Christliche Themen für jede Altersgruppe

Gerechtigkeit im Einkaufskorb

GEISLINGEN – Seit Advent 2014 gibt es für Kirchengemeinden in Württemberg die Möglichkeit, ihren bewussten Umgang mit Lebens­mitteln und Alltagsgütern sichtbar zu machen und als „Faire Gemeinde“­ ­ausgezeichnet zu werden.

Für Yasna Crüsemann ist faires Einkaufen und bewusster Umgang mit der Schöpfung ein Herzensthema. Dafür setzt sich die Ulmer Prälaturpfarrerin im Dienst für Mission, Ökumene und Entwicklung (DiMÖE) ein, wann immer es ihr möglich ist.

Da wundert es auch nicht, dass sie als Geislingerin mit in der Steuerungsgruppe saß, dank derer die kommunale Gemeinde Geislingen im April 2013 als „Fairtrade-Town“ ausgezeichnet wurde. „Daraufhin fingen wir als Kirche an zu überlegen, ob es nicht parallel auch für Kirchengemeinden ein sinnvolles Instrument geben sollte, um sichtbar zu machen, was es oft schon lange gibt“, erzählt Yasna Crüsemann. Denn „christliches Leben findet nicht nur im Gottesdienst statt, sondern auch im Alltag“, weiß sie: Ökologische und faire, aber auch soziale und Umweltaspekte sollen im Bewusstsein des Einzelnen etabliert werden. Um dieses Ziel zu erreichen, entstand am ersten Advent 2014 die Initiative „Faire Gemeinde“ unter dem Schirm des Diakonischen Werks und der Landesstelle „Brot für die Welt“ mit anderen landeskirchlichen Einrichtungen.

Kirchengemeinden, die bei ihren Festen und in ihren Gruppen und Kreisen fair gehandelten Kaffee oder Tee anbieten sowie mindestens drei von neun weiteren Kriterien erfüllen (siehe Kasten), können sich um die Auszeichnung zur „Fairen Gemeinde“ bewerben. „Die Hürden sind nicht allzu hoch“, erklärt Yasna Crüsemann. Das Ziel liege darin, Kirchengemeinden in ihrem Tun zu stärken. Und ihnen ein Instrument zu schaffen, ihre Einstellung zur Schöpfung öffentlich sichtbar zu machen sowie andere Gemeinden zum Nachahmen zu ermutigen.

Eine Gemeinde, die das schon lange umsetzt, ist die Kirchengemeinde Geislingen. Immerhin war Yasna Crüsemann hier viele Jahre selbst Gemeindepfarrerin gemeinsam mit ihrem Mann Dietrich, der bis heute hier tätig ist. Im kommenden Juli erhält die Kirchengemeinde Geislingen im Rahmen eines Familiengottesdienstes offiziell ihre „Faire Gemeinde-Plakette“ überreicht, angemeldet als solche ist sie schon jetzt. Eines der Kriterien, das die Geislinger bereits seit 2007 beachten – neben dem Ausschank von fairen und regionalen Getränken bei Veranstaltungen – ist der faire Umgang mit Ressourcen. Dafür wurde die Gemeinde mit dem Umweltsignet der Landeskirche, dem Grünen Gockel, ausgezeichnet. 2009 zum ersten Mal, seither gibt es das Zertifikat alle drei Jahre wieder.

Ein weiteres Thema  sind die Blumen. Mesnerin Sigrid Ströhle-Staudinger ist gelernte Floristin, als solche gehört das Kriterium „fair gehandelte Blumen“ zu ihren Lieblingsthemen. „Ich schmücke die Kirche mit Blumen aus meinem eigenen Garten oder mit Pflanzen, die uns Kirchenmitglieder zur Verfügung stellen“, erzählt sie. Wenn sie im Winter ihre Pflanzen kaufen muss, tut sie das ausschließlich in ausgewählten Geislinger Blumengeschäften, von denen sie weiß, dass diese das Thema „Fair-Trade-Blumen“ für wichtig halten.
Ein besonderes Geislinger Schmankerl sind die Faire-Stadt-Schokoladentafeln, die die Kirchengemeinde gemeinsam mit der Stadt entwickelt hat. Ein Konditor aus der Region stellt die kleinen süßen Mitbringsel aus fair gehandeltem Kakao selber her, die Verpackung dazu präsentiert Geislinger Sehenswürdigkeiten, erstellt von einem Geislinger Künstler. „Damit können wir sichtbar die Aspekte regional, ökologisch und fair präsentieren“, erklärt Yasna Crüsemann. Das Interesse an der Schokolade sei groß, bestätigt ihr Mann Dietrich Crüsemann und erinnert sich daran, dass zu Beginn seiner Berufszeit „Hauptsache billig“ der Grundtenor kirchlichen Wirtschaftens gewesen sei. Heute sei es in den meisten Gemeinden angekommen, dass nachhaltig viel sinnvoller ist, vor allem weil alles Handeln im globalen Zusammenhang Auswirkungen zeigt. „Und schmecken tun die fairen Waren in der Zwischenzeit oft sogar besser als andere“, betont er schmunzelnd.

Pfarrer Dietrich Crüsemann aus Geislingen

Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit sind ebenfalls wichtige Aspekte einer Fairen Gemeinde. Pfarrer Dietrich Crüsemann thematisiert „Fairen Handel“ in seiner Vielzahl an Schattierungen bei den Kindern der Kinderkirche sowie mit den Konfirmanden. Auch Ausstellungen und Vorträge in der Stadtkirche zum Thema „Faire Kleidung“ zogen bereits viele Nichtkirchenmitglieder an.

Die Kirchengemeinde Gruibingen, die im vergangenen Sommer die Plakette zur Fairen Gemeinde erhalten hat, ließ sich in Bezug auf Öffentlichkeitsarbeit besonders viel einfallen. „Wir feierten ein faires Gemeindefest und hatten dort eine Ausstellung über Wasser- und Lebensmittelverbrauch“, zählt die dortige Pfarrerin Magdalena Smetana auf. Sie band die Konfirmanden mit in die Festplanungen ein und bringt das Fair-Trade-Thema immer wieder in deren Unterricht unter. Ein Vortrag über Faire Schokolade schloss den Info-Reigen in Gruibingen ab. Doch damit nicht genug. „Bei uns vor dem Gemeindehaus steht jetzt ein fairer Kleidercontainer der Aktion Hoffnung“, erzählt Smetana mit Begeisterung in der Stimme. Die darin eingeworfenen Kleider würden fair verwertet, die Erlöse einem guten Zweck zugeführt. „Der Container ist immer voll. Und Aufwand oder Kosten sind für uns gleich Null. Das kann jeder nachmachen.“

In Stuttgart findet vom 20. bis 23. April die Messe Fair Handeln auf dem Messegelände statt.

Information zum Fair-Traide Signets der Gemeinde

Kriterien zur Vergabe des Signets Faire Gemeinde sind: Faire Bewirtung, fair gehandelte Geschenke, fair gehandelte Blumen, fair hergestelltes Spielzeug, Müllvermeidung, Ökostrom, eine Verkaufsstelle fairer Produkte, Recyclingpapier und fairer Umgang mit Ressourcen. Drei dieser Kriterien müssen für eine Zertifizierung erfüllt werden. Seit 2014 wurden 33 Kirchengemeinden für die Zertifizierung beim Diakonischen Werk Württemberg angemeldet, bislang wurden elf davon ausgezeichnet.

Mehr Infos unter www.gemeinden-handeln-fair.de

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