Christliche Themen für jede Altersgruppe

Luthers Bollwerk in Franken

Nürnberg war im 16. Jahrhundert ein Zentrum des Handels, des Buchdrucks – und der Reformation. 1525 wurde die Heimatstadt Albrecht Dürers evangelisch und blieb es bis 1806 ohne Ausnahme. Ob auch der große Maler ein überzeugter Protestant war, ist bis heute umstritten. 

Nürnbergs Altstadt mit Burg und Sebaldus­kirche. (Foto: Fotolia)


Albrecht Dürer war erschüttert. Ein Gerücht hatte besagt, dass Martin Luther entführt worden sei und um sein Leben kämpfe. Welch eine Katastrophe! In leidenschaftlichen Worten lobpreiste Dürer den „Ritter Christi“ und betrauerte den vermeintlichen Verlust des Glaubenskämpfers.

Die „Luther-Klage“ aus dem Jahre 1521 diente in der Vergangenheit immer wieder als Beleg dafür, dass Albrecht Dürer ein erklärter Anhänger der Reformation war. „Doch tatsächlich“, sagt Thomas Schauerte, Leiter des Dürer-Hauses in Nürnberg, „gibt es an keiner Stelle ein eindeutiges Bekenntnis.“

Vor allem im 19. Jahrhundert hatten die Preußen Dürer im Glaubenskampf gegen die katholische Kirche instrumentalisiert. Der berühmteste aller Maler als enger Freund des berühmtesten aller Protestanten, das hätte natürlich gut gepasst. Tatsächlich sind sich Luther und Dürer allerdings nie begegnet.

Bei den Aufträgen für die Porträtbilder hatte Dürer gegenüber Lucas Cranach den Kürzeren gezogen, und ob auf Dürers berühmtem Werk „Die Vier Apostel“ wirklich einer der Evangelisten Philipp Melanchthon gleicht, ist umstritten. Gleichwohl war der Humanist Dürer von dem Humanisten Melanchthon fasziniert, hatte die Eröffnung des ersten Gymnasiums in Nürnberg durch eben jenen Philipp Melanchthon miterlebt und ein Porträt des Luther-Vertrauten gezeichnet.

Doch wie viele der Humanisten war Dürer auch skeptisch gegenüber den reformatorischen Umwälzungen und womöglich ebenso enttäuscht wie sein Nürnberger Freund Willibald Pirckheimer, der 1530 feststellte: „Die römische Büberei sollte gebessert werden, aber die Sache ist noch ärger geworden.“

Ob Dürer das auch so gesehen hat, ist unklar. Bereits 1528 war er verstorben und damit nur kurz Zeitzeuge der reformatorischen Vorgänge, die seine Heimatstadt bewegten. 1525 hatte der Nürnberger Stadtrat einmütig den Übertritt zum Luthertum beschlossen. Der Bischof von Bamberg war den Patrizierfamilien schon lange ein Dorn im Auge, die Reformation bot nun die Gelegenheit, dessen Einfluss zurückzudrängen.

Fortan entschieden die Nürnberger selbst, wer bei ihnen predigen sollte. Sämtliche Klöster wurden geschlossen und das Abendmahl in beiderlei Gestalt ausgegeben. Fast 300 Jahre lang sollte kein Katholik das Nürnberger Bürgerrecht bekommen, erst mit dem Ende des Heiligen Römischen Reiches würden wieder Andersgläubige in die Stadt an der Pegnitz kommen.

Die Hauptkirchen Nürnbergs sind bis heute evangelisch. Wie zwei Geschwister ragen die Lorenzkirche und St. Sebald aus der Dächerlandschaft der Altstadt heraus. In der Lorenzkirche wird am 1. Juli 2017 das große bayerische Reformationsfest gefeiert, die Frankenmetropole ist bis heute das reformatorische Aushängeschild des Freistaates Bayern.

„Dabei leben in Nürnberg heute fast so viele Katholiken wie Protestanten“, sagt Christian Düfel, Reformationskoordinator der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Bayern. Auch er hat seinen Amtssitz in Nürnberg, einer Stadt, die bis in die Gegenwart ein ausgesprochen evangelisches Selbstverständnis besitzt.

1530 war Nürnberg neben Reutlingen (siehe Seite 7) die einzige Reichsstadt, die das Augsburger Bekenntnis unterschrieb. Bereits 1516 hatte ein Prediger namens Johannes von Staupitz über einen gütigen Gott gepredigt, der keine frommen Leistungen fordert. Das war ganz im Sinne Luthers, der 1518 auf dem Weg zu Kardinal Cajetan in Augsburg zweimal in Nürnberg Station machte und dabei wohl auch mit Staupitz in Kontakt kam.

Eine Gedenktafel am Parkhaus auf dem Hauptmarkt erinnert an die Luther-Besuche. Es ist der Ort, an dem einstmals das Augustinerkloster stand, jener Orden, dem der Reformator anfangs angehörte. Mit Argusaugen blickten die Akteure im Heiligen Römischen Reich darauf, wie sich Nürnberg positionieren würde.

Das große reiche Handelszentrum, neben Köln die größte Stadt auf deutschem Boden, wem würde sie folgen? Nürnberg ließ keinen Zweifel, wofür es sich entschieden hatte, und versuchte doch alles zu tun, um den katholischen Kaiser nicht zu verärgern.

Der war bis zur Reformation Dauergast in Nürnberg, hielt den ersten und viele weitere Reichstage dort ab und blickte mit besonderem Argwohn auf die Stadt, die symbolträchtig auch seine Reichskleinodien beherbergte: Zepter, Krone, Apfel und Schwert.

Umso wütender war Karl V., als er erfuhr, dass seine Schwester 1524 in Nürnberg das Abendmahl in beiderlei Gestalt empfangen hatte. Da nützte es auch nicht viel, dass der Nürnberger Rat „in weltlichen Dingen“ seine Kaisertreue versicherte. Karl V. und seine Nachfolger würden nach der Wende nur noch sporadisch Hof in Nürnberg halten, wo nach 1525 auch die alljährliche Huldigung der Reichskleinodien ausfiel.

Diplomatisches Geschick bewahrte Nürnberg dennoch davor, in kriegerische Auseinandersetzungen mit dem Kaiser verwickelt zu werden. Dem protestantischen Schmalkadischen Bund war man erst gar nicht beigetreten. Und beim Bildersturm übten die Stadtväter größte Zurückhaltung: Viele der Kunstschätze blieben an Ort und Stelle oder wurden einfach zugehängt.

2015 war ein zentrales Jahr im Nürnberger Reformationsgedenken: Denn das Thema „Bild und Bibel“ passte besonders gut zur historischen Rolle als Handels- und Medienstadt. Über 20 Druckereien gab es hier, Nürnberg war neben Straßburg der wichtigste Herstellungsort für Druckerzeugnisse im süddeutschen Raum. Einer der besonders viel zu diesen Schriften beigesteuert hat, war der Schuhmacher-Poet Hans Sachs: Zu seinen vielen Werken gehört auch ein Gedicht mit dem Titel „Wittenbergisch Nachtigall“, in dem er Luther in den höchsten Tönen lobt.

2017 wird es in Nürnberg mehrere Ausstellungen zur Reformation geben: Eine davon ist auch dem Zeitgenossen Albrecht Dürer gewidmet – selbst wenn auch sie wohl die Frage nicht abschließend klären kann, ob er nun protestantisch war oder nicht.





Information

Ausstellungen: „Neuer Geist und neuer Glaube: Albrecht Dürer als Zeitzeuge der Reformation“ vom 30. Juni bis 4. Oktober im Dürerhaus in Nürnberg (www.museen.nuernberg.de). „Luther, Columbus und die Folgen“ vom 13. Juli bis 12.November im Germanischen Nationalmuseum (www.gnm.de).

Reformations-Führungen: 14-tägig jeweils samstags um 11 Uhr ab Klarakirche mit den „Stadtführern“. Die nächsten Termine: 10. Juni, 24. Juni, 8. Juli, 22. Juli (www.nuernberg-tours.de). Ebenfalls zweimal monatlich mit „Geschichte für alle“ (Sonntag, 14 Uhr, Sebalduskirche). Nächste Termine: 25. Juni, 9. Juli, 23. Juli.

(www.geschichte-fuer-alle.de)

Über die Reformation in Bayern informiert die Internetseite: www.­luther2017-bayern.de

Allgemeine Auskunft: Congress- und Tourismuszentrale Nürnberg, Telefon 0911-23360, Internet www.­tourismus.nuernberg.de


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