Christliche Themen für jede Altersgruppe

Das Vaterunser auf Arabisch

SCHORNDORF – Die Evangelische Allianz lädt einmal im Monat zu einem Gottesdienst der besonderen Art ein: einer Andacht für Flüchtlinge, die auch in arabischer Sprache gehalten wird. Was im kleinen Kreis begonnen hat, erfreut sich mittlerweile reger Beteiligung.


Aufmerksam hören die Gäste Sandra Abou Hamra zu (Foto: Markus Heffner).


Oben im Kirchturm läuten die Glocken zum Abendgebet, unten im Altarraum tönt dazu orientalische Musik aus den Lautsprechern. Begrüßungsklänge für Menschen, denen diese Art von Musik eine wohl vertraute Heimat ist – und für die das Glockengeläut der evangelischen Stadtkirche in Schorndorf zur neuen Heimat werden soll. „Werte wie Vertrauen, Glaube und Sicherheit sind sehr wichtig, das wollen wir hier den Menschen zurückgeben, die vieles verloren haben“, sagt Sandra Abou Hamra.

Die 55-jährige Schorndorferin ist selbst vor mehr als drei Jahrzehnten aus dem Libanon ins Schwabenland gekommen und kann daher aus eigener Erfahrung nachempfinden, wie es sich anfühlt, „weit weg von der Heimat in der Fremde zu leben“, wie sie sagt. Etwa 80 Menschen kann sie an diesem Abend in der Stadtkirche begrüßen, Flüchtlinge aus Syrien, Pakistan, dem Irak, Ägypten, Jordanien und anderen Ländern. Viele von ihnen seien zwischenzeitlich zu guten Freunden geworden, sagt Sandra Abou Hamra, die keine Theologin ist, ihren christlichen Glauben aber schon lange intensiv lebt und vieles in ihrem Herzen trägt, das sie weitergeben kann. „Gott versteht jede Sprache, das Gebet ist die offene Tür zu ihm“, erzählt sie zu Beginn des Gottesdienstes erst auf Arabisch, dann auf Deutsch. Gefolgt von zweisprachigen Andachten, Gebeten und Geschichten.

Den ersten Gottesdienst dieser Art hatte sie im November vergangenen Jahres geleitet, damals noch mit sieben Flüchtlingen und einer Handvoll engagierter Helfer in der kleinen Marienkapelle der Stadtkirche. Eigentlich sei geplant gewesen, dass der Pfarrer den Gottesdienst in Form eines syrisch-orthodoxen Gebets abhalte. Da er aber kurz vorher krank geworden sei, habe Sandra Abou Hamra das Amt spontan übernommen, erzählt Damaris Siegle von der Süddeutschen Gemeinschaft (SV-Schorndorf), die neben etlichen weiteren Kirchen und Gemeinden zur Evangelischen Allianz Schorndorf gehört.

In diesem Kreis, bei einem Gebetsfrühstück, war seinerzeit die Frage aufgekommen, was die Kirche für Flüchtlinge tun könne. Der Anlass dazu waren 95 Flüchtlinge, die im Herbst 2015 der Kommune im Remstal zugeteilt wurden und zunächst in einer Sporthalle untergebracht worden waren. Nach einigen Diskussionen sei die Idee der Gottesdienste in arabischer Sprache entstanden, die eigentlich für Flüchtlinge mit christlichem Glauben gedacht waren. „Viele von ihnen  haben die regulären Gottesdienste besucht. Daher wollten wir für sie ein Angebot in ihrer Muttersprache machen“, sagt Damaris Siegle. Schon bei der zweiten Auflage im Dezember hätten sich unter die bereits hundert Besucher aber auch viele Muslime, Jesiden und Menschen anderer Glaubensrichtungen gemischt.

Zwischenzeitlich werden vor dem Gottesdienst dreisprachige Liederblätter verteilt, hinterher gibt es Tee und Gebäck für die Besucher. Die Gespräche untereinander gehören genauso dazu wie die Gebete miteinander, auf diesem Weg seien schon einige Freundschaften entstanden, sagt Damaris Siegle. Auch Rolf Markert ist an diesem Abend zum ersten Mal in seinen solchen Gottesdienst gekommen, um Menschen zu treffen, die vielleicht Hilfe brauchen. „Es ist wichtig, dass es eine Möglichkeit gibt, Kontakte zu unseren neuen Bürgern zu knüpfen“, betont  Markert, der zusammen mit seiner Frau schon seit Jahren eine achtköpfige Familie aus dem Irak betreut. Der Vater habe sich vor einiger Zeit zusammen mit zwei Söhnen in der Stadtkirche taufen lassen. „Wir wollen Begleiter sein auf dem Weg des christlichen Glaubens“, sagt Markert.

Sandra Abou Hamra ist mit dem christlichen Glauben aufgewachsen, in ihrer alten Heimat im Libanon. In der Stadtkirche Schorndorf habe sie ein zweites Zuhause gefunden, betont sie. Die vierfache Mutter engagiert sich hier schon seit vielen Jahren im Kirchengemeinderat, sie hilft im Kirchencafé, bei Festen und Gottesdiensten. Dass sie nun die Möglichkeit hat, einmal im Monat selber vor dem Altar zu stehen und etwas weiterzugeben, erfüllt sie mit Freude und Dankbarkeit, wie sie sagt. „Ich wünsche mir, dass hier viele Menschen ihre geistliche Heimat finden, Gemeinschaft erleben und ihren Glauben an Gott leben können.“


Der nächste arabische Gottesdienst  findet statt am 22. Februar um 18 Uhr in der Stadtkirche Schorndorf.





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