Christliche Themen für jede Altersgruppe

(K)ein Ende in Sicht

Der Studientag der württembergischen Landessynode zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ist ­vorbei. Ergebnisse gibt es keine – das war auch im Vorfeld so angekündigt worden. Die Tagung fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Im Herbst soll dann das Thema in der Landessynode verhandelt werden. Doch bis dahin geht die Debatte weiter. 

 (Foto: epd-bild)

Am Ende des Studientages war eine Probeabstimmung geplant. Ihr Ziel sollte es sein, herauszufinden, in welche Richtung der Theologische Ausschuss der Synode weiterarbeiten soll. Die Abstimmung soll in der nächsten Sitzung des Theologischen Ausschusses ausgewertet werden. Systematische Theologen, ein Kirchenhistoriker und ein Kirchenrechtler sprachen über das Schriftverständnis, die biblischen Aussagen zu Homosexualität, über den Segen, das reformatorische Eheverständnis und die rechtliche Seite der Ehe. Über die Details wurde nichts bekannt. Anhand der Referentenliste lässt sich immerhin erschließen, dass zwischen progressiv und konservativ alle Seiten vertreten waren.

Ziel des Studientages war es, dass die Synodalen zu einer persönlichen Urteilsbildung kommen. Er ist nicht der Anfang eines langen Prozesses, sondern steht eher am Ende, aber mit offenem Ausgang. Im Herbst soll die Synode über die Segnung entscheiden.

In einem gemeinsamen Statement sagen Landesbischof Frank Otfried July und Synodalpräsidentin Inge Schneider: „Wir haben in den vergangenen Jahren in unserer Landeskirche einen langfristig angelegten und verantwortungsbewussten Diskussionsprozess gestaltet. Er soll nun binnen eines Jahres zu einem gemeinsamen Ergebnis kommen.“

Doch im Vorfeld des Studientages in Bad Boll gingen die Wogen hoch. Einmal, weil sich die Stuttgarter Prälatin Gabriele Arnold für die Homo-Segnung ausgesprochen hatte. Zum anderen, weil sich jetzt zwei Lager bilden: die Initiative Regenbogen, die vor einem Jahr gegründet wurde, und die Arbeitsgemeinschaft „confessio“.

Der Initiative Regenbogen gehören inzwischen 23 Kirchengemeinden an. Sie treten für die Segnung Gleichgeschlechtlicher ein sowie für Pfarrerinnen und Pfarrern, die mit ihrem gleich geschlechtlichen Partner im Pfarrhaus leben wollen. Auf der anderen Seite lehnt die Arbeitsgemeinschaft confessio die Homo-Segnung ab. Der Arbeitsgemeinschaft gehören 100 württembergische Pfarrerinnen und Pfarrer an. Die confessio verweist auf die Bibel, die Homosexualität ablehne. Bis vor wenigen Jahrzehnten wäre niemand auf die Idee gekommen, einen Gottesdienst zur Segnung Homosexueller für wichtig zu halten. „Das hat sich geändert seit der Entstehung einer regelrechten ‚Homo-Welle‘.“ Beide Initiativen werben für ihre Position.

Doch wie sieht die Praxis aus? Johannes Eißler ist Gemeindepfarrer in Eningen unter Achalm. Einmal in seinem Pfarrersleben hat er ein homosexuelles Paar abweisen müssen, das ihn um einen Segensgottesdienst gebeten hatte. Pfarrer Eißler hält sich ans kirchliche Recht, aber er möchte gleichgeschlechtliche Partnerschaften segnen können. Er selber komme aus dem Pietismus, sagt aber auch, dass sich Haltungen verändern. „Der Zeitgeist ist für mich nichts Negatives“, sagt er auf den Vorwurf von Konservativen hin, die Kirche dürfe nicht dem Zeitgeist hinterherlaufen. Johannes Eißler ist der Überzeugung, dass man die Bibel nur in der Zeit, in der man lebt, verstehen kann. „Wenn sich die Gesellschaft verändert, verändert sich auch der Blick auf die Bibel.“

Er wünscht sich einen öffentlichen Segnungsgottesdienst für Homosexuelle, der dann in ein kirchenamtliches Register eingetragen wird. Johannes Eißler versteht, dass dies ein schwieriger Weg ist. Er weiß, „dass wir in Württemberg anders sind und deshalb auch länger brauchen als andere Landeskirchen, zu einer Lösung zu kommen.“ Pfarrer Eißler hat deshalb Geduld.

Von den kirchenpolitischen Gruppierungen haben die Lebendige Gemeinde und die Offene Kirche die eindeutigsten Positionen. Die Lebendige Gemeinde veröffentlicht auf ihrer Internetseite ein Interview mit Steffen Kern. Er ist Pfarrer, EKD-Synodaler und Vorsitzender des Evangelischen Gemeinschaftsverbands „Die Apis“. Für Kern ist es keine Frage, dass Homosexuelle „in unserer Kirche ohne Ausgrenzung  angenommen“ werden sollen. Doch er ist der Überzeugung, dass ein Großteil der Pfarrerschaft eine Segnung ablehne.

Die Offene Kirche hat im vergangenen Jahr in der Synode eine Änderung der Trauordnung beantragt. Danach „soll ein Gottesdienst anlässlich der Bildung einer Eingetragenen Lebenspartnerschaft ermöglicht“ werden. In dem Antrag, der von der Synodalen Elke Dangelmaier-Vincon und weiteren zwölf Synodalen unterzeichnet wurde, wird darauf verwiesen, dass in Württemberg längst Segnungsgottesdienste gefeiert werden, allerdings in einer rechtlichen Grauzone. Eine verbindliche Regelung sei überfällig.

Die Gesprächskreise Evangelium und Kirche sowie Kirche für morgen haben zu diesem Thema keine einheitliche Meinung. Deshalb ist es schwer, den Ausgang einer Abstimmung einzuschätzen. Für eine Einführung der Homo-Segnung braucht es eine Zwei-Drittel-Mehrheit. Doch die käme rein rechnerisch nur zusammen, wenn alle Synodalen der Offenen Kirche, die Hälfte der Synodalen der Lebendigen Gemeinde und die Hälfte der Synodalen von Evangelium und Kirche für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare votieren.



Vom Umgang mit einem herausfordernden Thema:

 

 

 

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