Christliche Themen für jede Altersgruppe

Kuchen fürs Heimatgefühl

RENNINGEN (Dekanat Leonberg) – Die 18-Jährige Janneke van Weeren aus Renningen hat ein Jahr lang Flüchtlinge in Amsterdam betreut. Sie hat selbst niederländische Wurzeln und wurde bei ihrem Frei­willigendienst auch von Menschen aus ihrer Kirchengemeinde unterstützt. 

Janneke van Weeren hat für Sergej eine Arche als Geburtstagskuchen gebacken. Er soll sich geborgen fühlen. (Foto: privat)


Kuchenbacken für Geburtstage. Mit den Kindern etwas spielen oder mit ihnen an den Strand fahren. Lebensmittel einkaufen für 25 Leute. Ab und an für die ganze Truppe kochen. Das ist seit etwa einem Jahr der Alltag von Janneke van Weeren. Die 18-Jährige ist im September letzten Jahres mit Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) für einen Freiwilligendienst in die Niederlande gereist.

Seither lebt und arbeitet sie im Jeannette Noël Huis in Amsterdam in einer  Wohngemeinschaft von Flüchtlingen und zwei bis drei Niederländern sowie einem anderen Freiwilligen. Die Männer, Frauen und Kinder haben meist afrikanische Wurzeln. In der Wohngemeinschaft können sie ihr Leben neu organisieren. Beispielsweise, indem sie ihre Papiere in Ordnung bringen.

Sobald sie das getan haben, müssen sie allerdings weiter. „Das hört sich hart an“, sagt die Renningerin. Aber es sei auch nötig. Denn die Menschen sollen sich selbst um ihr Leben kümmern. Dennoch fällt der Abschied nicht immer leicht: Janneke wohnt im selben Haus, auf demselben Stock wie ihre Schützlinge. Und natürlich entstehen im Alltag auch Freundschaften. „Doch wenn ich höre, dass jemand eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis bekommen hat, freue ich mich.“ Schwieriger wird es, wenn der Aufenthalt nicht genehmigt wurde.

Solange die Flüchtlinge im Haus sind, will Janneke mit ihrem Chef und ihren Kollegen für die Menschen da sein, ihnen ein Zuhause geben. Das heißt auch, dass sie Kuchen backt, wenn eines der Kinder Geburtstag hat. „Mittlerweile sind diese Kuchen schon Kult“, schreibt sie auf ihrer Internetseite. Denn für jedes Geburtstagskind denkt sie sich etwas Besonderes aus. Für einen Fan des FC Chelsea London beispielsweise verzierte sie den Kuchen mit dem Wappen des Fußballclubs. Für Sergej gestaltete sie den Kuchen in Form einer Arche.

Die Kommunikation im Haus ist nicht immer einfach. Janneke spricht zwar fließend Niederländisch, weil ihr Vater von dort kommt und sie auch Verwandte in den Niederlanden hat. Aber nicht jeder Flüchtling spricht die Sprache des Gastlandes, und auch nicht jeder spricht Englisch. Janneke hingegen kann kein Französisch. Doch irgendwie hat es bislang immer geklappt. Und manchmal gibt es einfach auch kulturelle Unterschiede: Ein Mal spielte sie mit den Kindern im Zimmer und sah durch die Glastür einen Mitbewohner. Sie winkte ihm, weil sie mit ihm sprechen wollte. Aber er kam nicht. Hinterher sagte er zu ihr: „Ich bin der Ältere, Du musst zu mir kommen.“

Im Haus gibt es regelmäßige Gebetszeiten, sonntags geht sie ab und zu in die Kirche. Und eine Gemeinde ist es auch, die sie mitträgt: Aus der Renninger Kirchengemeinde gibt es einige, die Janneke finanziell unterstützen.

Alle zwei Wochen besucht Janneke mit einer Gruppe von etwa zehn Menschen Flüchtlinge, die im Abschiebegefängnis auf dem Flughafen Schipol gelandet sind. Wer über sein Schicksal reden will, findet hier offene Ohren. Wer schweigen will, Verständnis. Die Besuchsgruppen haben Spiele dabei und Bücher. Nach ihrem ersten Besuch im Gefängnis hatte sie „enormen Redebedarf“, weil ihr die Schicksale der Menschen sehr nahe gingen. Doch mittlerweile kommt sie gut zurecht damit, den Menschen wenigstens für ein paar Stunden etwas Gutes zu tun.

Wie es nach dem Freiwilligendienst weitergeht? Janneke hat schon einen Studienplatz in Ludwigsburg an der Pädagogischen Hochschule. Doch bis Oktober ist ja noch ein bisschen Zeit.



Weitere Informationen zu den Freiwilligendiensten von ASF: www.asf-ev.de. Der Blog von Janneke: www.janninamsterdam.wordpress.com

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