht mit knurrendem Magen sitzen lassen.

Im Schwabenland

Im Schwäbischen gibt es allerdings den Spruch „Kommad glei nach’m Kaffee, no senn’r rächdzeidig zom Obadässa widdr dahoim“ – also „Kommt doch nach dem Kaffeetrinken, dann seid ihr zum Nachtessen wieder zu Hause“. Was bestimmt nur üble Nachrede ist: So geizig sind die Schwaben nicht (mehr), dass dem Besuch  höchstens ein Glas saurer Sprudel (für Nichtschwaben: Mineralwasser) vorgesetzt wird. Und dass schwäbische Gastgeber ihren Besuch mit den Worten „Komm, mr gangad ens Bedd, damidd dia Leit hoim kennad“ hinauskomplimentieren – also „Komm, wir gehen ins Bett, damit die Leute endlich nach Hause gehen können“, ist bestimmt ebenfalls nur ein Gerücht.

In Ostfriesland

Wer sich im eigenen Kulturkreis bewegt, der kennt die Besucherregeln. Die Gefahr, dass man als Gast versehentlich ins Fettnäpfchen tritt, ist gering. Wobei: Es gibt auch in Deutschland regionale Unterschiede, was man bei einem Besuch möglichst unterlässt und wann man überhaupt erscheinen darf.
Im Ostfriesischen Teemuseum in der Stadt Norden ist nachzulesen, dass man als Besucher keinesfalls auf eine Tasse Tee bleibt. Es müssen schon drei Tassen getrunken werden – alles andere wäre unhöflich. Und auch der Löffel ist nicht zum Umrühren in der Tasse gedacht: Der Kandiszucker löst sich von allein auf, bei jedem Schluck wird der Tee süßer, und die dritte Tasse ist dann die beste. Nur wer nichts mehr nachgeschenkt bekommen möchte, legt seinen Löffel in die Tasse. Der Volkskundler Nils Hansen von der Universität Kiel weiß, dass bei den Bauern in Schleswig-Holstein lange Zeit der Sonntagvormittag als Zeitfenster für einen Überraschungsbesuch vorbehalten war. Wenn die Kühe versorgt waren, konnte man klingeln, vor dem Mittagessen stand aber in jedem Fall der Aufbruch an.

Blumen in Frankreich, Reis in China

Wer zu Besuch in einem französischen Haushalt eingeladen ist, sollte möglichst keinen Wein als Gastgeschenk mitbringen. Denn das könnte der Gastgeber in den falschen Hals bekommen und denken, der Besucher hielte ihn für unfähig, einen guten Tropfen zu besorgen. Blumen sind dagegen immer willkommen – nur Chrysanthemen sollten es nicht sein, die gelten als Beerdigungsblumen. In Italien ist das genauso: Blumen ja, Chrysanthemen nein.
Gegessen wird, was auf den Tisch kommt – das gilt insbesondere in China. Die Ablehnung einer Speise wird als Beleidigung des Gastgebers empfunden. Ein kleiner Trost, wenn es gar nicht schmeckt: Reste sind erwünscht. Wer seinen Teller restlos leer isst, deutet an, dass er noch Hunger hat und nicht satt geworden ist. Auch mit dem Verspeisen von Reis sollte man zurückhaltend sein: Der gilt als Sattmacher, dem Gast werden bei einem chinesischen Festmahl jedoch feine Speisen vorgesetzt, an denen er seinen Hunger stillen soll.

Vorsicht mit den Stäbchen

Apropos Reis: Die Stäbchen beim Essen sollte man niemals in eine Reisschale stecken. Denn die chinesischen Gastgeber erinnert das an Räucherstäbchen, die zu Ehren der Toten angezündet werden. Blumen als Mitbringsel bei einer Einladung sind verpönt, sie symbolisieren den Tod. Dass Chinesen beim Essen schmatzen, ist kein Grund zum Naserümpfen, sondern üblich. Dafür finden es Chinesen wie Japaner sehr unappetitlich, wenn man sich in der Öffentlichkeit die Nase putzt.  Auch bei einer Einladung in der Türkei sollte man das Taschentuch bei  Tisch besser stecken lassen: Das Schnäuzen ist dort ebenfalls verpönt.

Schuhwechsel

In Japan gibt man sich bei der Begrüßung nicht die Hand, sondern verbeugt sich. Ganz wichtig: Besucher sollten sich mindestens so tief verbeugen wie der Gastgeber, alles andere wäre ein Affront. Im Land der aufgehenden Sonne gibt es nicht nur Hausschuhe, sondern auch Toilettenschuhe – und die sollten Besucher auf keinen Fall ignorieren. Der Unterschied zwischen reinen und unreinen Orten wird in Japan sehr ernst genommen. Die Straßenschuhe werden deshalb in der Wohnung durch Hausschuhe ersetzt, die der Gastgeber bereitstellt. Beim Gang auf die Toilette werden die wiederum ausgezogen und dafür besondere Pantoffeln angelegt. Deutsche Pünktlichkeit ist woanders in der Welt manchmal verstörend. In Indien würde niemand bei einer Einladung erwarten, dass der Besuch auf die Minute pünktlich erscheint. Im Gegenteil, damit würde man den Gastgeber vor den Kopf stoßen. Bis alle Gäste bei einer größeren Einladung eingetroffen sind, können Stunden vergehen. Andere Länder, andere Sitten.

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