Christliche Themen für jede Altersgruppe

Gespräche über Gott und seine Umwelt

Dass es unter den Christen viele Umweltbewegte gibt, ist offensichtlich. Aber dass auch der Islam ökologische Wurzeln ausgebildet hat, ist eher neu. Ein Dialog der Religionen entsteht.

Ehrfurchtsgebietende Schöpfung: der Paine Nationalpark in Südamerika.

Schöpfung bewahren? Das war nicht immer der Leitspruch der Kirchen. Im Jahr 1967 formulierte der amerikanische Wissenschaftshistoriker Lynn Townsend White noch den Vorwurf: Die ökologische Krise der Gegenwart sei eine Folge der jüdisch-christlichen Auffassung von Natur. Denn sie sei dem Menschen zur Beherrschung und damit letztlich zur Ausbeutung übergeben. „Das Christentum trägt eine riesige Schuld“, war sein Fazit. Der Religion wies er eine Schlüsselrolle in der ökologischen Frage zu: „Wie Menschen mit ihrer Umwelt umgehen, hängt davon ab, in welcher Beziehung sie sich zu ihrer Umwelt sehen. Menschliche Auffassungen über Ökologie sind tief beeinflusst davon, wie wir unsere Rolle und Bestimmung sehen – also: sie sind beeinflusst von Religion.“

Im Umkehrschluss heißt das: Wenn wir unsere Rolle nicht mehr als Plünderer oder Ausbeuter des Planeten sehen, sondern als Bewahrer der Schöpfung,  dann müsste sich das doch auch aus religiösen Überzeugungen speisen. Aber wie sieht das in den anderen Religionen aus? Auch da tut sich durchaus einiges. „Religions go green – Religion wird grün“ hat die Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart getitelt – und für eine Tagung Wissenschaftler, aber auch Praktiker aus den verschiedenen Religionen zusammengebracht.

Schon lange forscht zum Beispiel Ibrahim Özdemir zum Thema „Umwelt und Religion“ – so lautet der Titel eines seiner Bücher, bereits 1997 veröffentlicht. Der Professor für Philosophie an der Üsküdar-Universität von Istanbul hat seine eigene persönliche Motivation für eine Verbindung von Islam und Ökologie: „Ich bin auf dem Lande aufgewachsen, aber meine Enkel kennen diesen engen Bezug zur Natur nicht mehr – das macht mir Sorge.“ Und der Blick auf die Natur sei auch ein Anliegen des Korans. Das Problem ist nur: „Viele Probleme wie Syrien oder Palästina überlagern die ökologische Frage.“ Dabei betreffen die weltweiten Klima­änderungen alle Menschen, die teilweise nicht mehr – etwa wegen Dürren – überleben können. „Deshalb konzentriere ich mich auf eine Tradition, die in unserer Gesellschaft vernachlässigt wird“, sagt Özdemir. Dabei ist er überzeugt: „Der Koran, der auf vielen Gebieten eine Quelle der Inspiration ist, kann auch helfen, eine Umwelt-Ethik zu entwickeln.“

Dabei schaut Ibrahim Özdemir auf die frühen Verse des Koran: „Sie fordern die Menschen auf, Himmel und Erde genau zu betrachten.“ Und zwar ganz detailliert: „Vögel, Schafe, Wolken, Meere, Trauben, Datteln, Oliven, Fliegen, Fische, Kamele, Bienen, Mond, Sonne, Berge, Regen, Wind – kurz gesagt, alle natürlichen Phänomene.“  Ibrahim Özdemir skizziert ein Schöpfungsbild, das den christlichen Theologen von der alttestamentlichen Schöpfungsgeschichte vertraut ist: „Der Koran hat den Polytheismus der heidnischen Araber herausgefordert, indem er die Natur als geordnet darstellte, aus der sie die Existenz Gottes erkennen können. Die wohlgewebte, fehlerlose Struktur des Universums zeigt das Werk des Allmächtigen.“

Ein perfekt ausbalanciertes Universum, dem der Gläubige mit einem ebenso ausbalancierten Leben entsprechen müsse – in seinen sozialen Handlungen wie in seinem Umgang mit der Umwelt. Zum Beispiel auch im Umgang mit anderen Geschöpfen: „Jede Kreatur verdient Aufmerksamkeit und Beachtung wegen ihrer Beziehung zum Göttlichen. Muslime haben die moralische Verpflichtung, sich um ein Verständnis der Natur zu bemühen, sie zu respektieren und zu bewahren. Sie müssen sich um Umwelt, Klimawandel und Tierschutz kümmern.“

Das habe schon der Prophet verlangt: Mohammed habe Instruktionen gegeben zum Schutz des Wassers und wie man die Verschwendung von Ressourcen vermeidet, er habe den richtigen Gebrauch des Landes gelehrt und das Mitgefühl für die Tiere. Ja, er habe sogar eine Art Öko-Reservat geschaffen, einen Park voller Bäume um Mekka und Medina.

So grün also die theologische Theorie ist – die Praxis sieht anders aus, gibt Ibrahim Özdemir zu: „In Deutschland kommt die grüne Bewegung von den Leuten, von den Wurzeln – und zwingt die Politik zum Handeln. Unser Drama aber ist: Ökologie wird als politischer Protest bekämpft, wird als Konzept des Westens bezeichnet, um die Moslems in Knechtschaft zu halten. Aber wenn wir die Ökologie nicht in unseren Glauben integrieren, was ist dann mit unserer Zukunft, mit der unserer Kinder und Enkel?“

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