Christliche Themen für jede Altersgruppe

Islam und Christentum vereint

OSTFILDERN-NELLINGEN (Dekanat Bernhausen) - Die Kunstinstallation „Islamic Chapel“ bringt Christen und Muslime ins Gespräch. Sie zeigt, wo sich die Religionen nahe sind – und wo nicht. Außerdem lädt sie Christen und Muslime dazu ein, miteinander ins Gespräch zu kommen. 

Ein Zelt mit Worten aus dem Koran und Kreuzen auf dem Dach: Das ist die Islamische Kapelle. . (Foto: factum)

Die Schrift an der Wand kennt man: Das ist Arabisch, die Sprache des Korans. In der Mitte des Raums steht eine Art Hütte, sie erinnert an ein Spielhaus für Kinder. Die Wände sind mit schwarzem Stoff umkleidet, die arabischen Worte, die in den Stoff geschnitten sind, werden von Scheinwerfern an die Wände projiziert. Das sieht schön aus, einfach und klar. Aber so einfach macht es einem die Künstlerin Nezaket Ekici nicht. Auf dem Dach sind zwei Kreuze. Außerdem hat sie ihre Installation „Islamic Chapel“ genannt, also „Islamische Kapelle“. Da rücken Islam und Christentum ganz dicht aneinander, ja sie vermischen sich. Aber will man das eigentlich?

Der interreligiöse Dialog ist schon lange ein Thema, gerade in einer Stadt wie Ostfildern mit 30 Prozent Migranten und Menschen aus 104 Nationen. „Die Installation soll Gedankenräume öffnen“, so Janina Vujic von der Städtischen Galerie Ostfildern. „Die Künstlerin kam mit zehn Jahren nach Deutschland und erlebt tagtäglich den Umgang mit christlicher und muslimischer Kultur. Die Vermischung spielt bei ihr eine große Rolle.“ Zumindest macht die Installation neugierig: „Was steht da an den Wänden?“, wollen die Besucher wissen. Hier greift Pfarrer Peter Martin, der die Führung begleitet, zu einer deutschsprachigen Koran-Ausgabe. „Es ist die erste Sure“, sagt er, „sie ist für einen Muslim so wichtig wie für Christen die Bergpredigt oder das Liebesgebot.“ Er zitiert „Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen. Aller Preis gehört Allah, dem Herrn der Welten, …“ Vujic erklärt, dass die Künstlerin die Worte nicht in der richtigen Reihenfolge, sondern nach ästhetischen Gesichtspunkten angeordnet hat. Kann man das als Kritik an einer zu strikten Auslegung des Korans verstehen? Vielleicht. Interpretation gibt Ekici nicht vor.   

Im Vorfeld der Installation wurden von Schülern verschiedene Kunstprojekte erarbeitet. Sie sind in der Ausstellung zu sehen. Viele Gemeinsamkeiten sind zu sehen: Auf einem Foto sind Gebetsketten, die an Rosenkränze erinnern. Ein Glasfenster zeigt Kirche und Moschee, darüber die Noah-Geschichte. Und es gibt den aus Steinen gelegten Stammbaum, der auf Abraham hinweist, den gemeinsamen Stammvater von Islam, Christentum und Judentum. Doch auch die Unterschiede sind sichtbar. Mit Schuhen gefüllte Regalreihen oder eine ganze Gemeinde, die auf dem Boden kniet, solche Fotos gibt es aus Kirchen nicht.

„Kommen viele Muslime in die Ausstellung?“, fragt eine Besucherin. „Wir zählen nicht“, so Vucic, „aber bei der Eröffnung waren es viele.“ Für Pfarrer Martin ist etwas anderes wichtig. Er zeigt auf die Schrift, die sich auf seinen Körper abbildet: „Ich finde es faszinierend, wie jeder von uns ein Stück von diesem göttlichen Wort auf sich hat. Und hoffentlich auch in sich.“

Luthers-Familienzeit

Jetzt Online-Magazin testen.

THEMA - Die Bergpredigt

Ausgabe 3/2017

Evangelisches Gemeindeblatt

Aktuelle Ausgabe 34/2017

Meinungsumfrage

Meinungsumfrage

Haben Sie durch die Veranstaltungen zum Reformationsjubiläum persönliche Impulse bekommen?
Ja.
Nein
Ich weiß es nicht