Christliche Themen für jede Altersgruppe

Ein Bischof des Ausgleichs

Harte Worte mag er nicht, sondern ihm liegt am Ausgleich und dem Zusammenbringen von verschiedenen Positionen. Seit neun Jahren ist Frank Otfried July Bischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Am 17. Juli hat er seinen 60. Geburtstag gefeiert.


Plädoyer für die Aufnahmevon mehr Flüchtlingen Frank Otfried July versteht das Bischofsamt als Amt der Einheit. (Foto: EMH/Gottfried Stoppel)

Als Amt der Einheit verstehe er das Bischofsamt, sagte July vor seiner Wahl vor neun Jahren. Diesem Grundsatz ist er bis heute treu. July will „die unterschiedlichen Strömungen unter den württembergischen Protestanten zusammenhalten“.

Das ist nicht immer einfach. Das zeigt sich etwa am Beispiel homosexueller Partnerschaften bei Pfarrerinnen und Pfarrern. Dieses Thema wird in der Synode sehr emotional geführt. Immer wieder kommt es deswegen in der Landeskirche zu einem harten Schlagabtausch. Doch der Bischof mahnt hier immer wieder zur Rücksichtnahme und fordert beide Seiten zum gegenseitigen Respekt auf. In Württemberg gilt der Grundsatz, dass das Zusammenleben homosexueller Paare im Pfarrhaus nicht möglich ist – aber es gibt Ausnahmen.

Vorreiter war Landesbischof July bei der Kritik am Familienpapier, das die EKD vor einem Jahr vorgelegt hatte. „Der institutionelle Aspekt der Ehe wird darin fast lautlos aufgegeben und pauschal zurückgewiesen.“ Auch das Ziel der lebenslangen Treue halte er für nicht aufgebbar.

Das Bischofsamt hat weitere Aufgaben mit sich gebracht. July ist im Aufsichtsrat des Evangelischen Werks für Diakonie und Entwicklung. Außerdem ist er einer der sieben Vizepräsidenten des Lutherischen Weltbundes (LWB) und vertritt im Rat des LWB Mittel- und Westeuropa.

Der Rat des Lutherischen Weltbundes tagte erst vor einigen Wochen in Medan (Indonesien). Dort sprach sich July dafür aus, in Westeuropa und speziell in Deutschland mehr Flüchtlinge aufzunehmen. „Manches arme Land auf der Welt hat hier großzügiger reagiert als es bei uns der Fall ist“, sagte er angesichts der Lage der Flüchtlinge aus Syrien. Die Aufnahme von Flüchtlingen beschäftigt in diesen Tagen auch in Württemberg zahlreiche Kirchengemeinden.

Das Bischofsamt hat Frank Otfried July früh kennengelernt. Mit 33 Jahren wurde der Theologe persönlicher Referent von Landesbischof Hans von Keler, schrieb Reden, bereitete Sitzungen vor, koordinierte Gespräche und Reisen. Später arbeitete er dann auch für die Bischöfe Theo Sorg und Eberhardt Renz.

Geboren ist July in Darmstadt. Dort verbrachte er einen Teil seiner Schulzeit, bis sein Vater in Stuttgart eine neue Stelle als Bibliothekar antrat und die Familie 1968 nach Stuttgart umzog. Dass Frank Otfried July Pfarrer werden würde, stand nicht von vornherein fest. Er hatte zunächst an ein Studium der Theaterwissenschaften und Germanistik gedacht, doch sein Religionslehrer begeisterte ihn dann schließlich für die Theologie.

Nach dem Studium war er in Reutlingen-Betzingen Vikar. Betzingen scheint der Ort für den Weg ins Bischofsamt zu sein. Auch Wolfgang Huber, der spätere Berliner Bischof und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, begann dort seinen Berufsweg. Nach dem Vikariat arbeitete Frank Otfried July vier Jahre am Institut für Religionsphilosophie an der Universität Heidelberg.

1996 wurde July zum Leitenden Pfarrer und Direktor des Diakoniewerks Schwäbisch Hall gewählt. Mit 2?300 Mitarbeitern war das Werk damals der zweitgrößte Arbeitgeber nach der Bausparkasse in Schwäbisch Hall. Damals musste eine klassische Diakonissenanstalt in ein modernes Diakoniewerk umgebaut werden. Dass dies gelang, wird zu einem Großteil Frank Otfried July zugeschrieben.

In seiner Haller Zeit war er schon einmal angefragt worden, für das Bischofsamt zu kandidieren. Doch damals lehnte er aus familiären Gründen ab. 2005 wurde Frank Otfried July noch einmal gebeten. Diesmal sagte er zu. Im März 2005 wurde er gleich im ersten Wahlgang zum neuen Landesbischof gewählt.

Mit seiner Frau Edeltraud teilt Frank Otfried July die Leidenschaft für Gedichte. Doch zum Gedichte-Lesen und zum Austausch darüber bleibt für den Bischof nur wenig Zeit.

Unser Buchtipp:

Was uns traegt und was uns haeltEdeltraud und Frank O. July
Was uns bewegt und was uns hält

Was uns bewegt und was uns hält
Edition Gemeindepresse
14,95 €

Das Zusammenspiel der Texte mit Gedanken und Reflektionen machen aus diesem Buch einen außergewöhnlichen, ganz persönlichen Wegbegleiter, ein Zeichen von Verbundenheit, eine Quelle der Hoffnung, des Glaubens und der Inspiration - für Menschen aller Glaubensrichtungen und Altersstufen.

 

 

 

Frank O. July
Das Gebet der Gebete
R. Brockhaus Vlg.
9,95 €

Luthers-Familienzeit

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