Christliche Themen für jede Altersgruppe

Christliche Bildung als Ziel

STUTTGART – Das Mörike, Gymnasium und Realschule, ist aus Stuttgart heute nicht mehr wegzudenken. Vor 175 Jahren wurde die Schule als „Töchterinstitut“ gegründet. Treibende Kraft war Charlotte Reihlen, die auch die Diakonissenanstalt Stuttgart mit gegründet hat. 



Eine erste Klasse 1961. (Foto: Evangelisches Mörike-Gymnasium)

Stuttgart 1841 – ganz Württemberg feierte damals das 25. Regierungsjahr  von König Wilhelm I. Die Jubiläumssäule auf dem Schlossplatz erinnert bis heute daran. Im gleichen Jahr wurde eine private Mädchenschule gegründet, das „Weidle’sche Töchterinstitut“. Aus ihm entstand im Lauf der Zeit das Evangelische Mörike-Gymnasium. Es kann jetzt auf 175 Jahre zurückblicken.

Offizieller Gründungstag ist der 5. Mai. Da begann die Schule mit 49 Schülerinnen. Vier der Väter hatten im März bei der königlichen Schulbehörde den Antrag gestellt. Bereits nach fünf Tagen erhielten sie die Erlaubnis, eine „Privatlehranstalt für Töchter“ zu errichten. Schulleiter wurde der junge Lehrer Friedrich Weidle (1808–1876); über 30 Jahre lang trug die Schule seinen Namen. Erst hatte man Schulräume in der Marienstraße. Bald konnte man in Eberhardstraße 1 einen Neubau beziehen, über dem Warenlager der Firma Reihlen.

Gleich gegenüber befand sich das Geschäft der Firma, eine Art Supermarkt. Über dem Laden wohnte die Familie von Friedrich und Charlotte Reihlen. Sie gehört unmittelbar zur Vorgeschichte der neuen Schule.

Denn die Reihlens hatten schon 1836 Weidles pädagogische Begabung entdeckt. Als Volksschullehrer absolvierte er gerade ein Aufbaustudium zum Reallehrer. Er wurde ihnen empfohlen, als sie für ihre beiden Söhne zusätzliche Religionsstunden planten. Weidle hat sie mit seinem Unterricht sofort überzeugt. Im Nebenzimmer hörten sie gern selber zu. Andere Familien wurden eingeladen. Anschließend sprach man im Kreis der Eltern noch über das jeweilige Thema. Aus diesem Hauskreis entwickelte sich die so genannte „Weidle’sche Stunde“, eine pietistische Gemeinschaftsstunde Hahnscher Prägung.

In diesen Jahren kamen die beiden Reihlen-Töchter ins schulpflichtige Alter. So engagierte man Weidle zugleich als Hauslehrer. Sein Elementarunterricht hatte schnell Zulauf aus befreundeten Familien. Eine zweite Jahrgangsgruppe wurde gebildet mit einer weiteren Lehrerin. Als das Wohnzimmer bei Reihlens zu klein wurde, bot eine andere Familie das ihre an. Schließlich beantragte man, unter Federführung von Friedrich Reihlen, formell die Gründung der Schule.

Treibende Kraft im Hintergrund war seine Frau Charlotte (1805–1868). Sie stammte aus einem frommen Pfarrhaus, geboren in Kemnat, aufgewachsen in Weissach. Mit 18 heiratete sie und kam nach Stuttgart in die vermögende und weltoffene Kaufmannsfamilie. Die Ehekrise blieb nicht aus. Doch konnte sie sich mit ihrem Glaubensernst behaupten und schließlich ihren Mann dafür gewinnen, ihre kirchlichen und diakonischen Initiativen zu unterstützen. 

Charlotte Reihlen hatte ein doppeltes Anliegen. Einerseits die Mädchenbildung, die damals noch kaum gefördert wurde. Sie hat 1854 auch entscheidend bei der Gründung der Evangelischen Diakonissenanstalt mitgewirkt, um junge Frauen zu Krankenschwestern auszubilden. Ebenso wollte sie mit der so genannten „Mägdeanstalt“, 1860 gegründet, den 14- bis 16-jährigen Mädchen, die nach der Schule in einem Haushalt tätig waren, eine einjährige Ausbildung ermöglichen.

Andererseits hatte sie ein religionspädagogisches Anliegen. An Weidle überzeugte sie sein gefestigter christlicher Charakter. Die Schulbildung sollte die Gewissen bilden und auf den Weg des Glaubens führen. So entwarf sie als ihr persönliches Vermächtnis das bekannte Bild vom breiten und schmalen Weg, das noch lange in vielen Häusern an der Wand hing.

Die Zeiten haben sich seither ebenso geändert wie der Name der Schule. Geblieben ist die Aufgabe: Eine christliche Schule hat Allgemeinbildung zu vermitteln und dabei junge Menschen zu Persönlichkeiten zu bilden, die von Gottes Barmherzigkeit wissen und sich in ihrem eigenen Leben womöglich davon leiten lassen.

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