Christliche Themen für jede Altersgruppe

Jedes Tor erfüllt einen Wunsch

STUTTGART-BAD CANNSTATT – Jugendliche aus Bad Cannstatt haben zwölf Stunden lang Fußball gespielt. Für jedes Tor gibt es von den Sponsoren drei Euro. Der Erlös ist für ein Pflegeheim bestimmt. So können sich die Senioren Ausflüge leisten, an denen sie sonst nicht teilnehmen könnten. 


Als Schiedsrichter im Einsatz: Jugendpfarrer Gerd Mohr (links). Pfarrer Florian Link unterstützt das Benefiz-Spiel. (Foto: Marksu Heffner)

Um 18.44 Uhr ist es geschafft. Nach fast zehn Stunden schießt das Inzel-Team sein hundertstes Tor, das ausgiebig bejubelt wird. Die „100“ steht, der Rest ist Zugabe, wenngleich die Zebras schon 133 Tore auf der Anzeigetafel stehen haben. Gewinnen ist Nebensache an diesem Tag auf dem Sportplatz der Cannstatter Jahnrealschule, der morgens um 9 Uhr begonnen hat und zwölf Stunden später ohnehin nur Sieger kennt.

Grund zur Freude haben insbesondere die Bewohner des benachbarten Pflegeheims, von denen etliche gekommen sind zu dem Zwölf-Stunden-Kick. Manche zum Zuschauen, andere um zu helfen, an der Kaffeebar oder am Grill. „Das ist eine tolle Sache für unsere Seniorinnen und Senioren, ein echter Freudentag“, sagt Claudia Dengler, die Leiterin des Heims in der Brunnenstraße, das vom Evangelischen Verein für diakonische Arbeit betrieben wird. „Jetzt können wir wieder viele Wünsche erfüllen, was sonst nicht möglich wäre.“

Drei Euro pro Tor hat der Gewerbeverein Altstadt Bad Cannstatt als einer der Sponsoren ausgelobt, als weitere Spender konnten die Veranstalter zudem den Diakonieverein, die Volksbank und die BW-Bank gewinnen. Mit dem so erspielten Geld sollen sich die meist bedürftigen Senioren des Pflegeheims Ausflüge ins Museum leisten können, einen Abend im Theater, einen Besuch beim Friseur oder eine Wanderung durchs wildromantische Monbachtal im Schwarzwald. „Bei vielen reicht das Geld für solche Sachen einfach nicht“, sagt Claudia Dengler.

Jedes Tor zählt also, was für die Jugendlichen auf dem Platz Ehrensache ist – und eine wertvolle Erfahrung. Die meisten der Jungen und Mädchen, die an diesem Tag im Schichtbetrieb auf beiden Seiten mitspielen, bei den Zebras und im Inzel-Team, stammen aus eher schwierigen und armen Verhältnissen, viele haben einen Migrationshintergrund und wenig Fürsorge oder Bildung erfahren. „Heute können sie mit jedem Tor auch etwas geben, obwohl einige so wenig oder gar nichts haben“, sagt Pfarrer Florian Link. „Es ist wichtig, Erfahrungen zu machen, die den Horizont weiten.“

Der Marathon-Kick fällt in jedem Fall in diese Kategorie, seit er im vergangenen Jahr erstmals veranstaltet wurde. „Es war ein großes Experiment für uns alle“, sagt Gerd Mohr, unter anderem Jugendpfarrer an der Cannstatter Lutherkirche und zusammen mit Florian Link einer der Organisatoren des Benefizkicks. Die spannende Frage vor der Premiere sei gewesen, so Mohr, wie sich Jugendliche aus unterschiedlichen Einrichtungen und Lebensbereichen begegnen. Auf der einen Seite die „Zebras“ vom Zentrum der Evangelischen Jugend im Cannstatter Ludwig-Raiser-Haus mit seinem Jugendcafé. Auf der anderen Seite die Jugendlichen der Cannstatter Inzel, einer Einrichtung der Gesellschaft für Offene und Mobile Jugendarbeit.

176:143 endete damals diese erste Begegnung, die vor allem eine Erkenntnis gebracht hat. „Es hat wirklich wunderbar funktioniert. Alle hatten großen Spaß dabei“, sagt Gerd Mohr, dessen Schiedsrichterpfeife auch bei der Neuauflage in diesem Jahr kaum zum Einsatz kommt. „Alles ist total fair und ohne jede Probleme abgelaufen“, betont er. „Wir werden das im nächsten Jahr auf jeden Fall wiederholen.“ 

Knapp 100 Jugendliche haben diesmal mitgespielt, die meisten zwischen 14 und 16 Jahren, darunter Konfirmanden und Ehemalige, Förderschüler, junge Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger. „Viele unserer Jugendlichen haben ein ganzes Bündel an Problemen zu tragen“, sagt Marie Dejeux, Erzieherin von der Cannstatter Inzel, die immer wieder selbst auf dem Platz stand und so ihren Teil an der Spendensumme beigetragen hat. „Einen ganzen Tag gemeinsam mit anderen zu verbringen und sich für eine Sache einzusetzen“, sagt die Pädagogin aus Frankreich, „ist ein sehr lehrreiches Erlebnis für sie.“ Da macht es auch nichts, dass ihr Team nach zwölf Stunden mit 120:163 verliert. Denn es gibt ohnehin nur Sieger an diesem Tag.

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