Christliche Themen für jede Altersgruppe

Beharrlich zum Ziel

STUTTGART – Vor 15 Jahren begann Heide Quandt, den Taufstein der Schlosskirche zu suchen und fand ihn vor zwölf Jahren. Vor wenigen Monaten wurde er wieder aufgestellt. Zuvor aber folgte Quandt dem Stein im Lauf der Zeit von der Innenstadt nach Vaihingen und zurück. 


Geschafft: Nach 15 Jahren ist der Taufstein wieder in der Schloss­kirche. Heide Quandt hat sich dafür eingesetzt.  (Foto: privat)

Manchmal zahlt es sich aus, an einem Thema dran zu bleiben. Heide Quandt ist dankbar, dass ihr Engagement Früchte trägt. Die Wahl-Stuttgarterin führt Besuchergruppen durch die Schloss- und auch durch die Stiftskirche. Und sie interessiert sich schon viele Jahre für Geschichte, insbesondere die der beiden Kirchen. Die Schlosskirche, die sie sehr liebt, und durch die sie auch Besuchergruppen führt, hatte es ihr besonders angetan. Weil sie wusste, dass die Kirche im Krieg nicht zerstört worden war, wunderte sie sich darüber, dass der Taufstein fehlte und begann zu forschen.

2002, bei Ausgrabungen an der Schlosskirche, besuchte sie den Keller der Schlosskirche. Dort lagen einige Gegenstände. Eines Tages entdeckte sie eine Art Tisch, der ihre besondere Aufmerksamkeit erregte. Denn ihre Vermutung war, dass es sich dabei um den Taufstein aus der Schlosskirche handeln könnte. Da sie Kontakt zu dem Historiker Günter Memmert hatte, fragte sie ihn, ob es sich hierbei um den gesuchten Taufstein handeln könnte. Der bejahte.

Quandt und Memmert vermaßen den Taufstein, machten Fotos. Sie fanden heraus, dass der Stein in den 1970er-Jahren, bei der Renovierung der Schlosskirche, ins Depot des Landesmuseums gewandert war. Doch der Vorschlag Heide Quandts, den Stein dort wieder aufzustellen, fand zunächst wenig Resonanz beim Dekanat. Der Taufstein wanderte in ein Depot in Stuttgart-Vaihingen, später in ein Lager am Löwentor. Heide Quandt folgte dem Taufstein überall hin. Jedes Mal dokumentierte sie das gute Stück mit Fotos, in ihrer Sammlung sind unzählige. „Ich habe viel Geduld“, sagt die Hobby-Historikerin  und Fotografin von sich selbst.

Einige Jahre kam sie mit dieser Geduld und ihrer Beharrlichkeit dennoch nicht weiter. Dann wurde im vergangenen Jahr der Taufstein der Hospitalkirche aus einem Waldstück bei Böblingen geholt und im Innenhof des Hospitalhofs, an seinem ursprünglichen Platz in der früheren Dominikanerkirche, aufgestellt. Das gab den Ausschlag für einen neuen Anlauf. Heide Quandt erzählte Søren Schwesig von ihrer Idee. Schwesig, der seit 2013 Stadtdekan in Stuttgart ist, unterstützte das Vorhaben vom ersten Moment an. Denn er erinnert sich an seinen ersten Aufenthalt in der Schlosskirche noch sehr gut: „Sie hat mir von Anfang an gefallen – aber etwas fehlte. Der Taufstein.“ Nicht, weil man ohne Taufstein nicht taufen könne – dazu gebe es ja ein Taufgeschirr, das man auch gut auf den Altar stellen kann. Aber weil die Taufe neben dem Abendmahl eines der beiden evangelischen Sakramente ist, hält Schwesig es für wichtig, dass sie auch einen Niederschlag in der Architektur einer Kirche findet. Auch deshalb trat der Stadtdekan den Weg durch die Instanzen an.

Dieser Weg war lang. Zwar wird die Schlosskirche von der Gesamtkirchengemeinde Stuttgart genutzt, von der Stiftskirchengemeinde betreut, Entscheidungen über Gottesdienste trifft der Stadtdekan. Für bauliche Dinge ist allerdings das Land, also der Schlosseigentümer, zuständig. Deshalb war nicht nur die Kirchenpflege der Gesamtkirchengemeinde gefragt, sondern auch die Verwaltung der staatlichen Schlösser und Gärten. Außerdem das Denkschutzbehörde und natürlich die Landesmuseum, in dessen Depot der Taufstein gelagert wurde.

Ende 2014, als die Zustimmung der einzelnen Stellen vorlag, ging eine Gruppe mit Vertretern dieser Einrichtungen mit einem Pappmodell des Taufsteins durch die Schlosskirche, um einen passenden Standort zu suchen. Der ursprüngliche Ort, vor dem Altar, war nicht mehr wirklich geeignet, denn „inzwischen haben sich die liturgischen Gewohnheiten geändert“, sagt Søren Schwesig. Die Gruppe mit dem Pappmodell einigte sich auf den Platz vor der Königsloge. „Ich finde, das ist ein guter Platz, weil der Taufstein so gut sichtbar ist, aber bei Konzerten keinen Sichtverlust bedeutet“, sagt der Stadtdekan.

Im Mai diesen Jahres erlebte Heide Quandt dann eine kleine Überraschung: Um die Nacht der Offenen Kirchen an Pfingsten zu bewerben, wollte sie in der Schlosskirche Plakate aufhängen und Handzettel auslegen. Just als sie dort ankam, stand vor dem Eingang zur Schlosskirche der Taufstein auf einer Palette, mit Gurten verspannt. Auf den ersten Blick sah Quandt, dass manche Ecke des Taufsteins abgeplatzt war. Diese Beschädigungen hatte es seinerzeit in den verschiedenen Lagern nicht gegeben.Vermutlich sei der Schaden entstanden, als man den Tisch, der zumeist auf dem Kopf gestanden hatte, umdrehte, sagt Quandt. Zu ihrer großen Freude war der Taufstein aber schon zu Pfingsten repariert.  Nun freut sie sich darüber, dass sie ein weiteres „Kleinod im Kleinod Schlosskirche“ präsentieren kann, wenn sie Besuchergruppen führt.


Führungen in und Vorträge zur Schlosskirche können mit Heide Quandt, Telefon 0711-232739, vereinbart werden.


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