Christliche Themen für jede Altersgruppe

Dem Bauchgeflüster trauen

HOLZGERLINGEN (Dekanat Böblingen) – Bei immer mehr werdenden Eltern ist die Schwangerschaft von Ängsten, Sorgen und Nöten begleitet. Besondere Gottesdienste sollen künftigen Müttern und Vätern helfen, das „Naturereignis Kinderkriegen“ wieder mit Ruhe und Freude zu erleben. 

Hebamme Uta Leipoldt im Gespräch (Foto: Markus Heffner)

In aller Gemütsruhe streicht Nelli Schwab über ihren Bauch, dem unschwer anzusehen ist, dass demnächst ein freudiges Ereignis ansteht. Das Kinderzimmer ist längst eingerichtet, die Tasche für die Geburtsklinik gepackt und die Babytrage steht auch schon bereit. An diesem Abend ist die 32-Jährige zusammen mit ihrem Mann Eugen in die Johanneskirche gekommen, um Energie zu tanken, wie sie sagt, Kraft und Stärke mitzunehmen für die Geburt ihres ersten Kindes.

Allein: Die Ruhe trügt ein wenig. Trotz allem Optimismus, der zu ihrem Naturell gehört, hat sich Nelli Schwab in den zurückliegenden Wochen und Monaten mehr Sorgen gemacht, als sie es je für möglich gehalten hätte. „Jede Ultraschalluntersuchung war von unzähligen Gedanken begleitet, ob auch alles so ist wie es sein soll“, erzählt sie. Eine Ausnahme ist die werdende Mutter damit nicht, eher die Regel, wie Uta Leipoldt betont. Etwa 160 Eltern begleitet die Hebamme im Jahr, dazu ist sie noch in einer Böblinger Klinik bei 80 bis 100 Frauen Geburtshelferin. „Wir haben den Trend, dass die Paare durch die vielen Informationen und die ganze Technik zunehmend verunsichert werden“, sagt sie. Ihre Kollegin Ute Schmieg-Lasi wird noch deutlicher. „Bei vielen bestimmt nicht Freude, sondern Angst das Thema Schwangerschaft: Sie sind nicht mehr guter Hoffnung.“

Um die Mütter und Väter von morgen auf den Pfad der Hoffnung zurückzuführen und sie zu ermutigen, das „Naturereignis Kinderkriegen“ wieder mit etwas mehr Ruhe und Freude zu erleben, hat sich vor einiger Zeit ein Team von Frauen zusammengefunden, zu dem neben den beiden Hebammen auch eine Kindheitspädagogin, eine Psychologin und zwei Pfarrerinnen gehören. Gemeinsam organisieren sie besondere Gottesdienste für werdende Eltern, in denen diese befreit werden sollen von ihren Ängsten. „Eine Schwangerschaft ist oft eine Zeit großer Verunsicherung, durch die einem Gottvertrauen helfen kann“, sagt Susanne Jasch, die Pfarrerin in Waldenbuch ist und das Angebot entwickelt hat.

Der Gottesdienst in Holzgerlingen war bereits der dritte dieser Art, zu den ersten beiden hatte die Pfarrerin, die selber zweifache Mutter ist und das wechselnde Gefühlsleben während einer Schwangerschaft daher bestens kennt, in ihre eigene Gemeinde in Waldenbuch geladen. Die Resonanz war durchweg positiv, weshalb weitere Gottesdienste dieser Art folgen sollen. Anders als gewohnt sind die Kirchenbesucher dabei zwischen Predigt und Schlusslied eingeladen, an verschiedenen Stationen emotionale Erfahrungen zu machen. „Bauchgeflüster“ heißt heute eine dieser Stationen, „Siesta“ eine andere, „Perspektive“, ­„Jupheidi“ oder „Uff“. Unter dem gelben Schild am Altar steht eine Schale mit Steinen, die stellvertretend für die Sorgen versenkt werden können. Uff. „Vieles kann helfen, die innere Ruhe zu finden“, sagt Susanne Jasch, die auch als Seelsorgerin im Stuttgarter Olgahospital arbeitet. „Je mehr Untersuchungen gemacht werden, desto größer wird die Verunsicherung.“

Auch die-Psychologin Sabine Weller aus dem Vorbereitungsteam kennt diese Phänomen. In den vergangenen Jahren sei keine einzige schwangere Frau in ihrer Praxis in Waldenbuch gewesen, der nicht mindestens einmal ein Arzt gesagt habe, „da stimmt etwas nicht“. In den seltensten Fällen habe sich das hinterher bewahrheitet. Ein Mittel gegen Ängste: „Es ist wichtig, den Kontakt zu dem ungeborenen Kind zu halten, es zu spüren“, sagt sie. „Das Bauchgeflüster vertreibt die Gedanken, ob das Baby vielleicht zu groß oder zu klein ist.“



Der nächste Gottesdienst für werdende Eltern findet in Stuttgart während des Kirchentags Anfang Juni statt.
Der genaue Termin wird unter www.Frauen-efw.de veröffentlicht.


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