Christliche Themen für jede Altersgruppe

Die spirituelle Seite Stuttgarts

STUTTGART – Es gibt viele Möglichkeiten, die Landeshauptstadt zu erkunden: bei klassischen Touren zu den Sehenswürdigkeiten, Architektur-Rundgängen oder Kulturführungen. Joachim Hübscher hat sich etwas Neues erdacht: einen Rundgang zur geistlichen Geschichte der Stadt. 


Joachim Hübscher führt Interesierte durch die geistliche Geschichte Stuttgarts . (Foto: Markus Heffner)


Da steht er, mit rauschendem Bart und majestätischer Geste, in der einen Hand ein Schwert, in der anderen einen Erlass. Seit über einem Jahrhundert erinnert das bronzene Denkmal auf dem Stuttgarter Schlossplatz nun schon an Herzog Christoph von Württemberg, den Renaissancefürsten und Wegbereiter, der im Zeitalter der Reformation regierte und diese entscheidend mitbestimmte. „In seiner Ära sind viele Entscheidungen gefallen, die für das geistliche Leben von Bedeutung waren“, sagt Joachim Hübscher.

Er selbst hat an diesem heißen Sonntagnachmittag eine Mappe mit Bildern in der Hand, die einige der Zeitgenossen zeigen, die gleichsam prägend waren. Philipp Matthäus Hahn etwa, der Pfarrer und Ingenieur, der eine Vielzahl von astronomischen Uhren und anderen Zeitmessmaschinen konstruierte, weshalb ihm der Titel „Uhrmacher Gottes“ verliehen wurde. Oder Ludwig ­Hofacker, zu dessen Predigten die Menschen zu Fuß von der Alb und noch weiter her in die Stuttgarter Leonhardskirche pilgerten. Nicht zu vergessen Sixt Karl Kapff, unter anderem Pfarrer der Stiftskirche, der sich als einer der bedeutenden evangelischen Geistlichen des 19. Jahrhunderts für den Pietismus in Württemberg stark machte.

Joachim Hübscher kennt viele solcher Geschichten, die er immer dann erzählt, wenn er zu einem seiner Stadtrundgänge einlädt. Einer Tour der spirituellen Art, die zu jenen Orten in der Stuttgarter Innenstadt führt, an denen die religiösen Entwicklungen und Empfindungen sichtbar werden. „Es gibt einiges zu entdecken in dieser Stadt“, sagt Joachim Hübscher.

Dabei ist der 43-Jährige weder gebürtiger Stuttgarter noch promovierter Theologe, dafür aber ein leidenschaftlicher Forscher. „Geschichte und Religiöses hat mich immer schon sehr interessiert“, erzählt er. Aufgewachsen ist Hübscher in Aschaffenburg, in Würzburg hat er Betriebswirtschaftslehre studiert und nach Stuttgart hat ihn vor zwischenzeitlich 17 Jahren die Arbeit verschlagen. Die fand er zunächst bei der Deutschen Bibelgesellschaft, bei der er unter anderem für den Bereich Fundraising und die Weltbibelhilfe zuständig war. Heute arbeitet er als Controller bei einem Medizintechnik-Unternehmen.

Längst hat der Unterfranke im Schwabenland eine neue Heimat gefunden, und auch sein Glaube hat hier mit den Jahren Wurzeln geschlagen. Zudem engagiert sich Hübscher im Trägerkreis Gebet für Stuttgart, in dem Menschen unterschiedlichster Glaubensrichtung vereint sind. Bei der Vorbereitung eines der vier Treffen im Jahr entstand dann auch die Idee, die religiöse Geschichte der Stadt lebendig zu machen, sagt Hübscher: „Alle haben mich angeschaut, da konnte ich ja nicht anders.“

Also hat er Tage und Wochen in Archiven verbracht, schwere Bücher gewälzt, im Internet recherchiert, mit Theologen diskutiert und Führungen mitgemacht. Herausgekommen ist ein Stadtrundgang, an dem das Interesse seit der Premiere im Jahr 2012 ständig steigt. „Seither werde ich immer wieder darauf angesprochen“, erzählt Hübscher, der schon diverse Gruppen durch die Stadt geführt hat. Für den nächsten Rundgang hat sich bereits der Württembergische Christusbund angemeldet.

Auch diese Tour wird vor dem Alten Schloss beginnen, das einst als Wasserburg zum Schutz eines Gestüts erbaut wurde, jenem namensgebenden „Stutengarten“. Andere Spuren der Vergangenheit sind eher unscheinbar, wie etwa die Tafel am Haus Marktplatz 5. Einst Sitz der Württembergischen Bibelanstalt, die hier am 11. September 1812 gegründet wurde.

Tief eingegraben ins Gedächtnis der Stadt hat sich die bewegte Geschichte der jüdischen Gemeinde, an die Joachim Hübscher auf dem Hoppenlau­friedhof erinnert. Er erklärt, warum auf dem Grabstein des Rabbiners Joseph von Maier „Kirchenrat“ steht. Und er erzählt vom Leben und Sterben des Joseph Süß Oppenheimer, der zum Finanzrat und politischem Ratgeber von Herzog Karl Alexander berufen wurde. Weil dieser vor der Thronbesteigung die Konfession gewechselt hatte, regierte seinerzeit ein katholischer Fürst über eine protestantische Bürgerschaft – beraten von einem Juden. Eine Konstellation, sagt Joachim Hübscher, „die damals für erhebliche Spannungen gesorgt und ein furchtbares Ende genommen hat“.




 

 

 

 

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