Christliche Themen für jede Altersgruppe

Gemeinsam am Rad basteln

STETTEN (Dekanat Waiblingen) – Inklusion einmal anders: Die Diakonie Stetten lädt Kinder und Jugendliche aus dem Ort in die Fahrradwerkstatt auf ihrem Gelände ein. Sie soll ein Treffpunkt für junge Fahrradbegeisterte mit und ohne Behinderung werden. 


Auch Kettcars werden in der Fahrradwerkstatt instandgesetzt. Die Jugendlichen nutzen den Platz vor dem Kubus als Parcours. (Foto: Susanne Haag)

Kettcars sind auf den befestigten Wegen rund um die Werkstatt unterwegs. Die Türen stehen offen, einer der Jungen zeigt stolz sein Rad: „Schau mal, mein BMX“. Es fehlt noch das Vorderrad, das wohl bald montiert wird. Im Werkstattcontainer machen die ehrenamtlichen Helfer ein älteres Fahrrad wieder flott. Es ist ganz schön was los vor und in der „inklusiven Fahrradwerkstatt“ auf dem Gelände der Diakonie Stetten.

Wobei es mit der Inklusion, also der gemeinsamen Teilhabe von Menschen mit und ohne Behinderung am gesellschaftlichen Leben, noch nicht so recht klappt. Zwar sind da Hans-Ulrich Häußer und sein ehrenamtliches Team vom „Roten Faden“, einer Bürgerinitiative in Kernen, die vor allem Jugendliche und ihre Familien unterstützt. Und junge Leute mit Behinderung sind in der Fahrradwerkstatt ebenfalls anzutreffen. Doch das eigentliche Ziel,  über das gemeinsame Hobby Radfahren junge Leute mit und ohne Behinderung zusammenzubringen, wurde noch nicht erreicht: Bislang sind Schülerinnen und Schüler ohne Behinderung aus dem Ort noch selten zu sehen. Damit sich das ändert, will Udo Trichtinger, Leiter des Kinder- und Jugendbereichs der Diakonie Stetten, in den Schulen Werbung machen. 

Einen Treffpunkt für Zwei-und Dreiradfahrer und Technikbegeisterte gibt es bei der Diakonie Stetten schon lange. Tim Sanna, von Beruf Fahrradmechaniker, betreut das Projekt seit fünf Jahren ehrenamtlich. Nach einem Auslandsaufenthalt in Kanada, wo ihn das weit verbreitete ehrenamtliche Engagement beeindruckt hatte, wollte auch er sich mit seinen Fähigkeiten für andere einbringen. Bei einem Tag der offenen Tür sah er den Aufruf, dass ein Fahrradmonteur gesucht wurde und fühlte sich gleich angesprochen.

„Herr Sanna hat sogar sein eigenes Werkzeug mitgebracht“, erinnert sich Udo Trichtinger. Immer montagabends trafen sich die Radbegeisterten auf dem Gelände der Diakonie Stetten. Der Termin hatte sich schnell etabliert.  Denn Fahrradfahren ist eine beliebte Freizeitbeschäftigung der Kinder und Jugendlichen, die von der Diakonie Stetten begleitet werden. Und wo viel gefahren wird, geht auch oft etwas kaputt. Tim Sanna schlachtet alte Räder aus und repariert mit den Ersatzteilen kostenlos die fahrbaren Untersätze der Kinder. „Manche helfen auch aktiv mit“, erzählt Sanna. Weil das Projekt so gut lief, rief die Diakonie zu Spenden auf,  um die Werkstatt besser ausstatten zu können. 100?000 Euro kamen zusammen, viel mehr als erwartet. „Der Aufruf war so erfolgreich, dass wir etwas Größeres daraus machen mussten“, erzählt Trichtinger. Die Idee, die Fahrradwerkstatt nicht nur besser auszustatten, sondern gleich neu zu bauen, war geboren.

Gemeinsames Projekt

Auch außerhalb der Diakonie gab es Pläne, eine Fahrradwerkstatt einzurichten: Der „Rote Faden“ war auf der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten. Die Vorhaben ergänzten sich – ein gemeinsames Projekt entstand; die „Inklusive Fahrradwerkstatt“. Mit den Spendengeldern wurde der „Kubus“ genannte Werkstattcontainer samt radfreundlichen Außenanlagen gebaut und eingerichtet. Zwei professionelle Montageständer erlauben das Schrauben in jeder Position, im Lager stapeln sich gebrauchte sowie neue Schrauben und Ersatzteile. Auch Fahrzeuge wurden aus den Spendengeldern angeschafft: Auf dem Platz vor dem Kubus trifft sich ein ganzer Fuhrpark an Zwei- und Dreirädern sowie Kettcars.

Im September wurde der Kubus eröffnet, montags und dienstags ist Werkstattbetrieb. Im nächsten Jahr soll auch der Donnerstag dazukommen. Weil Tim Sanna die erweiterten Öffnungszeiten nicht alleine stemmen kann, bildet er Hans-Ulrich Häußer und die Helfer vom Roten Faden aus. Die Männer, allesamt aus technischen Berufen, betreuen mit ihm zusammen die Werkstatt. Neben der Fahrradreparatur sind weitere Aktivitäten in Planung: gemeinsame Radtouren und die Zusammenarbeit bei der Fahrradprüfung in der Grundschule.


Geöffnet ist die Fahrradwerkstatt immer montags von 17.30 bis 20 Uhr und dienstags von 14.30 bis 18 Uhr.

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