Christliche Themen für jede Altersgruppe

Lieder aus dem Gefängnis

DENKENDORF/OSTFILDERN-PARKSIEDLUNG (Dekanate Esslingen und Bernhausen) – Der chilenische ­Musiker und Maler, Schauspieler und Poet Sergio Vesely floh 1976 aus seiner Heimat nach Deutschland. Heute wohnt er in Denkendorf.  

Bild: Sergio Vesely hat seinen eigenen Weg gefunden. (Foto: Peter Dietrich)

„Ich wollte meinen eigenen Weg finden“, sagt der „chilenische Singvogel“ Sergio Vesely. Er wurde 1952 geboren. Nach dem Militärputsch in Chile von Augusto Pinochet verbrachte er 22 Monate in chilenischen Lagern und Gefängnissen. Die Militärdiktatur von Augusto Pinochet dauerte bis 1990 und brachte massive Menschenrechtsverletzungen mit sich. Sergio Vesely war einer von sehr vielen Verfolgten.

Deutschland erreichte er mit einem kleinen Seesack voller Habseligkeiten. Ein Flüchtlingshilfeverein holte ihn im November 1976 am Flughafen Stuttgart ab, brachte ihn ins Wohnheim in Ostfildern-Parksiedlung. Einige Monate lang teilte er sich das Zimmer mit anderen Chilenen. Dann organisierte eine Solidaritätsgruppe eine Wohnung im Stuttgarter Osten. Später  bekam Vesely in Deutschland Asyl.

„Meine Geschichte als Liedermacher begann im Gefängnis“, sagt Vesely. Zum solidarischen Miteinander gehörte Kulturarbeit. Die Aufsicht genehmigte am Wochenende den Aufbau einer kleinen Bühne, es gab Gedichte und Musik. Als mitten in Nacht und Sperrstunde eine Frau ins Lager kam und im Lazarett ein Kind gebar, widmete Vesely diesem Kind sein erstes Lied. Es heißt „Rey Negro“, der schwarze König. Auf Solidaritätsveranstaltungen in Deutschland sang Vesely die Lieder aus dem Gefängnis, sein erster Lohn war eine Gitarre.
„Ich habe bald gemerkt, dass es den  Leuten gefällt, wenn einer auf Spanisch singt.“ Anfangs hatte er Übersetzer. Doch ihm missfiel, dass diese politische Inhalte vermitteln wollten und daher beim Übersetzen die Texte oft ein wenig bogen. Er lernte, nahm bald selbst deutschsprachige Kinderlieder auf und vertonte Texte deutscher Dichter. Seit 36 Jahren verbindet ihn nun eine Freundschaft mit dem Ulmer Schriftsteller Urs M. Fiechtner. Mit ihm zusammen hat er viele Projekte für Amnesty International gestaltet.

Mehr als ein Musiker

Seine Lieder hat er nie gezählt, es sind Hunderte. Doch Vesely ist viel mehr als ein Musiker, der Akkordeon, Percussion, Gitarre und diverse andere Saiteninstrumente spielt. Seit sieben Jahren spielt er jeden Sommer mit einer elfköpfigen Theatergruppe in Salzburg den „Jedermann“. Seine farben- und lebensfrohen Bilder und Figuren sind auf Ausstellungen zu sehen – und in dem kleinen Schuppen in seinem Garten. „Ich muss mit dem, was ich kann, Geld verdienen“, sagte Vesely, der mit seiner Frau und fünf Kindern in Denkendorf wohnt.

Seit Langem kirchliche Kontakte

Veselys kirchliche Kontakte reichen weit zurück. In Chile erlebte er, wie das katholische „Vikariat der Solidarität“ die Gefangenen unterstützte. In der Parksiedlung war damals ein Pfarrer, der durch seine Zeit in Paraguay etwas Spanisch sprach. Der motivierte seine Gemeinde zu helfen: Die Leute brachten Radios Wörterbücher und Kleidung. Weil der Chilene klein ist, trug er Frauenkleider.

Vesely weiß gut, dass es in Deutschland verschiedene politische Strömungen gab, dass manche die chilenischen Diktatoren gut hießen, „weil sie die Feinde des Kommunismus waren“. Auch die deutsche Wirtschaft wollte mit Chile ihre Geschäfte machen. Doch Vesely hegt keinen Groll: „Es gab auch sehr viel Solidarität.“ Der Chilene hat seinen Weg gefunden.

Der Film „Rey Negro – der schwarze König“ wird gezeigt beim Filmkonzert am 15. September um 17 Uhr im Dietrich-Bonhoeffer-Gemeindezentrum in Ostfildern-Parksiedlung. Nach der Filmvorführung macht Vesely Musik und steht zum Gespräch bereit. Der Eintritt ist frei.

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