Christliche Themen für jede Altersgruppe

Mit der Orgel aufgewachsen

SCHWIEBERDINGEN (Dekanat Ditzingen) – Die Orgel in der Schwieberdinger Georgskirche lässt Paul Pflugfelders Herz auch nach mehr als 60 Jahren noch höher schlagen. 1953 schon war er bei der Renovierung dabei, weitere folgten. Jetzt wurde die Orgel erneut renoviert und erweitert. 

Paul Pflugfelder ist an der Orgel glücklich.  (Foto: Gemeindeblatt)


Wenn Paul Pflugfelder auf die Orgelbank sitzt und seine Beine elegant darüber schwingt, um sich an Tasten und Register zu setzen, dann ist der 79-Jährige in seinem Element. „Hören Sie mal, wie schön die Orgel klingt“, schwärmt er, zieht mehrere Register, und schon ertönt in der Georgskirche ein satter, lauter Klang. Und dann wieder, mit anderen Registern, ist die Walcker-Orgel ganz leise. Paul Pflugfelder ist auch heute noch, nach mehr als 60 Jahren als Organist, begeistert von der Vielfalt „seines“ Instrumentes.

Pflugfelder und die Orgel in der Georgskirche gehören ohnehin zusammen wie das sprichwörtliche Amen in der Kirche. Schon 1953 hat Pflugfelder bei der seinerzeitigen Renovierung mitgemacht. Damals galt es, den Holzwurm zu bekämpfen. Zudem bekam das gute Stück, das ursprünglich in der Garnisonskirche in Ludwigsburg stand, drei neue Register. Und Pflugfelder begann selbst mit dem Orgelspiel – und ist bis heute dabei geblieben.

Zwar spielt er auch manches Mal auf einer elektrischen Orgel, wie sie beispielsweise in der Aussegnungshalle steht. Doch das, findet er, ist einfach nicht dasselbe: „Der Ton bei einer elektrischen Orgel ist sehr viel steriler als bei einer mechanischen.“ Und so schwärmt Pflugfelder von der leicht ungleichstufigen Temperierung der Orgel, die 1782 vom später so berühmten Ludwigsburger Orgelbauer Johann Eberhard Walcker als Erstlingswerk gebaut wurde.

1965 und 1986 gab es weitere Orgelrenovierungen und Erweiterungen in Schwieberdingen, ein zweites Manual, der Zungenklang, neue Pfeifen: Vieles kam hinzu oder wurde erneuert – wie beispielsweise Spieltisch, Mechanik und Windladen. Bei der jüngsten Renovierung und Erweiterung kamen noch mehr Register hinzu und viele weitere Finessen, die das Organistenherz höher schlagen lassen. Für Paul Pflugfelder hat sich die Orgel mit jedem Umbau weiter verbessert: „Die Möglichkeiten dessen, wie man musizieren kann, haben sich jedes Mal vervielfältigt.“ Während er das so sagt, strahlt er über das ganze Gesicht, die blauen Augen leuchten.

Da findet man es als Gesprächspartner schon ein wenig traurig, dass Pflugfelder seit 2009 ein Glied am rechten Zeigefinger fehlt. Er hatte sich so verletzt, dass es amputiert werden musste. Er selbst nimmt das gar nicht so schwer: „Ich habe einfach die Griffe umgelernt“, sagt er, und dabei spielt ein feines Lächeln um seinen Mund. Sicher, „die schnellen Sachen gehen nicht mehr“, gibt Pflugfelder zu. Aber er konzentriert sich lieber darauf, was noch geht. Und das ist einiges. Und so greift er beherzt in die Tasten, bedient Pedale, zieht Register, gibt ein spontanes Privatkonzert.

Die Schwieberdinger mussten für ihre jüngste Orgelausreinigung, -erweiterung und Renovierung 34?000 Euro an Eigenmitteln aufbringen. Um Spenden zu sammeln, haben sie sich einiges einfallen lassen. So gab und gibt es Orgelführungen. Sie haben Werbung gemacht, natürlich im Gemeindebrief und im Mitteilungsblatt der politischen Gemeinde. Außerdem wurden Flyer verteilt an die Haushalte. Und sie haben Orgelpfeifen versteigert. Mit Erfolg: Bislang sind mehr als 31?000 Euro eingegangen. „Es haben viele Menschen gespendet, die beim normalen Gemeindebeitrag nichts geben“, weiß Waltraud Drühe, die zweite Vorsitzende des Kirchengemeinderats. In der Kirche steht seit Juli eine Holz-Orgelpfeife, die zur Spardose umgebaut wurde. „Da ist eigentlich immer was drin – von 20 bis 600 Euro haben wir alles schon gehabt“, sagt Drühe.

Außerdem hat sie einen „Orgelarbeitskreis“ gegründet, der sich unter anderem um die Renovierung kümmert. Auch Paul Pflugfelder ist Mitglied, zusammen mit zwei jungen Organisten und einem Kirchengemeinderat.

Pflugfelder ist schon immer gerne in die Georgskirche zum Üben gekommen. „Die Kirche ist meine zweite Heimat“, sagt er. Wohl fühlt er sich hier immer noch. Und ganz besonders an „seiner“ neuen alten Orgel.

Evangelisches Gemeindeblatt

Aktuelle Ausgabe 49/2017

THEMA - Angst überwinden

Ausgabe 4/2017

Luthers-Familienzeit

Jetzt Online-Magazin testen.

Meinungsumfrage

Meinungsumfrage

Werden Sie im neuen Jahr einen guten Vorsatz umsetzen?
Ja.
Nein.
Ich bin unentschieden.