Christliche Themen für jede Altersgruppe

Ein anderer Lebensstil

Nachhaltigkeit ist zu einem Modewort geworden. Doch wie kann das konkret aussehen? Kleine Ideen können schon helfen, findet Klaus-Peter Koch, Umweltbeauftragter der Landeskirche. Aber nicht nur der Einzelne ist gefragt, sondern auch der Staat.  Nicole Marten hat mit Koch gesprochen.


Früher waren sie eine reine Nische, jetzt haben sie breite Gesellschaftsschichten erreicht: die Weltläden und mit ihnen der faire Handel. (Foto: epd-bild)


Nachhaltig leben wollen viele, aber die wenigsten tun es auch. Weshalb?
Klaus-Peter Koch: Nachhaltig zu leben bedeutet eine echte Umstellung. Wie häufig fahre ich Auto? Welche Kleidung trage ich? Wie ernähre ich mich? Diesen Fragen muss man sich stellen. Oft ist auch schwer zu erkennen, wie nachhaltig ein Produkt ist, denn es gibt viele verschiedene Zertifikate. Beim Produkt selbst merkt man oft ohnehin keinen Unterschied, denn eine Holzbank kann bequem sein, egal, wie sie hergestellt wurde. Bio muss außerdem nicht immer besser sein, denn man muss auch die Transportwege mit einrechnen.

Was hilft bei der Entscheidung?
Klaus-Peter Koch: Ich muss mir nur wenige Fragen stellen: Hat das Obst oder das Gemüse Saison? Kommt es aus der Region? Wie sieht es mit dem Tierschutz aus? Sind die Produkte aus biologischer Produktion? Je mehr ich bejahen kann, desto besser.

Nicht immer gelingt es, all diese Fragen mit einem Ja zu beantworten.
Klaus-Peter Koch: Das stimmt. Nachhaltige Produkte gibt es nicht nur in Reinform. Dann muss man sich für einen Schwerpunkt entscheiden: Wurde das Produkt sozialverträglich hergestellt? Hat es besondere ökologische Vorzüge? Oder ist es ökonomisch wertvoll? Das heißt beispielsweise, dass die Wirtschaft im Herkunftsland durch den Kauf des Produkts gefördert wird. Oder dass Bildung für die Menschen vor Ort ermöglicht wird.

Viele neue Elektrogeräte haben ein eingebautes „Verfallsdatum“. Was können Verbraucher dagegen tun?
Klaus-Peter Koch: Das kann man nur bedingt vermeiden. Manche Geräte sind von der Konstruktion her schwierig zu reparieren, und manchmal ist eine Reparatur teurer als ein Neugerät. Aber es gibt beispielsweise wieder Dienstleister, die Waschmaschinen reparieren. Diese Dienste sollten wir nachfragen.

Auch Ehrenamtliche bieten an, kaputte Geräte zu reparieren?.

Klaus-Peter Koch: Reparatur-Cafés sind tolle Initiativen, denn durch sie kommen Themen wie Nutzungsdauer oder Reparaturfähigkeit wieder ins Gespräch. Beim Kauf eines neuen Gerätes kann der Verbraucher danach fragen. Das kann auf Dauer helfen, dass Produkte künftig auch wieder besser zu reparieren sind.

Gibt es nicht noch viel zu wenige Reparatur-Cafés?

Klaus-Peter Koch: Viele Ideen fangen klein an und stoßen eine große Bewegung an. Fairer Handel war früher auch eine Nische, und jetzt ist dieser Gedanke in der breiten Masse angekommen. Allerdings brauchen solche Initiativen Mitstreiter mit einem langen Atem.
Inzwischen hat sich das Bewusstsein in der Gesellschaft auch gewandelt: Man wird nicht mehr schräg angeschaut, wenn man fair gehandelten Kaffee anbietet oder mit dem Rad zur Arbeit fährt. Und eine Zeit lang gab es gar keine richtigen Schuhmacher mehr – die kommen jetzt wieder.  

Wo muss sich noch etwas ändern?
Klaus-Peter Koch: Es geschieht ja schon, dass sich das Denken ändert. Zum Beispiel bei der Frage, ob wir alles selbst besitzen müssen. Wenn man bereit ist zu teilen, ist die Frage, wie das organisiert werden kann. Beim Auto gibt es schon Modelle, Stichwort Carsharing. Aber es gibt auch den gemeinsamen Gemüse-Anbau oder den Versuch, Elektrowerkzeuge innerhalb einer größeren Nachbarschaft zu verleihen. Und es müssen nicht immer die neuen Ideen sein. Vieles Gute haben wir ja schon gehabt. Dinge zu teilen, andere mitzunehmen oder der Wochenmarkt: das ist nichts Neues. Die Frage ist nur, wie wir das in die heutige Zeit übertragen.

Viel verlangt für den Einzelnen.
Klaus-Peter Koch: Das alles kann nicht nur der Einzelne leisten – der Staat muss bei manchen Themen auch in Vorleistung gehen. Beispielsweise beim Radwegenetz, dem öffentlichen Personennahverkehr, oder bei Parkplätzen für Pendler.

In Freiburg wurden Pfandbecher für den Kaffee zum Mitnehmen eingeführt. Was halten Sie davon?
Klaus-Peter Koch: Wir wissen vom Pfand auf Dosen und Flaschen, dass die Wirkung begrenzt ist. Viele Flaschen und Dosen werden nicht zurück gebracht. Beim Kaffee zum Mitnehmen frage ich mich persönlich, wozu man das braucht. Tut es einem wirklich gut, abgehetzt auf dem Weg zwischen Bus und S-Bahn noch an einer Schlange anzustehen und dann im Laufen den Kaffee zu trinken? Es geht nicht um den Verzicht, sondern um eine andere Haltung: Gönne ich mir die Zeit, mich für einen Kaffee in ein Café zu setzen?


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