Christliche Themen für jede Altersgruppe

Hus: Reformator vor Luther

Die Reformation wird immer mit Martin Luthers Thesenanschlag gleichgesetzt. Dabei gab es schon seit mindestens 300 Jahren vorher Kirchenkritiker. Zu ihnen gehört der Prager Theologe Jan Hus. Er wurde wegen seiner Auffassungen 1415 zum Tode verurteilt und verbrannt. Anschließend wurde seine Asche in den Rhein gestreut. In Konstanz erinnert noch vieles an Jan Hus.


Das Konzilsgebäude und die Skulptur Imperia erinnern an das Konzil. (Foto: TIK Peter Allgaier)

Jan Hus (um 1370–1415) und seinen Anhängern missfiel die Verweltlichung der Kirche. Sie kritisierten die Geschäftemacherei mit dem Seelenheil, die Korruption und den ausschweifenden Lebenswandel der Priester und Kardinäle. Hus forderte stattdessen einen einfachen Lebensstil. Christen sollten sich am Vorbild Jesu Christi ausrichten.

Mehr als 100 Jahre vor Luther wollte Hus den Gläubigen mehr Rechte geben. Sie sollten etwa beim Abendmahl den Kelch entgegennehmen dürfen. Und auch Laien sollten predigen können. Wie Martin Luther predigte Jan Hus nicht in Latein, sondern in der Landessprache, in Tschechisch. Hus revidierte die Bibel in tschechischer Sprache. Erstmals gedruckt wurde sie allerdings erst 1488 in Prag.
1410 wurden Hus und seine Freunde von der Kirche exkommuniziert. 1414 forderte ihn König Sigismund auf, beim Konstanzer Konzil zu erscheinen. Der König sicherte ihm freies Geleit zu. Hus vertraute ihm.

Am 3. November 1414 kam Hus in Konstanz an. Er wohnte bei der Witwe Fida Pfister in der heutigen Hussenstraße 22, im Haus der Roten Kanne. Lange Zeit hielt man das Haus Hussenstraße 64 für den Ort von Jan Hus‘ Unterkunft. Es bekam den Namen Hus-Haus und beherbergt bis heute das Hus-Museum.

Doch im Haus der Pfisterin, wie die junge Witwe auch genannt wurde, blieb der Reformator nicht lange, denn auch seine Gegner trafen bald in Konstanz ein. Am 28. November wurde Hus von einem Bürgermeister und zwei Bischöfen abgeholt und gefangen genommen.

Sein Gefängnis wechselte. Hus saß unter anderem im dunklen Turm des Dominikanerklosters. Heute ist das Kloster das Inselhotel und der Turm, der von der Seeseite aus zu sehen ist, Teil der Hochzeitssuite. Der alte Kreuzgang wurde im 19. und 20. Jahrhundert mit Wandmalereien versehen und erinnert an die Geschichte des alten Gebäudes. In einer Ecke ist auch ein Bild von Jan Hus zu sehen.

Das freie Geleit nutzte Hus letztendlich nichts. Er wurde am 6. Juni 1415 vom Konstanzer Konzil (1414–1418)zum Ketzer erklärt und zum Tode verurteilt. Hus blieb standhaft und betete nach seiner Verurteilung laut um Vergebung für seine Feinde. Dann wurde er aus dem Klerikerstand ausgestoßen, vor die Stadt auf den Brühl geführt und anschließend auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
Heute ist dieser Platz nicht außerhalb, sondern innerhalb der Stadt, genauer gesagt im Stadtteil Paradies. Seit 1862 erinnert der Hussenstein dort an die Verbrennung von Jan Hus. Doch bevor der Stein mit der Gedenktafel dort aufgestellt wurde, gab es erst einmal Streit. Anfang des 19. Jahrhunderts fand der Konstanzer Antiquar Kastell im Stadtteil Paradies einen Stein, in den „J.H.“ und die Jahreszahl „1415“ eingraviert war. Er sei ein Überrest aus der Konzilszeit, davon war Kastell überzeugt. Doch der Gemeinderat hatte Zweifel an der Echtheit des Fundes. Die Schreibweise der Zahlen sei viel zu modern, lautete eine Begründung. Der Stein wurde von einem wütenden Katholiken zerschlagen. Er wollte verhindern, dass der Stein zu einer Hus-Reliquie werden würde.
Doch 1862 stellte die Stadt nach einer Bürgerversammlung schließlich den Hussenstein, einen Findling, an der Stelle auf, an der Kastell seinen eigenen Hussenstein gefunden hatte. Der Hussenstein erinnert an die Verbrennung von Jan Hus und von Hieronymus von Prag.

In Konstanz kann man sich gut auf die Spuren des Konzils von Konstanz und auf die von Jan Hus begeben, denn hier ist vieles noch so wie zu Beginn des 15. Jahrhunderts zur Zeit des Konstanzer Konzils. Das Dominikanerkloster am Bodensee-Ufer ist zwar heute ein Hotel, aber man sieht ihm immer noch an, dass es mal ein Kloster war.

Auch das neue Kaufhaus steht noch. Es ist im November 1417 zum Ort der Papstwahl geworden. Seit Ende des 14.Jahrhunderts war der massive Steinbau mit dem von weitem sichtbaren Walmdach ein Kaufhaus – genau genommen ein Warenlager für durchreisende und örtliche Händler. Wenn die Konstanzer heute sagen „Wir gehen ins Konzil“, dann gehen sie zum Essen oder in ein Konzert. Das Konzil selber, das ursprünglich nur ein paar Monate dauern sollte, fand nicht im Kaufhaus statt, sondern im Konstanzer Münster Unserer Lieben Frau. Das Münster ist damals eigens für die Beratungen hergerichtet worden.

100 Jahre nach dem Konstanzer Konzil kam die Reformation. Klöster wurden geschlossen, 1529 wurden gar katholische Gottesdienste verboten.

Der Konstanzer Ambrosius Blarer war zunächst Prior des Klosters Alpirsbach, später Prediger in Konstanz. Sein Bruder Thomas wurde 1525 Bürgermeister der Stadt. Seine Schwester  Margarete nahm Waisenkinder bei sich auf und unterrichtete sie. Sie unterstützte Mittellose, half mit Geld und Lebensmitteln. 1541 starb sie an den Folgen der Pest.

Als Konstanz an Österreich ging, mussten die Bevölkerung 1548 wieder zum alten Glauben zurückkehren. Die Protestanten gingen zum großen Teil  in die Schweiz. Die Reformation hat sich in Konstanz letztendlich nicht durchgesetzt. Das zeigt ein Blick in die Konfessionsstatistik von heute: 38 Prozent der Konstanzer sind katholisch, nur 23 Prozent sind evangelisch. Aber tief im Gedächtnis verankert sind den Konstanzern die Schicksale von Jan Hus und seines Gefährten Hieronymus von Prag.

Information
Im Hus-Haus wird in der Dauerausstellung „Mut zu denken, Mut zu glauben, Mut zu sterben“ an den streitbaren Theologen Jan Hus erinnert, der am 6. Juli 1415 in Konstanz zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt wurde.
Bis 30. November wird außerdem die Sonderausstellung „Schwan, Gans und Kirche – Martin Luther und Jan Hus im geistlichen Vermächtnis Europas“ gezeigt.
Hussenstraße 64, 78462 Konstanz, Telefon 07531-29042, E-Mail: hus-museum@t-online.de. Öffnungszeiten: 1. April bis 30. September: Dienstag bis Sonntag. 11 bis 17 Uhr; 1. Oktober bis 31. März, Dienstag bis Sonntag: 11 bis 16 Uhr. Der Eintritt ist frei. Führungen auf Anfrage.

Buch-Tipp
Zum Thema ist von Gemeindeblattredakteur Andreas Steidel ein Buch erschienen: 20 Orte der Reformation werden darin porträtiert.

Auf Luthers Spuren. Orte der
Reformation in Baden und
Württemberg, Belser 2016,
160 Seiten, 29,99 Euro.
ISBN: 978-3-7630-2750-7.

Dieses Buch erhalten Sie
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0711-60100-28 oder bei unserer Internetbuchhandlung unter
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