Christliche Themen für jede Altersgruppe

Auf der Suche nach Heimat

FREUDENSTADT-GRÜNTAL – Märchenhaftes „Landerleben“ heißt ein Angebot, das Pärchen abtauchen lässt in die Zeit Ihrer Groß- und Urgroßeltern, das Ruhe schenkt, Besinnung auf sich selbst und vielleicht den Weg zu Gott aufzeigt. Das wünschen sich zumindest Karin und Andreas Harr. 


Lädt zur Entspannung ein: das märchenhafte Landhaus (Foto: Bärbel Altendorf-Jehle)

In einem Backhäuschen schlafen, in einem Schäferwagen saunieren, im Badezuber entspannen und im Freien duschen. Diese Möglichkeit bietet ein Erlebnis-Kurzurlaub im Schwarzwald, für Frischverliebte, Hochzeitspaare oder Eheleute, die sich einmal ohne ihre Kinder zurückbesinnen wollen auf ihre Zweisamkeit.

„Wir bieten unseren Gästen einen Ort der Ruhe und Entspannung und auch einen Platz, um wieder die einfachen und grundlegenden Dinge des Lebens wahrzunehmen und sich wieder zu eigen zu machen“, erklärt Karin Harr. So dürfen sich ihre Gäste einen Salat aus dem Gemüsegarten holen, sich aus den gesammelten Kräutern einen Tee aufkochen. Wer will, darf Holz sammeln, spalten und zum Trocknen aufsetzen. Wer möchte, kann aus Rahm selbst seine Butter herstellen und sie dann zum Frühstück genießen.

Wer draußen im freistehenden Zuber ein heißes Bad nehmen möchte, kann nicht einfach den Warmwasserhahn aufdrehen. Vielmehr muss zuvor der Ofen mit Holz kräftig angeschürt werden, um das Wasser auf die entsprechende Temperatur zu bekommen. Das dauert, unter Umständen eineinhalb Stunden oder noch länger. Entschleunigung heißt das Zauberwort, von dem Andreas Harr überzeugt ist, dass es genau das ist, was der gehetzte, gestresste Mensch heute dringend braucht.

In Grüntal kann der Besucher diese Langsamkeit erfahren, spüren wie gut sie einem tut und was dieser vermeintliche Stillstand der Zeit mit einem macht. Die richtige Einstimmung für dieses Innehalten kann eine Eselwanderung sein. Harr bietet sie an und bremst seine Besucher damit gleich einmal aus, denn ein Esel hält absolut nichts vom schnellen Laufen, er bleibt oft stehen, mag es gemächlich.

Harr liebt diese Wanderungen, bringen sie ihn doch mit seinen Besuchern ins Gespräch. Er selbst lenkt das Thema dabei nicht auf Gott. „Wir wollen hier keinen bekehren oder ihm den Glauben aufdrängen“, sagt Karin Harr und ihr Mann ergänzt: „Bei uns sind biblische Gespräche ein Kann, kein Muss“. Doch wenn die Beiden bei dieser Eselwanderung oder beim gemeinsamen Brotbacken dazu animieren, die grundlegenden Dinge des Lebens wieder oder neu wahrzunehmen, kommt das Thema Gott und Glauben bei den Gästen meist ganz von selbst auf.

„Wir merken auch, dass der moderne Mensch auf der Suche nach Heimat ist“, sagt Andreas Harr. Er sieht darin die Sehnsucht nach Wohligkeit, aber auch nach Zugehörigkeit. Diese Sehnsüchte bedienen Harrs mit ihrer etwas anderen Möglichkeit eines Kurzurlaubes.

Was Harrs machen, um vielleicht das Gespräch anzustoßen, ist der Hinweis auf die Bibeln, die im Backhaus liegen: Eine alte, passend zum Ambiente, aber auch eine moderne Übersetzung in einfacher, leichtverständlicher Sprache. Dazu auch eine Leseempfehlung des Paares. „Sie können gerne hineinschauen, wenn sie mögen.“

Ein älteres Ehepaar hat das gemacht und kam dadurch miteinander ins Gespräch. Der Mann, so Andreas Harr, habe beim Abschied gesagt, dass er an diesen beiden erholsamen Tagen im Backhaus am schönsten die intensiven Gespräche mit seiner Frau über die Bibel fand, denn er habe noch nie einen Blick in die Bibel geworfen.

Patricia Löhrer, Fachfrau Hauswirtschaft und ihr Partner, der bei der Berufsfeuerwehr arbeitet, suchten ein Wochenende ohne WLAN und Fernsehen. Und fanden es sehr erholsam in Grüntal. Am besten haben ihnen die vielen Tiere gefallen. Neben den Eseln und Ziegen haben Harrs noch Hühner, Schafe, Katzen und einen Hund. „Wir kommen bestimmt wieder, wenn das Eselefohlen im Mai zu Welt kommt“, sagen die beiden Schweizer.

Zurück in die Zeit vor hundert Jahren bedeutet nicht alt und heruntergekommen. Ganz im Gegenteil, alles ist pikobello sauber und märchenhaft anzusehen. Das Backhaus bietet einen gemütlichen Raum zum Verweilen und eine Küche, wie sie dazumal eingerichtet war. Oben in der Dachschräge stehen die beiden Betten, auch zum Doppelbett zusammenschiebbar. Das Klohäuschen ist nebendran, hat zwar das typische Herz in der Holztüre, ist aber ein Wasserklosett.

Auf dem Platz neben dem Häuschen ist die Freiluftdusche, da kommt auch tatsächlich warmes Wasser heraus. Daneben der schwere Holzzuber und wer ein abendliches Bad nehmen möchte und zuvor tüchtig angeheizt hat, der kann dieses Bad zu zweit mit Blick auf die beleuchtete Eiche bis tief in die Nacht hinein genießen.

Oder aber das Paar geht in den Schäferwagen. Dort befindet sich eine Holzsauna und das schönste daran: Auch hier muss natürlich mit Holz kräftig und lange angeheizt werden, doch sitzt man erst einmal im Schäferwagen, haben die Saunierenden einen herrlichen Blick auf die daneben liegende Wiese, denn die eine Seite des Schäferwagens ist verglast. Die Schwitzenden können so hinausschauen, aber keiner kann hineinschauen. Und Karin und Andreas Harr sorgen auch hier für ein märchenhaftes Landerleben. Sie bringen Futter aus. So bietet der Saunagang auch die Möglichkeit, den Ziegen beim Fressen und Umhertollen auf der Wiese zuschauen.

Während Karin Harr erzählt, kräht der Hahn munter los. Kräht der auch mit Sonnenaufgang? „Das kann schon sein“, sagt Karin Harr, „bei uns darf der Hahn krähen, wann er Lust hat. Aber unseren Gästen gefällt das. Sie finden es schön, vom Hahn geweckt zu werden und die frische Morgenluft zu schnuppern. Auch das ist Landerleben.“

Morgens steht ein Frühstückskorb mit Lebensmitteln überwiegend aus biologischem und aus regionalem Anbau vor der Türe. „Wir finden es ausgesprochen wichtig, auch in diesem Bereich behutsam mit den Produkten, die uns die Natur liefert, umzugehen“, sagt Karin Harr. So gibt es auch den Kaffee aus der Kaffeerösterei vor Ort. „Wir wollen Botschafter für einen gesunden Lebensstil sein. Achtung vor dem Lebensmittel bedeutet auch Achtung vor dem Schöpfer,“ sagt Karin Harr und ihr Mann meint: „Viele wissen, dass Körper und Seele zusammengehören, aber wir sind der Ansicht, auch der Geist gehört dazu und das wird oft vernachlässigt.“ So kommen die Gäste bei Harrs sowohl mit der Schöpfung als auch mit dem Schöpfer in Kontakt.

Durch ein Seminar des Landfrauen-Bildungswerkes wurde Karin Harr dazu motiviert, ihre Idee „Altes Backhaus Grüntal – märchenhaftes Landerleben“ tatsächlich umzusetzen und auch eine eigene Firma zu gründen. Das Projekt erhielt auch eine Förderung der innovativen Maßnahmen für Frauen im ländlichen Raum.

Mit Ihrer „Firma“ hat das Ehepaar eine Möglichkeit gefunden, seinen Glauben nicht nur privat in den vier Wänden zu leben, sondern auch beruflich im Bereich Freizeit weiterzugeben. Dazu gehört auch, dass sich Karin und Andreas Harr den Sonntag freihalten. Der gehört den beiden, ihrer Familie und ihrem Glauben.


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