Christliche Themen für jede Altersgruppe

Auch Luther hat Bier getrunken

BÖBLINGEN – Am 31. Oktober 1517 jährt sich der Thesenanschlag Luthers zum 500. Mal, am 23. April 2016 feiert das deutsche Bier-Reinheitsgebot  500. Geburtstag. Für Lotte Eckert (51) aus Böblingen sind beide Daten ­gleichermaßen wichtig. Sie ist Kirchengemeinderätin und Brauereitochter und führt manchmal auch ihre Ratskollegen durch das Sudhaus in Böblingen. 




Brauereitochter und Kirchen­gemeinderätin: Lotte Eckert aus Böblingen. (Foto: Gemeindeblatt)

Neulich, beim Fernsehgucken, hat sich Lotte Eckert richtig gefreut. Da kam ein ZDF-Beitrag über die Geschichte des Brauens, in dem auch erwähnt wurde, dass Luther Biertrinker war. Noch kurz vor seinem berühmten Auftritt 1521  beim Reichstag in Worms soll er sich mit einem Humpen Einbecker Mut angetrunken haben. Er konnte einfach nicht anders – und blieb bei seinen Überzeugungen.

„Der wusste, was er wollte“, lacht Lotte Eckert, und dass der Genussmensch den Gerstensaft nicht verabscheute, ist ihr umso sympathischer. Seit drei Jahren ist sie Kirchengemeinderätin in der Stadtkirchengemeinde in Böblingen. Jetzt, da die Kinder groß sind, hat sie  Zeit sich zu engagieren: in der Kirchengemeinde und seit ein paar Jahren auch bei Brauereiführungen.

Am 24. Dezember 1964 wurde Lotte Eckert in Böblingen als Lotte Dinkelaker  geboren. Unter ihren Vorfahren waren viele Ärzte, Pfarrer und eben Bierbrauer. Einer der Bierbrauer, Karl Gottlieb Dinkelacker, gründete 1823 in Böblingen eine Brauerei. Als seine Söhne  später getrennte Wege gingen, eröffnete einer von ihnen eine neue Brauerei in Stuttgart. Sie heißt noch heute „Dinkelacker“. Der andere führte den Familienbetrieb in Böblingen weiter, nahm das „c“ aus dem Namen und nannte zur besseren Unterscheidung den Betrieb schließlich in Schönbuch-Bräu um.

Die Böblinger Schönbuch-Brauerei ist die Heimat von Lotte Eckert. Direkt über den Sudkesseln wuchs sie auf, ihr Bruder Werner Dinkelaker ist heute einer der Geschäftsführer. Dass sie oder ihre Schwester einmal selbst Brauerinnen werden könnten, war kein Thema: „Für Mädchen“, sagt sie, „kam das damals nicht in Frage“.

Das ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass es zu Luthers Zeiten die Frauen waren, die Bier brauten. Ein Braukessel gehörte sogar zur Aussteuer dazu. Statt zum Kaffeekränzchen traf man sich zum Bierplausch. Auch darüber hat Lotte Eckert in dem Fernsehbeitrag „Bier – eine Weltgeschichte“ gestaunt, der anlässlich des 500. Jahrestages des Reinheitsgebots ausgestrahlt worden war.

Sie selbst hat zunächst Hotelfachfrau gelernt, war in der Schweiz und in Amerika, hat die Welt weit außerhalb von Württemberg kennenglernt. 1992 kehrte sie zurück, heiratete und bekam zwei Kinder. Der eine Sohn ist Fitness- und Sportkaufmann, der andere hingegen lernt im Familienbetrieb Brauer  und Mälzer. „Er liebt diesen Beruf“, sagt Lotte Eckert ein wenig stolz. Genauso gut findet sie es, dass ihr Felix schon immer auch aktiv in der evangelischen Jugendarbeit aktiv war und Mitglied des Leitungsteams  im Böblinger Waldheim ist.

Für sie selbst begann das kirchliche Engagement mit den Kirchenwahlen 2013. Da hatte sie ein Freund, Carsten Eckensberger, angesprochen, der gleichzeitig auch Kirchengemeinderatsvorsitzender ist. Sie sagte ja und ist seither mit Feuereifer bei der Sache. „Es macht Spaß, sich zu engagieren“, sagt sie.

Genauso viel Spaß machen ihr die Brauereiführungen. Rund dreimal im Monat führt sie Gäste, auf Deutsch und auf Englisch. Es gibt viele Amerikaner in Böblingen, ob von Firmen oder von den US-Streitkräften. Die wussten „German beer“ schon immer zu schätzen.

Ab und an führt Lotte Eckert auch Kirchengemeinderatskollegen durch die Brauerei. Und sorgt dafür, dass es bei Festivitäten nicht nur Trollinger, sondern auch  frisches Bier gibt. Neulich haben sie den Böblinger Dekan zum Geburtstag sogar mit einem Naturtrüben direkt aus dem Lagertank überrascht. „Das kam gut an“, lacht die 51-Jährige, für die das Brauen genauso zum Leben gehört wie der Glaube.

Da ist sie dann wieder ganz bei Luther. Irgendwie beruhigend für eine evangelische Brauereifamilie, dass es nicht nur die Mönche waren, die ein gutes Bier zu schätzen wussten.


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