Christliche Themen für jede Altersgruppe

Lutherisches in Württemberg

Martin Luther hat in Württemberg vieles hinterlassen: Er stand in regem Briefwechsel mit seinen Schülern und den Reichsstädten. Manches seiner Lieder war ein Gassenhauer, seine Schriften stießen auf große Resonanz. Die Ausstellung „Luther kommt nach Württemberg“ in Stuttgart zeigt Schriftstücke, aber auch Luthers Ehering. Im Herbst ist die Ausstellung dann in Lauffen am Neckar zu sehen. 

Die Schlossskirche ist selber Teil der Ausstellung.


Auch politisch spielt Württemberg in der lutherischen Welt eine wichtige Rolle. Landesbischof Frank Otfried July ist einer der sieben Vizepräsidenten des Lutherischen Weltbundes. „Lutheraner sind wir“, sagen die württembergischen Pfarrer, während sich das Kirchenvolk ganz schlicht evangelisch fühlt. Ein Lutherland wie Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Thüringen wird Württemberg nie werden, denn es fehlen eben die Luther-Orte.

Immerhin: Möglicherweise könnte Martin Luther als Mönch auf der Reise von Erfurt nach Rom 1511 in Ulm gewesen sein. Nachweisen lässt sich das nicht. Doch der Verdacht liegt nahe, denn Luther musste sich an die üblichen Handelswege halten.

Ulm liegt an der Strecke. Viel später (1538) notierten Luthers Schüler in den Tischreden eine Bemerkung Luthers über das Ulmer Münster: „Der Petersdom zu Rom und die Kirchen von Köln und Ulm sind viel zu groß und zum Predigen ungeeignet.“

Aber letztendlich spielt es keine Rolle, ob Luther persönlich seinen Fuß auf württembergischen Boden gesetzt hat, ob er in einem Gasthaus übernachtet hat, er ist auch so präsent genug – und das bis heute. Die beiden erfahrenen Ausstellungsmacher Andrea Kittel und Wolfgang Schöllkopf haben die landeskirchliche Ausstellung ganz bewusst „Luther kommt nach Württemberg“ genannt. Der Untertitel trägt dann zur Klärung bei: Es geht um Berührungen, Wirkungen, Bilder.

Luther war vor allem in seinen Schriften (siehe auch Seite 7) und Liedern präsent. Bei der Heidelberger Disputation 1518 erklärte Luther die Grundgedanken seiner neuen Theologie. Johannes Brenz, Erhard Schnepf und Martin Frecht waren mit dabei. Sie sollten später die Reformation im südwestdeutschen Raum einführen.

Der Reformator Württembergs, Johannes Brenz, war von Martin Luther begeistert und wurde 1523 als Prädikant in die Reichsstadt Schwäbisch Hall berufen. Er schrieb einen Katechismus und später die Kirchenordnung.

Doch es gibt auch kaum bekannte Luther-Anhänger. Johannes Magenbuch (1487?–?1546) aus Blaubeuren gehört dazu. Er wollte Arzt werden, ging 1518, ein Jahr nach dem Thesenanschlag, nach Wittenberg. Nicht weil dort bessere Medizinprofessoren waren, sondern er wollte Luther und Melanchthon im Originalton hören. In Wittenberg sei der „rechte gute Brunn der göttlichen Wahrheit“.

Magenbuchs Mutter hat Angst um ihn. Doch er schreibt ihr: „Du musst dir um mich keine Sorgen machen, ich wohne unter frommen, tugendhaften, friedsamen Leuten.“ 1524 wurde Magenbuch auf Vermittlung Melanchthons Stadtarzt von Nürnberg. Magenbuch machte eine ungewöhnliche Karriere: Er wurde bei Kaiser Karl V. Leibarzt. Das lässt darauf schließen, dass er ein ausgezeichneter Arzt war. Warum sonst hätte sich der Kaiser einen Anhänger der Reformation ausgesucht?

Luther war ein begeisterter Briefeschreiber. An den Bürgermeister und den Rat zu Esslingen schrieb Luther, weil sich die Esslinger zur Überwindung der Spaltungen einsetzten.

Neben den Briefen und Flugschriften waren die Lieder wichtig. Wolfgang Schöllkopf hält die Luther-Lieder für ein „grandioses Transportmittel“ von Luthers Botschaft.

Manche Luther-Liedtexte werden zu Melodien damals bekannter Volkslieder gesungen und prägen sich auf diese Weise schnell ein. „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ ist dafür ein Beispiel. Wolfgang Schöllkopf kennt noch ein anderes Beispiel: Das Lied „Es ist das Heil uns kommen her“ wird auf die Melodie des Lumpenliedes „Und wenn der Pfarr‘ die Köchin schlägt“ gesungen. Derzeit stehen insgesamt 33 Lutherlieder im Evangelischen Gesangbuch.

Das Besondere der Ausstellung: Auch der Ausstellungsort ist Exponat. Die Stuttgarter Schlosskirche ist der erste evangelische Kirchenbau in Württemberg. Sie wurde 1562 als Hofkapelle errichtet. An ihr sieht man das neue Gottesdienstkonzept. Zentrum sind Altar und Kanzel im Querschiff. Das Besondere daran: Altar und Gemeinde sind auf Augenhöhe, die Gemeinde ist am Gottesdienst auf jeden Fall stärker beteiligt als zuvor.

Vom 10. September bis 19. November wird die Ausstellung in Lauffen am Neckar gezeigt. Das hat einen historischen Grund. Herzog Ulrich hatte Württemberg verlassen müssen – unter anderem, weil er 1515 den Ehemann seiner Geliebten erschlagen hatte.

In der Verbannung kam Ulrich dann mit  reformatorischen Ideen in Kontakt. Mit Hilfe des hessischen Landgrafen Philipp eroberte er sein Herzogtum zurück. Die Entscheidung fiel im Mai 1534 in der Schlacht bei Lauffen. Danach führte Herzog Ulrich im Land die Reformation ein.



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