Christliche Themen für jede Altersgruppe

Das Äußere ist nicht so wichtig

DITZINGEN-SCHÖCKINGEN – Manchmal geraten Menschen ganz langsam und schleichend in finanzielle Not. Clemens Morlok hat lange gebraucht, um sein Problem zu erkennen und sein Haus zu verkaufen. Viele Dinge haben ihm dabei geholfen – auch der Glaube. 

Clemens Morlok hat durch finanzielle Not viel gelernt.(Foto: Michael Bolay)

Eigentlich ging es Clemens Morlok sehr gut. Sein Unternehmen im Bereich Tele- und Dialogmarketing war erfolgreich, es kamen viele Aufträge, er konnte mit seiner sechsköpfigen Familie regelmäßig essen gehen und schöne Urlaube machen. Zusammen mit seiner Frau hatte er ein Haus gekauft, das sie ganz normal jeden Monat abzahlten.

Die Veränderungen kamen schleichend. Bei einer Betriebsprüfung im Jahr 2002 wurde die Anschaffungsrückstellung nicht anerkannt. Die Folge: 360.000 Euro Steuernachzahlung. Im ersten Moment natürlich ein Schock: „Das Geld hat man ja nicht einfach auf der hohen Kante“, sagt Clemens Morlok. Doch das Finanzamt ließ sich auf Ratenzahlungen ein. Mit den monatlichen Beträgen fürs Haus beliefen sich die regelmäßig abzuzahlenden Beträge auf 8.000 Euro monatlich. Aber zunächst ging alles gut, irgendwie.

Dem heute 56-Jährigen dämmerte zwar, dass etwas gewaltig schief lief in seinem Leben. Auch, dass die monatlichen Belastungen ziemlich hoch waren. Doch irgendwie verschloss er lange die Augen vor dieser Wahrheit. Als er immer wieder gegenüber dem Finanzamt in Verzug geriet und entsprechende Zinsen zahlen musste, machte er sich vor, es sei alles in Ordnung. 

Die Spirale drehte sich weiter nach unten. „Man zahlt verspätet, kommt von den Zinsen nicht mehr herunter. Das bedeutet, im Prinzip zahlt man mehr, obwohl es eigentlich hätte weniger werden sollen.“

Doch irgendwann musste sich Morlok eingestehen, dass es nicht mehr geht. 2007 brachen große Aufträge weg. Von den 2.000 Euro, die ihm für sich und seine Familie damals zum Leben blieben, konnte er die hohen Raten nicht mehr bezahlen. Bevor das Haus in eine Zwangsversteigerung ginge, wollten Morlok und seine Frau es selbst verkaufen. Doch das war leichter gesagt als getan. Es gab einen Käufer. Ganz knapp vor dem Notartermin sprang der aber ab. Wäre dieser Termin nicht geplatzt, die Morloks hätten alle ihre Schulden auf einen Schlag bezahlen können.

Clemens Morlok fiel ein Spruch auf einem Abrisskalender in die Augen: „Sorget nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen.“ (Matthäus 6,34). Das gab ihm Hoffnung. Darauf, dass er nicht auf der Straße schlafen wird, dass er und seine Familie nicht verhungern werden. Denn zusätzlich zu der Frage, wie sich das Haus verkaufen ließe, kam ja noch die nach einem neuen Heim für die Familie. Mit sechs Personen und zwei Hunden schien die Suche nach einer Wohnung in Schöckingen schier aussichtslos. Kurz vor der Zwangsvollstreckung wurde das Haus der Morloks verkauft – zu einem viel niedrigeren Preis als ursprünglich einmal geplant. Der Erlös reichte nicht, um alle Schulden zu begleichen. Sparen war nun angesagt. Dann fand sich ein Haus, das die Familie mieten konnte. Zwar war es kleiner als das alte. Aber die Familie hielt zusammen.

Auch aus dem Dorf kamen viele Ermutigungen. Mal fand sich Geld in einem Umschlag im Briefkasten, mal war es ein tröstendes Wort, oder die Familie bekam Gemüse geschenkt. „Ich habe in der Zeit gelernt, Geschenke anzunehmen, ohne mir gleich eine Gegenleistung zu überlegen.“ Und Morlok fing an zu beten: „Jesus, wenn Du mir schon kein Geld gibst, dann lass mich wenigstens gut schlafen.“ Das habe meistens geklappt, sagt er.

Inzwischen sind die Schulden weitestgehend zurückbezahlt, auch ein Urlaub ist hin und wieder einmal drin. Clemens Morlok hat sich durch diese Geschichte verändert. „Ich bin nicht mehr so anspruchsvoll wie früher. Das Äußerliche spielt keine so große Rolle mehr. Es ist nicht so wichtig, ob ich ein eigenes Haus habe oder zur Miete wohne. Und ich brauche nicht mehr alle halbe Jahre ein neues Auto, das alte tut es auch noch.“

Und noch eine Erkenntnis hat er bekommen: „Man kann sich auch zu Tode schaffen.“ In den Spitzenzeiten nämlich schlief er neben dem Drucker, alle zwei Stunden klingelte der Wecker, damit er Papier nachlegen konnte. „Es ist gut, dass das aufgehört hat“, sagt Morlok heute.

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