Christliche Themen für jede Altersgruppe

Fasten, wie es Gott gefällt

Jesaja 58,1–9 (in Auszügen) Siehe, an dem Tag, da ihr fastet, geht ihr doch euren Geschäften nach und bedrückt alle eure Arbeiter. Soll das ein Fasten sein, an dem ich Gefallen habe, ein Tag, an dem man sich kasteit, wenn ein Mensch seinen Kopf hängen lässt wie Schilf und in Sack und Asche sich bettet? Das aber ist ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Gib frei, die du bedrückst! Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut! Dann wirst du rufen und der Herr wird dir antworten.

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Estomihi: Jesaja 58,1–9.

Der promovierte Theologe Martin Hauff ist geschäfts­führender Pfarrer in Langenau im Kirchen bezirk Ulm.

In der Fastenzeit des Jahres 1522 versammelten sich in Zürich einige Bürger im Haus des Buchdruckers Froschauer. Prominentester Gast war der Priester und Prediger am Großmünster, Huldrych Zwingli, der Schweizer Reformator. Zwingli hatte von der Kanzel des Zürcher Großmünsters eindringlich gefordert, dass alle kirchlichen Sitten und Gebräuche sich am Zeugnis der Heiligen Schrift überprüfen lassen müssten.

Im Haus Froschauer nun nahm Zwingli an einem demonstrativen Wurstessen teil, mit dem die kirchlichen Fastengebote öffentlich gebrochen wurden. Zwingli stellte damit einer aufgezwungenen kirchlichen Fastensitte die evangelische Freiheit gegenüber: Jeder einzelne Christ solle für sich entscheiden, ob er das Fasten einhalten wolle oder nicht. Wo aber das Fasten nur verzwungen eingehalten werde, sei es zu verwerfen.

Auch der Prophet, dessen Worte im letzten Teil des Jesajabuchs überliefert sind, kritisiert die hohl gewordene Fastenpraxis seiner Zeit. Er legt den Finger auf den klaffenden Widerspruch zwischen liturgisch korrekt begangenen Fastentagen und einem Verhalten im Alltag, an dem Gottes lebensdienliche Gebote abperlen.

Die aus der babylonischen Gefangenschaft zurückgekehrte Oberschicht beutet die Fronarbeiter aus, die für den Wiederaufbau Jerusalems schuften – sogar am Fastentag! Scharf kritisiert der Prophet solches Tun: „Gott hat keinen Gefallen daran, dass ihr euch an den Fastentagen kasteit und eure Köpfe hängen lasst, um mit solchen Ritualen Gottes Nähe zu erlangen – und dabei den Blick verliert für die Menschen, die eure Fürsorge und Hilfe brauchen.“

Fasten, so wie es Gott gefällt, ist vielmehr ein Verzichten, das klarsichtig macht für Unfreiheit: „Gib frei, die du bedrückst!“ Ausbeutung und Unterdrückung haben keinen Platz im Volk Gottes, damals nicht und heute nicht. Haben wir wirklich schon alle Hausaufgaben gemacht im Blick auf faire Preise im Welthandel und eine gerechte Entlohnung beispielsweise derer, die in der Pflege tätig sind?

Fasten, so wie es Gott gefällt, ist ein Verzichten, das Herz und Hände öffnet für den Not leidenden Nächsten, den Hungrigen, die Obdachlosen, den Unbekleideten.

In der frühen Kirche entwickelten sich die sieben Wochen der Passionszeit zur Fastenzeit, die der Konzentration auf Jesu Leidensweg diente. Missbrauch und gesetzliche Verzerrung führten dazu, dass die Reformatoren das Fasten als Ausdruck unevangelischer Werkgerechtigkeit ablehnten. Zwingli setzte mit dem Zürcher Wurstessen einen kräftigen Paukenschlag. So verschwand das Fasten im protestantischen Raum fast vollständig.

1983 wurde mit der Aktion „Sieben Wochen ohne“ die alte christliche Fasten­tradition in der evangelischen Kirche auf zeitgemäße Weise wiederbelebt. Seither verzichten viele in der Passionszeit auf lieb gewordene, aber hartnäckige Gewohnheiten.

In diesem Jahr steht die Fastenaktion „Sieben Wochen ohne“ unter dem Motto: „Selber denken! Sieben Wochen ohne falsche Gewissheiten“. Statt Allgemeinplätze und Vorurteile nachzuplappern, gilt es, die Freiheit zu entdecken, zu der uns Christus befreit hat. Sie eröffnet neue Denkräume, ja mehr noch: Spielraum für Worte und Taten.

Anregungen hierfür gibt Jesajas Fastenpredigt mit ihrer ganz persönlichen Anrede. Wo begegnet mir ein Hungriger, dem es an Nahrung mangelt oder dessen Seele nach einem Wort der Zuwendung sehnt? „Brich dem Hungrigen dein Brot; entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!“

Eindrücklich hat das der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber 1934 in einem Brief an den schwäbischen Dichterpfarrer Albrecht Goes so wiedergegeben: „Du sollst dich nicht vorenthalten!“ Wo wir eigenes Glück teilen und den Not leidenden Nächsten unser Herz finden lassen, wird die beglückende Nähe Gottes spürbar.

Ihr Gebet

Gebet

Brich dem Hungrigen dein Brot.
Die im Elend wandern,
führe in dein Haus hinein;
trag die Last der andern.

Dank sei dir, Herr Jesu Christ,
dass wir dich noch haben
und dass du gekommen bist,
Leib und Seel zu laben.
Amen.

Martin Jentzsch. In: Evangelisches Gesangbuch, Nummer 418,1+4

Auch unser Familienmagazin Luthers hat sich in der Rubrik "Gott und die Welt" mit dem Thema fasten beschäftigt. Lesen Sie mehr zum Thema: Fasten.

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Sexagesimä von Andreas Streich.

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