Christliche Themen für jede Altersgruppe

Der Arme Konrad wird lebendig

BEUTELSBACH (Dekanat Schorndorf) – Fast schon Kultstatus hat eine Legende erreicht, die den Beginn des Aufstandes „Armer Konrad“ beschreibt: Die Wasserprobe des „Gaispeters“ aus Beutelsbach. Pfarrer Rainer Köpf hat dazu ein Theaterstück geschrieben, das nun aufgeführt wird.

Waschweiber erzählen von den ungerechten Bestimmungen, die Herzog Ulrich eingeführt hat. (Foto: Brigitte Jähnigen)


Drei Bauersfrauen waschen Wäsche, singen und reden. „Dass du beim Gschäft au no singa kannscht, Kätter“, sagt Margret. „Ha, vor lauter Wut, ­woischt Margret, wenn i den Dreck da aus de Kleider rauswasch, na kommt au mei ennerer Dreck raus“, sagt Jätter. Els fragt: „Worom? Hasch grad Händel mit deim Ma?“. Kätter antwortet: „Von wega. Els denk no, mein Ma, den hat letscht Woch der Vogt eischbarra lassa, weil se ihn verwischt hend, wie der die Wildsäu aus unserem Wengert vertreiba hat. Wildsäu, die vom Schurwald ronter komma send. Die hend die schönste Weinstöck verwüstet. On der Vogt hat gsagt, des seiet herzögliche Wildsäu, die derf mei Ma net vertreiba. Er mias se fresse lasse.“ Mit Verve spielen die drei Frauen in ihren historisch nachempfundenen Kostümen ihre Rolle, rubbeln die Wäsche und schimpfen, was das Zeug hält.

Sie beklagen sich über die Ungerechtigkeiten, die Herzog Ulrich einführt im Land. Höhere Steuern auf die wichtigsten Lebensmittel beispielsweise. Oder, dass die Gewichte, mit denen die Lebensmittel beim Kauf gewogen wurden, nun leichter sind als zuvor, der Preis aber gleich bleibt. Ein Probenbesuch im Evangelischen Gemeindezentrum Beutelsbach. Weil sich der Aufstand des „gemeinen Mannes“ in Württemberg nun zum 500. Mal jährt, hat Gemeindepfarrer Rainer Köpf ein Theaterstück geschrieben, das ein Mal im Zelt, ein zweites Mal auf der Straße an drei Stationen aufgeführt wird. Es erzählt die Geschichte vom „Gaispeter“: Der ließ die neuen Gewichte in die Rems bei Großheppach werfen. Historiker haben dies lange Zeit als Wasserprobe verstanden: Gingen die Gewichte unter, hätte das Volk recht, würden sie schwimmen, der Herzog. Die Interpretation hat sich gewandelt; heute wird das Wegwerfen der Gewichte eher so interpretiert, dass der Gaispeter die Autorität des Herzogs infrage stellte.

In dem Stück gibt es 27 Rollen. Warum hat Franziska Breuning gerade die eines Waschweibes gewählt? „Waschweib entspricht meinem Naturell“, sagt die Hausfrau. Sie lacht, und alle lachen mit. Gisela Härrle ist im Stück die Metzgerin. „Es macht mir Spaß, je öfter ich spiele, umso mehr gefällt es mir. Ich interessiere mich für Geschichte, ich bin auch gegen Stuttgart 21, das ist ja auch eine Bürgerbewegung“, sagt die Lehrerin. Hans-Martin Lenz, von Beruf Zimmerer und technischer Lehrer, spielt den Gaispeter. „Man hat mich gefragt, ob ich die Rolle spielen möchte, es macht Spaß“, sagt er. Und Pfarrer Rainer Köpf sagt: „Die meisten brauchen sich hier nicht zu verstellen, die sind so.“

Sogar für die Rolle der Prinzessin Sabina von Bayern fand sich eine echte Bayerin – Eva Vöhringer. „Wenn die breit bayrisch spricht, dann geht es ab“, sagt Rainer Köpf. Er selbst teilt sich mit dem katholischen Pfarrer Ludwig-Frank Mattes die Rolle des Erzählers. Gespielt wird zur Hauptaufführung im Sommer an drei Stationen im Ort, das Publikum zieht mit. Nicht nur die schauspielernden Akteure sind beteiligt, sondern als musizierende Volksmenge auch der örtliche Liederkranz, evangelischer, katholischer und neuapostolischer Kirchenchor, der Musikverein Beutelsbach und der Posaunenchor des CVJM Beutelsbach. „Die Beutelsbacher haben zu Recht Grund, mit ortsgeschichtlichem Selbstbewusstsein auf diese Ereignisse zurück zu blicken“, sagt Rainer Köpf. Die Vorfahren hätten den aufrechten Gang gewagt. „Die Darstellung zeigt nicht das Auf- und Ab des Aufstandes, sie begrenzt sich auf die legendär gewordene Wasserprobe des Gaispeter“, sagt Köpf.

Jürgen Seibold
Der arme Konrad
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