Christliche Themen für jede Altersgruppe

Mal ohne Handy auskommen

OSTFILDERN-RUIT (Dekanat Bernhausen) – Eine Woche lang leben Teenager im Gemeindehaus. Sie hören geistliche Impulse und Bibelarbeiten und gehen ansonsten ihren Alltagsterminen nach, beispielsweise zur Schule. Auch der Spaß kommt dabei nicht zu kurz.

Zwischendurch eine Runde Fußball im Hof tut gut. (Foto: Gemeindeblatt)

Es ist kurz vor sieben an diesem Donnerstagabend vor Pfingsten. Im Gemeindehaus ist scheinbar Ruhe. Jedenfalls sitzen im Saal oben, der zum Speisesaal umfunktioniert wurde, zehn Jungs an einer großen Tafel und reden nur wenig. Manche bedienen eifrig ihr Handy. In der Stunde vor dem Abendessen ist die Handynutzung erlaubt, ansonsten gilt ein Verbot bei der „Woche gemeinsamen Lebens“, einer Wohngemeinschaft für Jugendliche, die eine Woche lang im Gemeindehaus zusammen leben.

Die Mädchen sind gerade unterwegs; sie hören einen Vortrag zum Thema Evolution und Schöpfung. Doch unten in der Küche läuft alles auf Hochtouren. Einige Pizzen sind bereits im Ofen, andere werden gerade belegt, der Salat ist schon geputzt, wird aber noch angemacht. Daniela Hirschmüller hat alle Hände voll zu tun. Schließlich bereitet sie das Abendessen vor für knapp 30 Leute.

Inzwischen sind auch die Mädels wieder zurück vom Vortrag. Fleißige Helfer haben im Flur das Buffet aufgebaut. Der Raum brummt vom Stimmengewirr. „Okay, setzt euch mal alle hin, dann sehen wir, ob die Stühle reichen“, sagt Hirschmüller. Als alle sitzen, spricht sie ein kurzes Gebet und legt die Reihenfolge fest, in der die einzelnen Tische zum Buffet dürfen. Die Vegetarier zuerst – worauf einige Jungs witzeln, sie seien ja auch Vegetarier. Na logisch. Es geht fröhlich zu an den Tischen. Die 13- bis 16-Jährigen haben sich viel zu erzählen, obwohl sie seit Sonntag ihr Zimmer zu Hause mit einer Gemeinschaftsunterkunft im Gemeindehaus vertauscht haben und sich jeden Tag sehen.

Kaum sind die Pizzen und der Salat gegessen, der Obstsalat leer, sind die Jugendlichen auch schon wieder weg. Sie genießen die freie Zeit bis zur Bibelarbeit. Ein paar Jungs spielen Fußball im Hof, die anderen verkrümeln sich irgendwo. Und dann gibt es natürlich noch ein Helferteam, das das Abräumen erledigt. Gespült wird später. Nach der Bibelarbeit.

Die 25 Teilnehmer der „Woche gemeinsamen Lebens“ sind auf vier Zimmer verteilt. Im Untergeschoss des Gemeindehauses haben sie ihre Matrazenlager aufgeschlagen. Kunterbunt sieht es dort aus. Geduscht wird in einem Zelt im Hof. Ein Sanitärinstallateur hat dort extra eine richtige Duschwanne mit Kalt- und Warmwasser installiert. Um Wartezeiten zu vermeiden, gibt es einen Duschplan.

Die große Wohngemeinschaft auf Zeit ist nicht allzu streng, hat aber ein paar Regeln. Frühstück zum Beispiel ist um 6.30 Uhr: Die Zeit richtet sich danach, wann der erste zur Schule oder zur Arbeit gehen muss. Frühstückshelfer haben um 6.10 Uhr „Dienstbeginn“. In den Tag startet die Gruppe mit einem Impuls zur Tageslosung.

Mindestens vier Mitarbeiter sind ständig im Gemeindehaus, in jedem der Zimmer übernachtet einer mit. Wie bei einer Freizeit. Nur, dass jeder seinen Alltag lebt, aber für die Woche nicht zu Hause wohnt.

Es gibt, wie bei einer Freizeit, neben Küchenhelfern auch Spül- und Putzdienste. Jeder muss mal ran. Und das Handy sowie das Internet sind weitestgehend verbannt: Es gibt einen Computer mit Internetanschluss. Der kann nur bei wichtigen Verpflichtungen genutzt werden, wie etwa Schulaufgaben, für die man das Internet braucht.

Ein Raum im Gemeindehaus ist das Lernzimmer, dort ist Stille. Für Hausaufgaben und das Lernen. Es gibt eine Stunde „Handy-Zeit“, immer von 18 bis 19 Uhr. Ansonsten sollen die Jugendlichen gemeinsam etwas unternehmen. Das ist vor allem für die Jungs schwer, hat Jugendreferent Tobias Schaller beobachtet. Wird diese Regel immer eingehalten? „Es kann vorkommen, dass man im Zimmer vorbeischaut und die Jugendlichen doch das Handy nutzen. Aber dann sagt man, was und gut ist.“

Auch, wenn das mit dem Handy schwer fällt: Die Jugendlichen sind sich einig, dass die große Wohngemeinschaft im Gemeindehaus eine tolle Sache ist. Tim-Noah (14) etwa findet das Projekt „voll cool“. Vor allem die Andachten, das Singen und das gemeinsame Fußballspiel. Die 14-jährige Damaris genießt vor allem das Zusammensein mit den Freundinnen, die Spiele und die Gemeinschaft.

Und auch hier gibt es Unterschiede zwischen den Mädchen und den Jungs, weiß Daniela Hirschmüller:  „Die Mädels beschäftigen sich gut allein und spielen was, die Jungs verschwinden einfach auf ihr Zimmer“, sagt die Studentin, die selbst einmal Jugendreferentin werden will. Doch heute hätten sie Baseball gespielt.

Es ist mittlerweile 20 Uhr; die Jugendlichen sitzen auf Sesseln, die zu einem großen Sofa zusammen gestellt wurden. Zeit für die Bibelarbeit. „Wer hat einen Liedwunsch?“, will Daniela Hirschmüller wissen. Ganz verschiedene Nummern werden in die Runde hinein gerufen. Drei Lieder sind es, die sie singen. Dann startet Daniel Seibold mit dem Thema des Abends. Er ist extra dafür gekommen, unterhält sich im Anschluss noch mit einigen Jugendlichen und übernachtet dann wieder zu Hause. bei seiner Frau und den vier kleinen Kindern.

Heute einigt sich die Gruppe darauf, den Tagesabschluss direkt nach der Bibelarbeit zu machen. „Gott ist gegenwärtig“ singen sie zur Gitarrenbegleitung, sie beten gemeinsam, erst frei, dann Luthers Abendsegen. Und schon sind sie wieder in die unterschiedlichsten Ecken des Hauses entschwunden. Aus der Küche ist die Melodie eines modernen Anbetungsliedes zu hören – die Mädels, die heute Abend Spüldienst machen, singen mit. Bald kehrt die Nachtruhe im Gemeindehaus ein. Und zum Abschluss der Woche gemeinsamen Lebens fahren sie nach Aidlingen zum Pfingstjugendtreffen.



 

 

 

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