Christliche Themen für jede Altersgruppe

Ein Zuhause auf Zeit im Kloster

DENKENDORF (Dekanat Esslingen) – Erste Flüchtlinge kommen in den früheren Räumen der landeskirchlichen Fortbildungsstätte Kloster Denkendorf unter. Und obwohl nicht alles läuft wie geplant, sind die ehrenamtlichen Helfer erstaunlich gelassen. 


Die Flüchtlinge wurden in Denkendorf begrüßt mit Kaffee und Brezeln. (Foto: Ulrike Rapp-Hirrlinger)

Yousef Khasseh, Farzat Alturek und Hassan Elhormesh aus Syrien freuen sich über ihr neues Zuhause, auch wenn sie sich das große Zimmer zu siebt teilen müssen. Sie gehören zu den ersten 16 Flüchtlingen aus Syrien und Afghanistan, die im Kloster Denkendorf Aufnahme fanden.

Erst spät am Abend zuvor sind sie angekommen, sie wirken noch etwas übernächtigt. Da tut der starke Kaffee, den die Ehrenamtlichen des Denkendorfer Betreuungskreises für Flüchtlinge gekocht haben, besonders gut. Dazu gibt es Brezeln, Hefezopf und anderes Gebäck, das ein örtlicher Bäcker gespendet hat. Die Männer bekommen von Marianne Hummel, von der Arbeiterwohlfahrt (AWO) und den ehrenamtlichen Helfern erste wichtige Informationen – vor allem aber das Gefühl, willkommen zu sein.

Lange war unklar, wann die jungen Männer ankommen würden. Den ganzen Tag haben die Ehrenamtlichen gewartet und schließlich ihr Begrüßungscafé auf den nächsten Tag verschoben. Eine gute Entscheidung, findet Dankward Siebold vom Betreuungskreis am Abend eines langen Tages: „So hatten wir viel mehr Zeit für Fragen und konnten schon vieles erledigen.“ Auf eine mögliche Verzögerung sei man vorbereitet gewesen.

Dennoch sollte alles bereit sein: Eilig hatten Mitarbeiter des Landratsamtes in den Tagen zuvor die Zimmer im Erdgeschoss des Margarete-Blarer-Hauses hergerichtet, Bettzeug, eine Grundausstattung an Hausrat besorgt und Betten, Tische, Stühle und Schränke aufgebaut.

Beim Begrüßungskaffee wirken die Neuankömmlinge noch etwas ratlos. Sie haben viele Fragen. Wo kann man einkaufen? Wo gibt es einen Arzt? Warum ist die Sozialarbeiterin nur ein paar Stunden pro Woche vor Ort? „Es gibt hier viele Menschen, die Ihnen helfen können“, betont Diakon Martin Allmendinger vom Betreuungskreis.

Einer der Männer klagt über die vielen Betten im Zimmer und will lieber in einen kleineren Raum umziehen. „Die Zimmer sind hier wirklich toll im Vergleich zu anderen Unterkünften“, erklärt ihm Hummel. Zwei ehemalige Gruppenräume im Margarete-Blarer-Haus beherbergen je sieben Männer, die früheren Gästezimmer der landeskirchlichen Fortbildungsstätte enthalten je zwei Betten und eine Nasszelle.

„Wir wollen unbedingt möglichst bald Deutsch lernen“, betont ein anderer junger Mann. Darum kümmert sich eine Arbeitsgruppe. Auch eine Fahrradwerkstatt und eine Kleiderkammer stehen in den Startlöchern. „Dafür hat die Landeskirche Räume im Altbau des Klosters bereitgestellt“, sagt Allmendinger erfreut. Zudem gibt es eine Gruppe für die Begleitung zu Behörden oder Ärzten und eine weitere, die Freizeitaktivitäten organisieren will. Die Flüchtlinge spüren, dass sie gut aufgenommen werden. „Wir sind sehr froh über das herzliche Willkommen“, betont einer der Männer und sagt: „Wir machen keinen Ärger. Wir sind in Frieden hier.“

Ursprünglich waren 29 Flüchtlinge erwartet worden, angekommen sind zunächst 16. Wann die anderen kommen, wisse man nicht genau, sagt Peter Keck, Pressesprecher des Landkreises.

Das Margarete-Blarer-Haus mit seinen insgesamt 30 Plätzen steht allerdings nur bis Mitte nächsten Jahres zur Verfügung. Danach will die Landeskirche das Gebäude abreißen und ein Pflegeheimprojekt realisieren. „Das Pflegeheim steht nicht in Frage“, berichtete Bürgermeister Peter Jahn jüngst im Gemeinderat. Für rund drei Jahre kann der Fruchtkasten neben der Klosterkirche als Flüchtlingsunterkunft genutzt werden. Dort ziehen unbegleitete minderjährige Flüchtlinge ein.


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