Christliche Themen für jede Altersgruppe

Den verlässlichen Gott suchen

Christentum und Islam: das ist ein spannungsgeladenes Verhältnis. Daher ist es auch nicht einfach für Muslime, zum Christentum zu konvertieren. Dennoch geschieht es immer mehr, vor allem Flüchtlinge aus dem Iran gehen diesen Schritt. Was ist der Grund? 


Im Zentrum des Geschehens: das Taufbecken. Hier in der Stadtkirche St. Marien in Torgau. (Foto: epd-Bild)

„Bei uns halten nur noch die Mullahs den Islam zusammen, so sagte mir ein iranischer Flüchtling. Und weiter: Denen traut sowieso niemand mehr.“ Das sagt Prediger Daniel Röger aus der Landeskirchlichen Gemeinschaft im bayerischen Uffenheim gibt Bibelkreise für Geflüchtete. Zumeist kommen Iraner. Er tauft sie. „Im Iran findet im Untergrund eine christliche Erweckung statt“, sagt er.

Warum spricht das Christentum offenbar nicht nur in Uffenheim gerade Iraner an und weitaus seltener sunnitische Muslime aus Syrien oder dem Irak? Die „Freiheit in Jesus Christus“, meint Pfarrer Hans-Dietrich Nehring aus Bayreuth. Auch er tauft viele Iraner. Schließlich herrscht dort seit 1979 ein streng schiitischer Islam. Vorher war das Land eher westlich ausgerichtet. Ausgerechnet Iraner brechen in Deutschland auch profan aus den strengen islamischen Regeln aus wie keine andere muslimische Flüchtlingsgruppe. Sie haben schon Helfer damit überrascht, dass sie zuerst nach einer Weinstube fragten.

Viele Flüchtlinge aus dem Iran knüpfen an die Traditionen der persischen Hochkultur an – Jahrtausende älter als der Islam. Als islamische Minderheit fühlten sich Schiiten gerne in einer Opferrolle. Das jährliche Gedenken an ihren unterlegenen Imam Husain gipfelt oft in massenhaften Selbstgeißelungen. Nach 1979 sah sich der Iran immer mehr als Schutzmacht der Schiiten an. Der Iran unterstützt neben Russland den syrischen Präsidenten Assad. Und Schiiten haben eine gewisse messianische Ausrichtung. Ihr zwölfter Imam soll am Ende aller Zeiten zurückkehren, um in Gerechtigkeit zu herrschen.

Daniel Röger hat im Sommer mit Einverständnis der bayerischen Landeskirche und unter Anwesenheit der örtlichen Pfarrerin Heidi Wolfsgruber sieben Iraner getauft, die inzwischen schon in der ganzen Region verteilt waren. Vorher gab es einen viermonatigen Alpha-Kurs. Außerdem wurden in Uffenheim eine aserbaidschanische und eine syrische Familie getauft. Auch danach nehmen die Iraner am Bibelkreis teil – so weit es ihre Zeit zwischen Integrationskurs und erster Arbeitsstelle zulässt. Ein Getaufter hat gerade erst bei der Taizé-Andacht das Evangelium gelesen, nickt Wolfsgruber.
Röger und ehrenamtliche Mitglieder der Landeskirchlichen Gemeinschaft in Uffenheim begleiteten den getauften Iraner zu der Anhörung im „Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF)“, die für alle Flüchtlinge gilt. „Wer gehörte zu den großen Bekehrten im Neuen Testament?“, fragte der Sachbearbeiter. „Matthäus“, sagte der Flüchtling sofort. Eisige Stille bei der Befragung. Nicht Paulus? „Der Zöllner Matthäus auch“, wiederholte der Flüchtling. Der BAMF-Mitarbeiter hätte nun intensiv gegoogelt, so Röger. Dann gab er sich mit der Antwort zufrieden.

Zwar genau, aber durchaus fair seien die Fragen des BAMF gewesen, findet Prediger Röger. Auch er begleitete bereits getaufte Flüchtlinge ins Amt. Die Mitarbeiter hätten sich auch bei ihm nach dem Ablauf der Taufe und des Taufgesprächs erkundigt. Aus der örtlichen Erstaufnahme-Einrichtung suchten Iraner den Kontakt zum Internationalen Bibelkreis. Viele hätten im Iran Hauskreise besucht.
Die Uffenheimer sind nicht allein. „87“, sagt Nehring ohne zögern. Genau so viele Muslime wurden bislang an seiner Bayreuther Friedenskirche getauft. Viele kommen nicht direkt aus Bayreuth, sondern aus der gesamten Umgebung. Die ersten taufte Regionalbischöfin Dorothea Greiner.

Alle schiitische Iraner – bis auf zwei Ausnahmen. Dies war einmal ein Afghane, der jedoch auch einer farsi-sprechenden Volksgruppe angehörte. Denn mit dieser Sprache verständigen sich die Iraner. Auch wenn sie mit arabischen Buchstaben geschrieben wird, hat sie indoeuropäische und nicht semitische Wurzeln.

Und dann ein Kurde, ein hochrangiger Offizier der Peschmerga-Kämpfer. „Das war aber kein Flüchtling“, so Pfarrer Nehring. In den Kämpfen mit dem IS war der Kurde verwundet worden. Deutsche Kliniken behandelten ihn. Bevor er an die Front zurückkehrte, ließ er sich taufen.

Auch den anderen geht es nicht um den „Taufschein“ als zusätzlichen Asylgrund. Da ist sich Nehring sicher. Nach der Taufe verblasst das Interesse nicht – im Gegenteil. Viele der neuen Christen arbeiten weiter im Taufkurs als Lehrer oder Übersetzer. Sie nehmen aktiv am Gemeindeleben teil. Sie treffen sich zum Bibellesen oder im Gospelchor. Nehring plant einen vertiefenden „Glaubenskurs“ für die Getauften. Er soll „interaktiver“ sein als der Taufkurs. Die Teilnehmer können ihre Fragen und ihre Erlebnisse verstärkt einbringen. Der Taufkurs selbst ist in zwölf Einheiten mit den wesentlichen christlichen Glaubensinhalten gegliedert – wenn auch als „Rundlaufkurs, bei dem man jederzeit zusteigen kann“.
Rund die Hälfte der Bayreuther Getauften hätte bereits im Iran regelmäßig Hauskreise oder Hauskirchen besucht. Deren Mitglieder treffen sich im kleinsten Kreis. Oft ist die Bibel für sie nur in Fragmenten erhältlich. Nehring weiß von einem Flüchtling, der mit dem Handy eine Bibel auf Farsi Seite für Seite abfotografiert und in den Iran schmuggelt. Wer verhaftet wird, verschwände über Monate und werde – mindestens – zum muslimischen Glauben zurückgezwungen. Niemand der Überlebenden spräche darüber.

Manchen Flüchtlingen sei auch empfohlen worden: Geht doch zu orientalischen Gemeinden, die auf arabisch oder aramäisch Gottesdienste oder Gemeindeleben organisieren, sagt Moritz Fischer, theologischer Referent beim evangelischen Bund Bayern in Nürnberg. Doch damit mache man es sich zu einfach. Viele Iraner sprechen diese Sprachen nicht. Sie suchen sich auch direkt evangelisch-lutherische Gemeinden aus – nicht nur, weil der Taufschein der Landeskirche offizieller aussähe. Die Iraner lehnen es oft ab, Arabisch zu sprechen. Im Iran ist nur die Armenische Kirche mit eigenen Traditionen geduldet. Doch dürfen sie niemals Muslime bei sich aufnehmen oder nur Informationen weitergeben.
Viele Bibelgeschichten hätten für ihn durch die Flüchtlinge eine viel existenziellere Bedeutung gewonnen, erzählt Nehring: Beinahe wäre Petrus untergegangen. In letzter Minute ergriff Jesus die Hand seines Jüngers – und zog ihn aus dem See Genezareth (Matthäus 15,22 ff.). Geht es da um eine unüberlegte Handlung des Jüngers? Um einen spontanen Ausbruch aus der Mittelmäßigkeit? Einige „seiner“ Flüchtlinge hätte die griechische Marine in letzter Minute aus dem Mittelmeer gefischt. Unser Gott „ist ein verlässlicher Gott“, dem man vertrauen kann, so Nehring.

„Ich missioniere nicht“, so Nehring. Alle taufwilligen Flüchtlinge kämen auf ihn zu – niemals umgekehrt. Ähnlich äußern sich auch weitere landeskirchliche Pfarrer in Bayern, die Taufkurse anbieten – wie auch Pfarrer Gerhard Knodt aus Hersbruck.

Oft sei aber gar nicht geklärt, was Mission bedeute, findet Moritz Fischer. Für Mission EineWelt war er in Tansania. Da habe er gelernt, dass zwar Toleranz wichtig sei, aber auch Protestanten Kernstücke des Glaubens „klar und verständlich versprachlichen“ müssten.


Luthers-Familienzeit

Jetzt Online-Magazin testen.

THEMA - Die Bergpredigt

Ausgabe 3/2017

Evangelisches Gemeindeblatt

Aktuelle Ausgabe 34/2017

Meinungsumfrage

Meinungsumfrage

Haben Sie durch die Veranstaltungen zum Reformationsjubiläum persönliche Impulse bekommen?
Ja.
Nein
Ich weiß es nicht