Christliche Themen für jede Altersgruppe

Locker und doch tiefgründig

BERNHAUSEN – Zwei Mal im Jahr pilgern Freunde eines ganz besonderen Gottesdienstes in die Filharmonie. Der Rock- und Gospel-Gottesdienst zieht mittlerweile um die 1000 Besucher an. Zum Konzept gehört neben der besonderen Musik auch immer eine besondere Aktion. 


Schauspieler am Seil. (Foto: Brigitte Jähnigen)

„Was bin ich wert?“ lautet das Motto in der Filharmonie beim Rock- und Gospel-Gottesdienst in diesem Frühjahr. Kinder wuseln im Foyer der Filharmonie, gehen später in ihren eigenen Gottesdienst, um gegen Ende in den großen Saal zu kommen und Lieder vorzutragen. Erwachsene treffen sich zum Gespräch, viele kommen aus der näheren Umgebung oder aus Stuttgart, manche aber auch von weiter her, wenige sind sogar aus England zu Besuch. Die sonntägliche Stimmung wird von den Musikbands Josy und Joyful Noise angeheizt, Dekan Rainer Kiess würzt seine Moderation mit einem Witz: Ein Kind wird gefragt, ob es lieber eine Zwei-Euro-Münze hätte oder ein Zehn-Euro-Papier. „Ach“, sagt das Kind, „wickel mir die Münze ins Papier“. „Ja, lachen sollten Sie und beim Singen in die Vollen gehen, Hauptsache, die Aussprache bleibt trocken“, witzelt Kiess.

Bettina N. kommt regelmäßig zum Rock- und Gospel-Gottesdienst. So gern sie in ihrer Heimatgemeinde in die Kirche gehe, so sehr liebe sie die „leichtere und trotzdem anregende Atmosphäre“ in der Filharmonie. Auch ihr Sohn Benni ist dabei. Wenn „in der Kirche immer nur geredet“ werde, langweile er sich, bekennt der 14-Jährige und ergänzt: „Hier wird sogar gelacht“.

Den Rock- und Gospelgottesdienst gibt es seit 1995. Damals feierte Filderstadt 40 Jahre Rock‘n Roll. Die Kirche feierte mit – mit einem neuen Gottesdienst. Initiator war der aus Amerika stammende Pfarrer Gerrit-Willem Oberman. Seitdem wird in regelmäßigen Abständen zu Feiern mit viel Musik, Predigt und Kindergottesdienst eingeladen. Annähernd 1000 Besucher aus allen Generationen kommen.

In der Filharmonie geht es unterdessen unterhaltsam und nachdenklich zugleich illustriert weiter: Das Theater Transparent tritt auf: Weil‘s in der Beziehung kriselt, haben ein Mann und seine Ehefrau den Kurs „Übungen am Abgrund“ mit einem weiblichen Coach gebucht. In Wanderklamotten stapfen die drei auf der Bühne umher. Im Gespräch klagt die Frau, dass sie sich zwischen Haushalt und Beruf angekettet und dadurch völlig wertlos fühle. Der Mann schweigt. Plötzlich ist er verschwunden. Als die Frauen ihn finden, hängt er an einem Kletterseil hoch unter dem Bühnenboden, bereit zum Suizid. „Mein Leben in der Familie ist nicht mehr viel wert“, ruft er nach unten, er fühle sich total ungeliebt. Die Coach-Frau erinnert an das 5. Gebot, das für jeden und jede gelte; der Mann besinnt sich und kommt heil unten wieder an. Fazit des lehrreichen und amüsanten Schwanks: Der Mann müsse wieder ein echter Mann werden und die Frau eine echte Frau, beide die hohe Kunst der Zärtlichkeit zurückerobern. „Wenn‘s nur so einfach wäre“, seufzt da eine Gottesdienstbesucherin.

Was bin ich wert, wenn die Leichtigkeit der Liebe verloren geht, wenn mir eine lebensbedrohende Diagnose mitgeteilt wird, wenn ich berufliche Misserfolge habe? „Antwort geben Psalm 30 und 16“, verspricht Gottfried Heinzmann, der ehemalige Leiter des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg und seit einigen Monaten fachlich-theologischer Vorstand der „Zieglerschen“. Dort ist er zuständig für 3000 Mitarbeiter in der Sucht-, Alten-, Behinderten- und Strafhilfe. Deshalb kennt Heinzmann viele Beispiele aus dem Alltag über den Wert eines Menschen. Wenn jemand nicht „der gesellschaftlichen Norm“ entspreche – was immer diese Norm sei – stelle sich durchaus die Frage nach seinem Wert. Menschen sollten auch „im Schweren an Gott festhalten“, Leben sei „kostbar von Anfang an“. Nicht das, „was ich habe und leiste“, mache den Wert eines Menschen aus, so Heinzmann. Vertrauen haben, das Leben lieben und Hoffnung haben, seien die Grundfeste eines gelingenden Lebens.


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