Christliche Themen für jede Altersgruppe

Die Jungschar feiert Geburtstag

STUTTGART – Vor 100 Jahren entstand der Begriff „Jungschar“ – in Stuttgart, eine Erfindung des CVJM. Anlass war der Geburtstag von König Wilhelm II. von Württemberg. Der Name Jungschar zog Kreise und wird längst in ganz Deutschland verwendet. 

Gottesdienste und Andachten unter freiem Himmel gehören heute wie damals beim Jungscharlager dazu.(Foto: Evangelisches Jugendwerk Ditzingen)

Aufzeichnungen darüber, wie Jungscharen vor 100 Jahren ausgesehen haben oder abgelaufen sind, gibt es wenige. Verbürgt ist aber, dass die Jugendgruppen des Christlichen Vereins Junger Männer in Stuttgart zum Geburtstag des Württembergischen Königs Wilhelm II. am 25. Februar 1915 würdig begehen wollten. Deshalb beschlossen die Mitarbeiter, alle Knabenabteilungen des CVJM zu einem Regiment zusammen zu fassen und gaben ihm den Namen „Jungschar-Regiment“. Dieses Regiment marschierte bei der königlichen Geburtstagsfeier am König vorbei. Der Name Jung-schar blieb und machte Karriere in ganz Deutschland. Auch andere Gruppen, wie zum Beispiel der Jugendbund EC (Entschieden für Christus) übernahmen den Begriff. Das Wort Regiment hingegen verschwand.

Auch vieles andere hat sich gewandelt, sagt Paul-Heinrich Fuchs, der selbst viele Jahre lang CVJM-Sekretär war und bis zu seinem Ruhestand 2012 als Jugendreferent in Stetten auf den Fildern gearbeitet hat. Sein Vater, Jahrgang 1912, habe ihm von den alten Jungscharzeiten erzählt: Als Jungscharkind sei er mit den anderen Jungscharlern von Tübingen nach Bebenhausen gewandert, in einer Kluft, die der der Pfadfinder ganz ähnlich war. Die Gruppe habe ein Ständchen für den König gesungen, der sich gerade in Bebenhausen aufhielt. Der König sei wichtig gewesen, die Uniformen auch. Das Programm habe vielfach der so genannten Leibesertüchtigung gedient, und im Jungscharlager sei es wichtig gewesen, dass die Kinder regelmäßig auch etwas zu essen bekommen – denn in den Tagen des Ersten Weltkriegs und auch danach gab es ja nicht viel. Militärspiele hätten bei den Zeltlagern ebenfalls eine wichtige Rolle gespielt.

1954, mit sieben Jahren, wurde Paul-Heinrich Fuchs selbst Jungscharler in seinem damaligen Wohnort Tübingen, später hat er mitgearbeitet, auch dann noch, als er längst als Schuhkaufmann arbeitete. Seine Liebe zum CVJM und zur Jungschar ging dann so weit, dass er sich von 1974 bis 1977 zum CVJM-Sekretär ausbilden ließ, heute würde man dazu Jugendreferent sagen. Er war bis 2001 beim CVJM in Stuttgart angestellt als CVJM-Sekretär, ging dann als Diakon und Jugendreferent bis 2012 nach Stetten auf den Fildern, organisierte große Ferienlager mit, betreute Projektarbeit, koordinierte die CVJM-Arbeit und hielt natürlich auch Jungschar-Stunden.

„Die vier Grundpfeiler der Jungschararbeit sind geblieben“, sagt Fuchs: das gemeinsame Singen, eine erzählte biblische Geschichte, das Spiel beziehungsweise die Kreativität und das Abenteuer. Auch 1968, als Fuchs Jungscharmitarbeiter war, seien die Geschichten nicht vorgelesen worden, „sie wurden immer erzählt“. Was sich verändert hat, sei die Form. Heutzutage würden die Geschichten auch als Theaterstück mit zwei oder drei Mitspielern inszeniert. „Wenn man Geschichten bildhaft erzählt, kann man Kinder und Jugendliche heute auch fesseln“, sagt Fuchs. Allerdings müsse man heutzutage für mehr Abwechslung sorgen.

Was sich auch verändert hat: Die Jungscharen vor 100 Jahren waren nur für Jungs, längst gibt es Mädchenjung-scharen und gemischte Gruppen, und der CVJM heißt inzwischen auch Christlicher Verein junger Menschen.

Während die Jungschar-Gruppen früher bei Geländespielen mit Karte und Kompass unterwegs waren, nutzen sie heute das Mobiltelefon und die Navigation mittels GPS. „Aber das ist ja im Grunde das, was wir auch gemacht haben, nur mit anderen technischen Möglichkeiten“, sagt Fuchs. Bei längerem Nachdenken fällt ihm ein weiterer Unterschied zu früher ein: Das Liedgut habe sich verändert. So erinnert er sich noch an einen Liedtext von früher: „Wir sind die junge Schar, wir haben einen Herrn.“ Das singe man heute nicht mehr. Fahnen und Standarten gibt es heute auch nicht mehr, das sei zu Beginn der Jungscharen und auch später noch wichtig gewesen, vor allem bei den großen Zeltlagern, zu denen viele verschiedene Jungscharen zusammen kamen: „Da ging es dann häufig auch um Fahnenraub“, erzählt Fuchs.

Experimentiert hat Fuchs in all den Jahren seiner aktiven Jungschar-Leiter-Zeit ebenfalls. Als Anfang der 1970er Jahre das Fernsehen noch recht jung war, habe er monatliche ­Jungschar-TV-Abende angeboten. Meist mit regem Besuch. Doch zehn Jahre später habe solch ein Angebot niemanden mehr von zu Hause weggelockt. Also stellte Fuchs das Angebot wieder ein.  

Und während es nach wie vor wichtig ist, dass Mitarbeiter und Jungscharler einen persönlichen Kontakt zueinander aufbauen, diesen pflegen und halten, hat sich bei den Terminen außerhalb der wöchentlichen Gruppentreffen eine Änderung ergeben: „Sondertreffen und spezielle Aktionen werden nicht mehr lange vorher bekannt gemacht, sondern spontan über Facebook und Whatsapp vereinbart.“ Das Internet und Mobiltelefone gehören bei Jugendlichen längst zum Alltag. Doch in den Gruppen, die Paul-Heinrich Fuchs leitete, gab es schon auch Zeiten, in denen das Handy ausgeschaltet zu sein hatte. Bei großen Radtouren sammelte er schon mal die SIM-Karten der Jugendlichen ein – so konnten sie zwar noch fotografieren, aber nicht mehr telefonieren. „Das ginge heute wohl nicht mehr“, sagt der langgediente Jungscharmitarbeiter.



Information
„100 Jahre Jungschar“ ist eine Feier am 25. Februar in Schwieberdingen überschrieben. Sie beginnt um 18 Uhr in der Georgskirche mit einem Familien-Festgottesdienst. Im Anschluss werden die Teilnehmer um 18.45 Uhr zum Empfang mit Podiumsdiskussion ins evangelische Gemeindehaus, Gartenstraße 8, eingeladen. Das Thema lautet: „Kraftpaket Jungschar. Evangelische Jugendarbeit inmitten einer sich wandelnden Bildungslandschaft.“ Auf dem Podium sind die Landtagsabgeordnete und kulturpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Sabine Kurtz, der Leiter des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg Gottfried Heinzmann, Oberkirchenrat und Bildungsdezernent Werner Baur sowie Mitarbeiter und Jungscharler von heute und damals, so der geschäftsführende Bezirksjugendreferent von Ditzingen, Elmar Bruker und Juliane Kluck, Kirchengemeinderätin und Lehrerin aus Schöckingen. Die Moderation hat Pfarrer Matthias Hanßmann. Parallel zu Empfang und Diskussion gibt es Spiel, Spaß und einen geistlichen Abschluss für alle Jungscharler. Internet: www.ejd.de/100-jahre-jungschar/

Heute gibt es in 76 Prozent aller Gemeinden in Württemberg Jungschargruppen, in absoluten Zahlen sind es rund 2700. Um die 35.200 Kinder und Jugendliche nehmen daran teil. Betreut werden sie von etwa 10.300 Mitarbeitern, die zum größten Teil ehrenamtlich tätig sind.

Evangelisches Gemeindeblatt

Aktuelle Ausgabe 49/2017

THEMA - Angst überwinden

Ausgabe 4/2017

Luthers-Familienzeit

Jetzt Online-Magazin testen.

Meinungsumfrage

Meinungsumfrage

Werden Sie im neuen Jahr einen guten Vorsatz umsetzen?
Ja.
Nein.
Ich bin unentschieden.