Christliche Themen für jede Altersgruppe

Luther für das digitale Zeitalter

TÜBINGEN – Junge Menschen holen sich ihre Informationen im Internet. Deshalb sollte auch Luthers zentrale Schrift über die Freiheit eines Christenmenschen unbedingt dort zu finden sein, dachten sich fünf junge Theologen und haben eine interaktive Internetseite gestaltet.

Jonas Frank, Jakob Fuchs und Jonathan Reinert haben Martin Luther in die digitale Zeit geholt.

Den Spruch von Luther kennt jeder: „Ein Christenmensch ist ein freier Herr und niemandem untertan.“ Die Fortsetzung wird schon weit weniger zitiert: „Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht und jedermann untertan.“ Was gilt nun? Da müsste man mal drüber reden – aber wie? Es gibt es im Jahr des Reformationsjubiläums viele  Angebote, um sich über Luther zu informieren. So laden Lesekreise ein zu Luthers Schriften. Nur: Jüngere Leute lassen sich eher selten dahin locken. Weshalb Christiane Kohler-Weiß, die Beauftragte der Landeskirche für das Reformationsjubiläum, beim Evangelischen Bund um Hilfe fragte: Könne man nicht etwas für das Internet entwickeln?

Im Vorstand des württembergischen Evangelischen Bundes sitzt Jakob Fuchs, Doktorand und ziemlich internet-affin: Er hat schon im Evangelischen Medienhaus in Stuttgart für das Internet mitgearbeitet, und er hat  Freunde, die ebenso überzeugt von den Möglichkeiten des World Wide Web sind: Jonas Frank, Jonathan Reinert, Martin Schiller und Alexander Stölzle – drei Doktoranden der Theologie und ein angehender Vikar.

Gemeinsam haben sie die Internetseite www.freiheit2017.net ins Netz gestellt. Inhaltlich geht es ihnen um Luthers einflussreiche Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“. Sie ist zwar in  aller Munde, im Netz bisher aber nicht zu finden. Ein Zustand, der so gar nicht geht, finden die Theologen: „Wo doch heute viele Leute ihre Infos aus dem Netz holen.“ Sie haben den Originaltext von 1520 online gestellt und, weil diese alten Buchstaben kaum noch jemand lesen kann, daneben eine Übertragung gesetzt, behutsam an heutiges Deutsch angepasst und mit Aufklappfenstern  für schwierige Worte unterlegt, in denen diese erklärt werden.

Aber die Gruppe wollte nicht nur liefern, sie will über den Text ins Gespräch kommen. Deshalb wird sie Woche für Woche, vom Mai bis zum Juni, einen Abschnitt gesondert vorstellen. Zunächst werden die Leser zu einer interaktiven Umfrage aufgefordert, dann können sie Hintergrundinformationen, Impulse und Anregungen zu diesen Texten lesen. Viele Autoren haben diese Aufgabe übernommen, so dass auch jedesmal ein eigener Zugang zu Luther da ist. Selbst ein englischer Kletterer wird sich seine Gedanken zum Text machen. Und es gibt das Angebot, über diese Texte zu diskutieren. Am Ende des Projekts wird ein komplett kommentierter Luthertext im Netz stehen.

Eingeleitet wird die ganze Aktion mit einem Studientag am 29. April im Evangelischen Stift Tübingen. Dort wird Professor Reinhold Rieger einen Einführungsvortrag halten, eine offene Podiumsdiskussion und Workshops vertiefen das Thema. Schließlich wird das Online-Projekt vorgestellt – und gestartet. Zur Kaffee-und-Kuchen-Zeit stehen nicht nur Torten, sondern auch Laptops auf dem Tisch. Erste Kommentare im Netz sind erwünscht.

„Aus Spaß an der Freude“, wie sie sagen, haben die fünf Freunde ehrenamtlich und mit ziemlichem Zeitaufwand das Ganze entwickelt. Es ist ein interessantes Experiment. Haben Luthers Gedanken mit der heutigen Situation nichts mehr zu tun? Oder gibt es überraschende Parallelen? Anders als bei einem einzelnen Buchautor, der schon weiß, auf welches Ende hin er schreibt, ist das Ergebnis der Netzgemeinde noch offen.

Ebenso offen ist, wer diese Netzgemeinde ist und wieviele Menschen überhaupt mitmachen. Viel Erfahrung mit dieser Art von interaktiver Lektüre und Diskussion gibt es im theologischen Bereich noch nicht. „Wir sind in der Kirche ja noch ziemlich am Anfang mit unseren Internetangeboten“, weiß Jakob Fuchs. „Da sind die Zugriffszahlen noch gering.“

Das Projekt www.freiheit2017.net ist also auch ein Präzedenzfall. Der möglichst erfolgreich sein soll, damit sich ein Zustand ändert, den Jonathan Reinert beobachtet: „Wir sind in der Kirche und der Religion im Digitalen noch ziemlich hintendran, vor allem im deutschsprachigen Raum.“

Information: www.freiheit2017.net

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