Christliche Themen für jede Altersgruppe

Immer noch suchen sie nach Sicherheit

Dokumentarfilm auf 3 Sat: „Amok in Winnenden – das Leben danach“

Larissa sucht den Weg ins Leben. (Foto: ZDF/ Brian McClathchy)

Es gibt Wunden, die so stark nachwirken, wie ein Meteoriteneinschlag. So eine Wunde war der Amoklauf am 11. März 2009 in Winnenden. Er hat Kinder und Eltern traumatisiert. Fünf Jahre sind seither vergangen. In dem Dokumentarfilm „Amok in Winnenden – das Leben danach“ erzählen Jugendliche und Eltern, was sie erlebt haben, wie sie weiter gelebt haben und was sie am Leben hält.

Der junge Mann steht im Fußballstadion. „Viele sagen: Respekt, wie du durch das Leben gehst“, erzählt Steffen. Aber sie wissen nicht, wie es in ihm aussieht. Das Stadion ist seine schönste Ablenkung und Therapie. Selbst bei der Trauerfeier in Winnenden mit Bundeskanzlerin Angela Merkel ist er lieber zum Fußball gegangen.

Sein Mitschüler Patrick hat sich schon nach der Bluttat 2009 an den Computer zurückgezogen, um dort mit Flugsimulationen zu spielen. Das war seine Therapie, um Abstand zu kriegen. Seine Familie entschied sich daher dazu, ihm einen Flugschein zu ermöglichen. Seither fliegt er. Und dort oben lässt er alles zurück, was ihn seit dem 11. März belastet.

So eine Form der Traumaverarbeitung ist dem jungen Mädchen nicht gelungen: Larissa hatte nur noch Angst, ging in der Schule nicht mehr zur Toilette, vermied enge Flure vor lauter Angst, es könnte wieder ein Schütze um die Ecke kommen. Und Serina wollte am liebsten auswandern in ein Land ohne Schulpflicht.

„Die Kinder fühlten sich in der Schule nicht mehr sicher“, erläutert die Kinderpsychiaterin Luise Hepp die Situation der traumatisierten Jugendlichen. Die Schüsse, die Schreie, das Blut, die Toten – all das flackert wie ein Blitzlichtgewitter in deren Seelen. 3,5 Stunden, 112 Schüsse, 15 Tote. Unauslöschlich eingebrannt. Sie hören erneut das Nachladen des Gewehrs, riechen den Pulverdampf. Wie kann man da weiter leben?

Der Film lässt die Betroffenen zu Wort kommen, fängt die Erinnerungen ein, aber auch ihr Leben, wie es jetzt verläuft. Larissa geht zum ersten Mal seit fünf Jahren wieder in die Schule, sie betritt auch das Gebäude in Winnenden wieder. Ihr Schulkamerad Patrick hat nie wieder einen Fuß hineingesetzt. Dafür hat er ein Buch geschrieben: „Unter den Flügeln der Engel“ heißt es.

Serina arbeitet inzwischen im Rathaus. Sie sagt: „Ich wollte es ihm zeigen, dass er es nicht schafft, mein Leben kaputt zu machen.“ „Ihm“, das ist der Amok-Schütze Tim K.

Vater Hardy Schober, der gerade noch rechtzeitig kam, um seine tote Tochter im Krankenhaus „noch warm“ umarmen zu können und sich von ihr zu verabschieden, engagiert sich im Aktionsbündnis Winnenden. Er kämpft für eine Verschärfung des Waffenrechts, für ein Verbot von Killerspielen und für Prävention. Er erzählt von Drohungen der Waffenlobby, die um ihre Existenz fürchtet.

Was Eltern und Kinder eint, ist die Suche nach Sicherheit, auch wenn sie wissen, dass es keinen absolut sicheren Ort gibt. Der Amoklauf hat seine Wunden geschlagen. Doch wie die einzelnen mit dieser Wunde umgehen und wie sie diese verkraften, ist unterschiedlich. Resilienz nennt die Psychiaterin Luise Hepp dieses Phänomen, dass Menschen ganz unterschiedliche Widerstandskraft entwickeln. Und so plant der eine jetzt einen USA-Aufenthalt, die andere packt die Schule erneut an, und der Vater merkt, dass er noch eine Tocher hat, die er nicht vergessen darf. Was bleibt, ist die Frage: Warum?

Der Film „Amok in Winnenden“ wird am 5. März um 21.45 Uhr in 3 Sat gezeigt. Er ist Teil eines Thema-Abends, der sich in Reportagen, Dokumentationen und Spielfilmen mit dem Phänomen Amokläufe befasst.

Buch-Tipp

Schreiben statt Schweigen - Schüler der Albterville-Realschule schreiben zum AmoklaufMartin Gerke und Heinz Rupp (Herausgeber):

Schreiben statt Schweigen. Schüler schreiben zum Amoklauf an der Albertville-Realschule in Winnenden, Verlag der Evangelischen Gesellschaft 2011, 112 Seiten, 12 Euro.

ISBN 978-3-7918-8034-1.

Dieses Buch erhalten Sie in unserer Online-Buchhandlung, per Mail oder bei unserem Bestell­telefon 0711-60100-28.

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