Christliche Themen für jede Altersgruppe

Martin Luther Superstar

Ein Jahr lang wird von jetzt an das Reformationsgedenken 2017 mit Feiern, Symposien, Ausstellungen und Konzerten vorbereitet. Der Auftakt findet am 31. Oktober 2016 in Berlin statt. Warum ausgerechnet das Datum 31. Oktober 1517 als der Beginn der Reformation angesehen wird, hängt mit Luthers Thesenanschlag zusammen. Vorausgegangen waren exzessive Ablasskampagnen.

Der Ablass war dem Wittenberger Theologieprofessor Martin Luther schon seit langem ein Dorn im Auge. Ablässe gab es zwar schon seit dem 11. Jahrhundert, doch die Ablass-Verkäufer wurden immer dreister. Nach der Lehre der Kirche konnte man sich die Zeit im Fegefeuer verkürzen, wenn man einen Ablassbrief erworben hatte. Die Sünde selbst war damit noch nicht erlassen, sie konnte nur durch die Absolution des Priesters getilgt und keinesfalls erkauft werden. Der Theologe Walther von Loewenich bezeichnet den Ablassbrief als eine Art Scheck, der im Notfall eingelöst werden kann.

Doch für die Bischöfe und Kardinäle wird der Ablasshandel mit der Zeit zu einer sprudelnden Einnahmequelle. Zuerst nutzt der Papst die Ablässe, um den Bau des Petersdoms in Rom zu finanzieren.

Dann braucht Albrecht von Brandenburg, Erzbischof von Magdeburg und Mainz, dringend Geld. Er hatte Bestechungsgelder an den Papst bezahlt, weil er noch mehr Titel für sich wollte, aber als Erzbischof von Magdeburg (und anderer Titel) nicht noch Erzbischof von und Kurfürst zu Mainz hätte werden dürfen. Mehr als ein Bischofs­amt war damals eigentlich verboten.

Um seine Schulden abzuzahlen, stellt Albrecht einen begabten Ablassprediger ein: den Dominikanerpater Johann Tetzel. Er ist ein ausgezeichneter Verkäufer, wirbt in Kirchen und auf Märkten auch dafür, dass Kinder mit ihrem Ablass ihren toten Eltern die Zeit im Fegefeuer verkürzen könnten.

In Wittenberg darf Tetzel nicht auftreten. Nicht um der Moral willen, sondern der sächsische Kurfürst Friedrich der Weise will, dass das Geld seiner Untertanen im Land bleibt.

Martin Luther wird jedoch bald mit den Ablassbriefen konfrontiert. Die Wittenberger kaufen sich die Briefe bei Tetzel und verlangen nun von Pfarrer Luther die Absolution. Dazu gehört nach Luthers Auffassung jedoch nicht nur die Quittung, einen Ablass gekauft zu haben, sondern in erster Linie auch Reue – und die zeigen die Frauen und Männer nicht. Als Martin Luther dann noch in einem Buch liest, dass mit dem Ablass auch die Vergebung der Sünden erkauft werden kann und nicht nur die Zeiten im Fegefeuer verkürzt werden, greift er ein.

Er schreibt zunächst ein kurzes „Traktat über die Ablässe“ und beschreibt dann in seinen berühmt gewordenen 95 Thesen, was Buße eigentlich ist. Nur wer wahre Reue zeigt, dem wird seine Sünde vergeben. Ein Ablass ist eigentlich überflüssig. Luther ist der Überzeugung: „Durch den Ablass wird der Mensch nicht mit Gott versöhnt.“ Überhaupt seien Almosen geben und Nächstenliebe üben besser als jeder Ablass. Im übrigen lässt sich die Buße nach Luther nicht an einer Äußerlichkeit festmachen. Sie ist vielmehr eine Lebensgrundhaltung. Programmatisch ist deshalb die erste These: „Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht ‚Tut Buße‘ usw. (Matthäus 4,17), hat er gewollt, daß das ganze Leben der Gläubigen Buße sein soll.“

Luther ist anfangs sogar noch davon überzeugt, dass die Kurie in Rom von den Missbräuchen keine Ahnung hat. Das belegt These 51: „Der Papst wäre ... bereit – wenn nötig die Peterskirche zu verkaufen, um von seinem Gelde einem großen Teil jener zu geben, denen gewisse Ablassprediger das Geld aus der Tasche holen.“

Seine Thesen will der Wittenberger Theologieprofessor mit seinen Professoren-Kollegen diskutieren. Deshalb hat er mit wuchtigen Hammerschlägen seine Thesen am 31. Oktober an die Wittenberger Schlosskirchentür geschlagen. Zumindest die Legende vermittelt uns dieses Bild seit Jahrhunderten.

Der 31. Oktober ist ein günstiger Zeitpunkt für eine Verbreitung der Thesen, denn am 1. November, dem Allerheiligenfest, kommen viele Menschen nach Wittenberg, um die Reliquiensammlung des Kurfürsten zu bestaunen. Auch dafür gibt es einen eigenen Ablass. Dieser ganz besondere Ablass kommt vom Papst persönlich. An Allerheiligen in Wittenberg kommen für die Besucher der Reliquienausstellung stattliche zwei Millionen Jahre erspartes Fegefeuer zusammen.

Dass Luther die Thesen selber angeschlagen hat, gilt heute als unwahrscheinlich. Die Schlosskirchentür war damals das Schwarze Brett der Universität. Es war üblich, dass Professoren mit solchen Thesen zur Diskussion aufforderten. Doch dann hat sie etwa der Hausmeister der Universität angeheftet  und keinesfalls Luther selber.

Vermutlich ist das Thesenpapier auch nicht angeschlagen worden (und schon gar nicht mit provokanten wuchtigen Hammerschlägen), sondern wurde angeklebt – mit Leim oder gar mit Honig (das ist die neueste Theorie).

Ausgerechnet ein katholischer Theologe, der Lutherforscher Erwin Iserloh, hat an dem markanten Bild vom „Mönch mit dem Hammer“ gerüttelt. Iserlohs Begründung: Luther selber hat den Thesenanschlag nie erwähnt, erst Melanchthon in seiner Luther-Biografie nach Luthers Tod. Doch Melanchthon ist in diesem Punkt kein zuverlässiger Zeuge. Er kam erst ein dreiviertel Jahr nach dem vermeintlichen Thesenanschlag in Wittenberg an.

Erstmals erwähnt Luthers Sekretär Georg Rörer den Thesenanschlag. Aber er schreibt damals ganz allgemein von „Türen der Wittenberger Kirchen“. Es muss also nicht die Schlosskirche (allein) gewesen sein. Das wäre eigentlich ein guter Beleg dafür, dass der Thesenanschlag stattgefunden hat. Mit einer Einschränkung: Diese Notiz von Rörer ist erst 2006 aufgetaucht.

Fest steht jedenfalls, dass Luther seine Thesen an verschiedene Bischöfe sowie an Theologen und Freunde schickte, auch an Albrecht von Mainz. Ihn hat er aufgefordert, gegen die Ablasskommissare vorzugehen und „den Ablasspedigern eine andere Predigtweise vorzuschreiben“. Luther war übrigens fest davon überzeugt, dass Albrecht nichts vom Missbrauch der Ablässe wusste.

Gegen den Ablass hat Luther gute Argumente. In seinem Brief an Albrecht präsentiert Luther Jesus Christus selber als Zeugen: „Christus hat nämlich niemals geboten, die Ablässe zu predigen, aber das Evangelium hat er mit allem Nachdruck zu predigen geboten.“

Ursprünglich war die Thesentür an der Schlosskirche aus Holz. Doch 1760 ist die Kirche ausgebrannt. Zehn Jahre später wurde die Kirche wieder aufgebaut. Damit die Thesentür auch wirklich auffällt, stiftete König Friedrich Wilhelm IV. 1858 bronzene Türflügel. Sie wurden jetzt rechtzeitig zum Festjahr gereinigt und poliert. Über der Tür sieht man Luther (rechts) mit der deutschen Bibel und Melanchthon mit der Augsburger Konfession; der Hintergrund zeigt Wittenberg.

Für Martin Luther selber waren die 95 Thesen keinesfalls die theologische Posaune, die die Mauern des Papsttums zum Einsturz brachten, schreibt der Historiker Heinz Schilling in seiner Luther-Biografie. In der Tat waren die nach 1517 erschienenen Schriften Luthers theologisch brisanter, auch präziser als die 95 Thesen und natürlich auch gereifter. Dennoch ist für Schilling klar, dass „diese theologische Radikalisierung bereits in Luthers Auftreten gegen den Ablass angelegt“ ist. Die Thesen waren somit der erste Dominostein, der – einmal angetippt – alle anderen Steine zum Umfallen bringen sollte. Deshalb wird der 31. Oktober zu Recht als der Beginn der Reformation bezeichnet.   

Stationen auf dem Weg zum Reformationsjubiläum 2017

30. Oktober 2016: In Eisenach wird die Neubearbeitung der Lutherbibel in einem Gottesdienst eingeführt.

31. Oktober 2016: Auftakt der Feierlichkeiten zum Reformationsjubiläum 2017 in der Marienkirche am Berliner Alexanderplatz.

31. Oktober 2016: Der Lutherische Weltbund erwartet zum ökumenischen Reformationsgedenken in Lund (Schweden) unter anderem Papst Franziskus.

3. November 2016 bis 20. Mai 2017: Der Europäische Stationenweg startet mit „Geschichten auf Reisen“ in Genf und tourt im Anschluss durch 68 Städte in 19 europäischen Ländern. Ziel ist Wittenberg.

11. März 2017: Protestanten und Katholiken feiern in Hildesheim einen ökumenischen Versöhnungsgottesdienst.

10. bis 16. Mai 2017: 12. Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes in Windhoek (Namibia).

20. Mai bis 10. September 2017: Weltausstellung Reformation mit dem Titel „Tore der Freiheit“ in Wittenberg.

24. bis 28. Mai 2017: 36. Deutscher Evangelischer Kirchentag in Berlin und Wittenberg; Abschlussgottesdienst auf den Elbwiesen (Wittenberg). Parallel zum Kirchentag gibt es sechs dezentrale Kirchentage in Leipzig, Magdeburg, Erfurt, Jena/Weimar, Dessau-Roßlau, Halle/Eisleben.

1. Juni bis 10. September 2017: Elf einwöchige Konfirmanden- und Jugend-Camps in Wittenberg mit insgesamt 16.500 Jugendlichen aus ganz Deutschland.

27. Juni bis 7. Juli 2017: In Leipzig treffen sich Spitzenvertreter der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen, einem Zusammenschluss reformierter Kirchen mit mehr als 80 Millionen Mitgliedern.

27. Juli bis 5. August 2017: Bundeslager des Verbandes Christlicher Pfadfinder und Internationales Jugendcamp der Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Jugend in Wittenberg.

31. Oktober 2017: Zum 500. Jubiläum des Beginns der Reformation wird der 31. Oktober einmalig ein gesamtdeutscher gesetzlicher Feiertag sein.

Informationen auch im Internet: www.r2017.org

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THEMA - Die Bergpredigt

Ausgabe 3/2017

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