Christliche Themen für jede Altersgruppe

Jetzt muss der Durchbruch kommen

Kommentar von Petra Ziegler



In Hildesheim, Biberach und an anderen Orten in Deutschland haben am vergangenen Wochenende bemerkenswerte Versöhnungsgottesdienste stattgefunden. Evangelische und katholische Christen haben von den gegenseitigen Verletzungen in der Geschichte berichtet. Um des Glaubens willen sind sinnlose Kriege geführt, Menschen vertrieben, gefoltert, getötet worden.
Viele hofften im Vorfeld der so genannten „Healing of memories“ auf ein Wunder: auf das gemeinsame Abendmahl. Dieses Wunder ist ausgeblieben. Noch gut im evangelisch-katholischen Gedächtnis ist der erste Ökumenische Kirchentag in Berlin 2003. Damals feierte der katholische Priester und Theologieprofessor Gotthold Hasenhüttl gemeinsam mit einem evangelischen Pfarrer einen „Abendmahlsgottesdienst nach katholischem Ritus“ (also ein gemeinsames Abendmahl). Er verlor deswegen sein Priesteramt und etwas später auch die kirchliche Lehrerlaubnis.
Der Gottesdienst in Hildesheim und die anderen Feiern haben gezeigt, dass die Fronten zwischen den beiden Konfessionen längst nicht mehr verhärtet sind. Zwei Bischöfe, die in einem Gottesdienst miteinander munter plaudern und sich sogar öffentlich duzen, zeigen, dass die Ökumene nicht nur an der Basis, sondern auch an der Kirchenspitze Wirklichkeit ist. Zu Recht wertet der württembergische Landesbischof Frank Otfried July den Gottesdienst in Biberach als Zeichen dafür, dass aus dem konfessionellen Nebeneinander längst ein Miteinander geworden sei.
Die Healing-Gottesdienste bringen ohne Frage die Ökumene weiter, denn spätestens jetzt hat der Prozess des Aufarbeitens einer schwierigen Geschichte begonnen.
Doch Katholiken und Evangelische warten auf mehr, etwa auf das gemeinsame Abendmahl. Die meisten haben jedoch vergessen, dass hinter dieser Forderung nicht nur ein Ritual, sondern das Kirchenverständnis schlechthin steckt. Was etwa macht eine Kirche aus? Welche Glaubensgemeinschaft darf sich Kirche nennen? Dürfen einzelne Kirchen für sich in Anspruch nehmen, die einzig wahre Kirche zu sein?
Hildesheim und Biberach war der Aufbruch in ein neues Ökumene-Zeitalter. Aber jetzt muss noch der Durchbruch kommen. Und den machen die meisten Katholiken und Protestanten letztendlich am gemeinsamen Abendmahl fest.

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