Christliche Themen für jede Altersgruppe

Doppeltes Kirchenschiff

Über die Stadtkirche in Freudenstadt staunt der Besucher. Denn sie hat zwei Kirchenschiffe, die im rechten Winkel zueinander stehen. Doch die Kirche ist nicht nur eine Touristen-Attraktion. In ihr ist Raum für die unterschiedlichsten Gottesdienste und für viele geistliche Angebote.


Dekan Werner Trick in der Stadtkirche (Foto:Thomas Fritsch)


Wer sich vom Unteren Marktplatz der Kirche nähert, sucht erst einmal den Haupteingang. Bei einer Winkelkirche – auch Winkelhakenkirche genannt – ist das nicht so einfach. Die Kirchengemeinde hilft bei der Orientierung und lässt den Eingang am Uhrturm offen. Von montags bis freitags gibt es im Sommerhalbjahr, in diesem Jahr bis 30. September, ein Ökumenisches Mittagsgebet. „5 nach 12“ heißt es in aller Kürze. 20 Minuten dauert es mit Lied und geistlichem Impuls. Zum Innehalten und Atemholen wollen die Veranstalter damit einladen. Das Besondere daran: Zum Team des Mittagsgebets gehören Mitglieder der evangelischen Stadtkirche, der evangelisch-methodistischen Friedenskirche und der katholischen Taborkirche.

Ökumene wird in Freudenstadt groß geschrieben. Im Winter gibt es die ökumenische Vesperkirche, auch der Hospizdienst und der Asylkreis sind ökumenisch, sagt Werner Trick. Er ist seit 2012 Dekan des Kirchenbezirks Freudenstadt. 29 Kirchengemeinden gehören zu seinem Bezirk.

Wer die Kirche betritt und zum Altar geht, registriert erst auf den zweiten Blick, dass es am Altar noch links weitergeht – ins zweite Kirchenschiff. Und das Erstaunliche: Predigt und Liturgie kann man von jedem Platz der Kirche aus mitverfolgen.

Warum Hofbaumeister Heinrich Schickhardt eine Winkelkirche baute, ist nicht ganz klar. Vielleicht sollte damit bewusst eine liturgische Mitte hervorgehoben werden, oder durch den Marktplatz hat sich die ungewöhnliche Kirchenform einfach ergeben.

Innen ist die Kirche schlicht. Das war vor 1945 anders. Bis zur Zerstörung war sie eine Renaissance-Kirche: Sie war farbig und üppig ausgestattet. Der württembergische Herzog Friedrich I. hat ihren Bau in Auftrag gegeben. Sein Hofbaumeister Schickhardt hat sie geplant, 1615 waren auch der Uhr- und der Glockenturm fertig.

1601 bei der Grundsteinlegung war der Herzog in Freudenstadt, weiß Wolfgang Riedrich. Er ist pensionierter Lehrer, war Leitender Schulamtsdirektor und kennt sich wie kaum ein anderer in der Geschichte der Stadt und der Kirche aus. Doch der Herzog blieb damals nicht lange, denn es regnete. Friedrich I. wollte wiederkommen, schließlich war Freudenstadt eine rein protestantische Gründung; sie war seine Gründung.

Es sollte lange dauern, bis auch Katholiken und andere Konfessionen nach Freudenstadt kamen. Die ersten Katholiken kamen mit dem Eisenbahnbau. Italiener galten damals als Eisenbahn-Spezialisten.

Zurück ins 17. Jahrhundert: Der Herzog persönlich wollte die Kirche einweihen. Schließen sollte Freudenstadt ja zur Residenzstadt ausgebaut werden. Doch es sollte nie dazu kommen, denn Friedrich I. starb 1608.

Für die Kirche spielt das keine Rolle. Heute ist Werner Trick stolz auf das reiche gottesdienstliche Leben in der Stadtkirche. Samstags findet um 18 Uhr ein Wochenschlussgottesdienst statt, donnerstags um 18.30 Uhr das Liturgische Abendgebet. Am Sonntag ist in der Regel um 10 Uhr Gottesdienst, einmal im Monat steht der Gottesdienst um halb elf unter einem besonderen Motto.

Im vergangenen Jahr seien bei der ChurchNight etwa 800 Besucherinnen und Besucher in der Stadtkirche gewesen. Freudenstadt stand damit, was die Besucherzahl anging, an erster Stelle in der Landeskirche.

Der Dekan und zwei Pfarrer betreuen die Gemeinde. Auch der Dekan hat einen eigenen Seelsorgebezirk. Darauf legt er Wert, weil ihm Menschen wichtig sind. „Über die Seelsorge kann  ich nah bei den Menschen sein“, betont Werner Trick. Hinzu kommen ein Pfarrer auf dem Kniebis, ein Pfarrer in der Martinskirche und eine Krankenhauspfarrerin. Im Dekanat Freudenstadt gibt es außerdem eine Pfarrerin für Gastronomie- und Tourismusseelsorge. Das ist einzigartig in der Landeskirche. Heike Hauber kümmert sich um Köche und Servicekräfte in den Hotels der Region.

Freudenstadt ist eine touristische Gegend. Deshalb wundert es nicht, dass dort gleich sieben Gottesdienste im Grünen im Jahr stattfinden.

Fast selbstverständlich ist, dass die Stadtkirche für ihre Kirchenmusik bekannt ist. 80 Frauen und Männer singen in der Kantorei, die von Kirchenmusikdirektor Jörg Michael Sander geleitet wird. Hinzu kommen weitere Chöre und Musik-Gruppen. „Wir machen für die Stadt Kulturarbeit“, sagt Werner Trick und meint damit, dass das Angebot weit über die Grenzen einer Kirchengemeinde hinausgeht.

Die Kommune nimmt das Angebot an. „Ich bin dankbar, dass die Kirche in Freudenstadt auch in der Öffentlichkeit sehr gut wahrgenommen wird“, sagt der  Dekan. Offenheit ist nicht nur für die Kirchengemeinde ein großes Thema, sondern auch für die Stadt selber. „Freudenstadt war einmal als das Sibirien Württembergs verschrieen, aber es hat sich gut entwickelt“, betont Wolfgang Riedrich. „Um 1920 strahlte Freudenstadt über die Landesgrenzen hinaus ein Flair aus.“

Heute gehören zur Offenheit auch offene Kirchentüren sowie eine Andachtsecke mit einer deutschen und einer arabischen Bibel. Auch Flüchtlinge sollen hier Heimat finden. Dazu passt, dass eine Weltkugel und Teelichter zu Gebeten für die ganze Welt aufrufen.


Das Programm des Glaubenwegs

10 Uhr: Gottesdienst in der Stadtkirche mit Dekan Werner Trick, Petra Ziegler und Kirchenmusikdirektor Jörg Michael Sander.

11.30 Uhr: Informationen über die Kirchengemeinde in der Stadtkirche (im Schiff mit der großen Orgel): Dekan Werner Trick.

Vor und nach dem Gottesdienst Getränke im Kirchencafé im hinteren Teil der Kirche.

Führungen in der Stadtkirche mit Wolfgang Riedrich (kostenlose Karten): 12 Uhr, 13 Uhr, 14 Uhr. Dauer: jeweils 1 Stunde.


Führungen durch Freudenstadt

(mit Karten zu je 3 Euro):

Stadtführung: 13 Uhr, 14 Uhr, 15 Uhr.

Freudenstadts Baumeister (Architekturführung): 13 Uhr, 14 Uhr, 15 Uhr.

Dauer: jeweils 1 Stunde. Treffpunkt: Am Unteren Marktplatz.


Zwischen 11.30 und 14.30 Uhr: Mittagessen im Hotel Teuchelwald (mit Karten): Hausgemachte Maultaschen (auch vegetarisch), Kartoffelsalat, ein alkoholfreies Getränk (10 Euro). Geschnetzeltes mit Reis, ein alkoholfreies Getränk (12 Euro).


16.15 Uhr: Abschluss-Andacht in der Stadtkirche mit Petra Ziegler und Jörg Michael Sander.


Karten für Führungen und Mittagessen erhalten Sie am Gemeindeblatt-Stand im Bereich der Stadtkirche.


Das Hotel Teuchelwald erreichen Sie zu Fuß in 15 Minuten (Fußweg bergauf); um 12 Uhr begleitet Sie ein Gemeindeblatt-Mitarbeiter. Zwischen 12 Uhr und 14 Uhr pendelt ein Bus zwischen Stadtkirche und Hotel. Abfahrt: Unterer Marktplatz. Kostenlose Toiletten gibt es in Gasthäusern und Cafés mit dem roten Aufkleber „Nette Toilette“ und im Pfarrhaus West, Marktplatz 36, nahe der Stadtkirche.

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