Christliche Themen für jede Altersgruppe

Bibeln und Gummibärchen

GEISLINGEN (Dekanat Geislingen) – Mitten in Geislingens Oberer Stadt, dort, wo der Migrantenanteil am höchsten ist, befindet sich seit fast 30 Jahren ein christlicher Buch- und Musikladen. Heinz Weberruss hat dort vom Überfall bis zu Bekehrungen schon viel erlebt. 


Heinz Weberruss hinter seinem Tresen vom „Guten Land“. (Foto: Claudia Burst)


„Robert Kohn Hutmacher“ steht in großen goldenen Lettern über dem beleuchteten Schaufenster, auf dem , sehr viel kleiner der Schriftzug „das gute Land“ zu sehen ist. Wenn man den christlichen Buch- und Musikladen mitten im Geislinger Immigranten-Viertel betritt, klingelt ein Glöckchen, Inhaber Heinz Weberruss blickt zur Tür und lächelt. Der 60-Jährige ist kaum zu sehen. Völlig eingerahmt sitzt er hinter Kalendern, Losungsbüchern, Andachtsbüchern, Ansichtskarten. Hinter ihm befinden sich ein altertümlich anmutender Heizlüfter sowie ein Regal voll unterschiedlicher Bibeln, neben ihm eine Musikanlage und eine Computer-Registrierkasse.

So klein wie der Kassenbereich ist das ganze Lädchen: 45 Quadratmeter vollgestopft mit Büchern und CDs, teilweise stehen die Bücher sogar mehrreihig in den Regalen. Weberruss  wundert sich selbst, dass er immer alles Gesuchte orten kann. Wobei er sich über vieles wundert: etwa, dass das gute Land inzwischen seit fast 30 Jahren besteht, obwohl er es ursprünglich nur zwei oder drei Jahre selber leiten und dann abgeben wollte. Oder dass die Kunden trotz seiner nicht wirklich kundenfreundlichen Öffnungszeiten kommen. Und dass er noch nicht pleite gemacht hat, obwohl er nicht das verkauft, was sich kommerziell rechnet, sondern das, wohinter er selbst steht.

Heinz Weberruss macht fast alles, was er tut, aus christlicher Überzeugung. Und obwohl er manchmal an seiner Eignung als Buchhändler und Seelsorger zweifelt, tut er es – weil er sich von Jesus an diesen Platz gestellt sieht. Er ist Mitglied der Landeskirche und stellvertretender Gemeindeleiter in der Geislinger Volksmission. „Aber ich fühle mich allen Christen vor Ort verbunden“.

Eigentlich ist der Witwer und fünffache Vater studierter Bau-Ingenieur. Um danach seinen „Traumberuf Hausmeister“ auszuüben. Bis heute. In einem Übergangswohnheim, einst für Spätaussiedler aus Osteuropa, heute für Flüchtlinge. Das macht er vormittags, nachmittags ist er im Laden.

Für viele Kunden sei das gute Land eine „verdeckte Begegnungsstätte“. Sie kämen lieber, um zu reden als zu kaufen. Oft schon hat er mit Besuchern im Laden gebetet, seelsorgerliche Gespräche geführt, sie getröstet und sich mit ihnen gefreut. Tolle Diskussionen und Streitgespräche gab es auch schon mit vielen seiner muslimischen Nachbarn. „Allerdings mehr früher. Da konnte man sich noch über die Unterschiede unserer Religionen streiten, um danach mit einem herzlichen Schulterklopfen auseinander zu gehen. Das ist heute nicht mehr so“. Und das, obwohl Weberruss ein Typ ist, der es mit allen gut kann. Unter seinen Freunden sind viele aus anderen Nationen und mit anderen Religionen, unter seinen Kunden sowohl Katholiken, als auch Evangelische oder Evangelikale.

Einmal sei am Morgen des Heiligen Abends ein Betrunkener in den Laden gekommen. Mit einer leeren Bierflasche als Waffe. „Der war drogenrückfällig und aggressiv. Er provozierte mich, warf die Postkartenständer um. Irgendwie konnte ich ihn jedoch beruhigen. Da ging er wieder.“

Während Weberruss erzählt, öffnet sich die Ladentür mit einem Bimmeln. Zwei fremdländische Jungs, etwa 15 Jahre alt, schauen rein. „Heute keine Süßigkeiten?“ fragen sie. „Nein, nur montags“, erklärt der Ladenbesitzer. Jeden Montag verschenkt er Gummibärchen an Kinder. Und weil hier in der Gegend so viele der Kinder einen muslimischen Hintergrund haben, gibt’s seit Jahren als Alternative schokoummantelte Erdnüsse. Kürzlich kamen drei türkische junge Leute, etwa 25. Die hätten sich so gefreut, dass es den Laden – samt den Gummibärchen – immer noch gab. „Ich sei ein fester Bestandteil ihrer Kindheit gewesen, haben sie gemeint“, erzählt er und lacht.


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