Christliche Themen für jede Altersgruppe

Kirche muss auch Freude machen!

Die frohe Botschaft des Evangeliums bekannt machen und Seelsorge betreiben: So versteht Peter Brändle seinen Auftrag in der Kirchengemeinde Weilheim/Teck. Luthers-Autor Heiko Schwöbel befragte den Pfarrer, wie er diesen Auftrag erfüllt. Und dazu beiträgt, dass seine Kirche die Gläubigen inspiriert.

Bild: privat

Gottesdienste am Sonntag sind für manche Christen, die der Kirche nicht sehr tief verbunden sind, eine stille und vielleicht auch geschlossene Feierstunde. Sie bleiben in den Gemeinden meist im Verborgenen – unentdeckt. An Taufen, Hochzeiten und Konfirmationen mag man sie noch sehen. Klar, das ist etwas Besonderes. Die alltägliche Arbeit der Kirche in der Gemeinde bleibt aber für die etwas entfernteren Christen eher in der Distanz. Sie wird für sie erst bei Einschnitten in das Leben sichtbar und erlebbar: Ein Pflegefall oder auch Todesfall. Ansonsten gilt: Die wöchentliche ehrenamtliche Lesestunde im Alters- und Pflegeheim, die Jugendarbeit, das alles findet häufig fast unbemerkt innerhalb der Gemeinde statt.

Die Evangelische Gemeinde Weilheim/Teck geht einen anderen Weg. Sie macht Kirche öffentlich. Im Ort, bei Festen und Feiern. In Rundfunk und Presse. Und dabei gilt: „Wir zeigen uns als Kirche, wir sprechen über unsere Botschaften, wir gehen raus aus unseren Räumen, dahin, wo die Menschen sind – an die frische Luft!“ sagt Pfarrer Peter Brändle. Drei Beispiele nennt der Pfarrer.

Sie beweisen einen etwas anderen Weg, als ihn manche Gemeinden gehen. Es ist eine den Menschen in der Stadt zugewandte Methode, christliches Anliegen und die befreiende Botschaft des Evangeliums zu verkünden.

„Wir sind Kirche bei den Menschen!“

Die besondere Lage von Weilheim am Fuß der Schwäbischen Alb lässt Kirschbäume besonders gut gedeihen. Um auf den besonderen Zauber der Kirschblüte aufmerksam zu machen, wurde vor zwölf Jahren von der Stadt der Kirschblütentag an einem Sonntag im Frühling ins Leben gerufen. Eine Verbindung zur Evangelischen Kirchengemeinde in Weilheim bestand allerdings damals noch nicht. Der Gottesdienst fand in der Kirche statt. Die „Kirschblütler“ waren in den Obstwiesen. In Zusammenarbeit mit dem Stadtmarketing gelang es nun der Evangelischen Gemeinde, den Sonntagsgottesdienst mit dem Kirschblütentag zu verbinden. Das Motto: „Raus aus der Kirche, hin zu den Menschen, die den Kirschblütentag feiern!“. So findet nun, sofern es das Wetter zulässt, jedes Jahr ein Gottesdienst unter freiem Himmel statt. Ganz nah bei den Menschen.

„Wir sind sichtbar, auch beim Feiern!“

Auch das Gemeindefest findet nun nicht mehr im Gemeindehaus statt, sondern auf dem Vorplatz der Kirche. Mitten im Zentrum und sichtbar für alle, die vorbeikommen. Das Angebot soll die Menschen mit Besonderem und Unerwartetem locken: Das Fest beginnt am Samstagabend mit „Rock am Kirchturm“, am Sonntagvormittag wird Gottesdienst gefeiert, ein Stadtlauf als Sponsorenlauf veranstaltet und der Kirchenvorplatz wird zur Hocketse. Mit mediterranen Vorspeisen, Weinen aus Südamerika und Aperol Spritz wird das Speisen- und Getränkeangebot aufgepeppt. Kabarett und Kirchenchor schließen das Fest gegen 17 Uhr. So kann jeder frisch und munter die neue Woche am Montagmorgen beginnen – auch die Helfer. Das Fest wird von den Konfirmanden und deren Eltern gestemmt. Die Erfahrung von Pastor Pfarrer Brändle dabei ist, dass die Gemeindemitglieder spontan und gerne kleine, zeitlich überschaubare Aufgaben übernehmen. „Sie haben Spaß bei der Vorbereitung und bekommen einen tieferen Einblick in die Arbeit der Gemeinde. Immer wieder entschließen sich Menschen nach einem solchen Mittun, wieder aktiv in der Gemeinde zu arbeiten. Das freut mich sehr. Zeigt es doch, dass wir über das Fest Kontakt zu nicht aktiven Gläubigen bekommen und sie für unsere Sache gewinnen können.“

„Kirche ist Vielfalt: Wir sind Kreuz und Quer!“

„Wir wollen auch Menschen ansprechen, die nicht oder nur selten in die Kirche oder das Gemeindehaus gehen“, sagt Peter Brändle. Dieser missionarische Ansatz kann nur dann gelingen, wenn auch hier die Hemmschwellen besonders gering sind und das Angebot inhaltlich wie personell attraktiv ist oder den Menschen schlicht Freude macht. Mit Musik und Tanz, aber auch mit ernsten Themen wie Glaube und Vergebung, den Umgang mit Einschränkungen, Kabarett oder einem Vortragenden wie  Jimmy Hartwig, der sein Auf und Ab bespricht, hat das Programm „Kreuz und Quer“ die Weilheimer Bürger animiert, sich stärker mit christlichen Themen und ihrer Kirche auseinanderzusetzen.
Die Veranstaltungsreihe findet in einem Glaubenskurs seine Fortsetzung. Themen sind hier an acht Abenden unter anderem: Warum starb Jesus? Was kann mir Gewissheit im Glauben geben? Warum und wie bete ich? Welchen Stellenwert hat Kirche? Zwischenzeitlich hat sich sogar ein Hauskreis unter dem Namen „Kreuz und Quer“ gefunden.Peter Brändle ist überzeugt: Die Aktivitäten der Gemeinde zeigen Wirkung. Die Kirche ist mit über 150 Gläubigen an normalen Sonntagen gut besucht. An Festsonntagen und besonderen Feiertagen kommen über 400 Menschen, um gemeinsam den Gottesdienst zu feiern. Darüber hinaus entdeckt er immer wieder neue Gesichter im Gottesdienst oder in den zahlreichen Runden und Kreisen zu christlichen Fragestellungen und Themen. „Die Zahl der aktiven Gemeindemitglieder wächst beständig. Das freut mich und bestätigt mich in meinem Einsatz, das Evangelium unter die Menschen zu bringen, Jesus erlebbar machen, Gutes zu tun, Freude miteinander zu erleben und schöne Feste gemeinsam zu feiern.“

Aus dem Erfahrungsschatz eines erprobten Gemeindepfarrers:

➤ Bündeln Sie alle Kräfte aus Wirtschaft, Stadt und Gemeinde: Die Gemeinde und das Ordungsamt bei Veranstaltungen frühzeitig einbinden und um Rat und Hilfe bitten

➤ Einzelhändler und Handwerker, deren Kunden ja auch zu der Veranstaltung der Gemeinde kommen, auf Unterstützung ansprechen und Werbemöglichkeiten bieten – zum Beispiel Metzger für Wurst und Fleisch, Elektriker für die Beleuchtung

➤ Sparkassen oder Volksbanken haben oft Festequipment im preiswerten Verleih

➤ Organisationsteam der Kirchengemeinde bilden. Je ein Verantwortlicher für Werbung und Öffentlichkeitsarbeit, Geistliche Vor- und Nachbereitung, Bewirtung, Finanzierung und Sponsoring, Kontakt zu den Behörden, Veranstaltungstechnik.

➤ Bieten Sie für jeden etwas: jung/alt, hochverbunden/kirchenfern, arm/reich

➤ Wenn mehrere Einzelveranstaltungen geplant sind, schaffen Sie für jede einen Ansprechpartner

➤ Achten Sie auf das Wetter: Der Winter ist eine riskante Jahreszeit für große Veranstaltungen unter freiem Himmel

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