Christliche Themen für jede Altersgruppe

Musikliebhaber und Tierfreund

Er gründete 1837 in Stuttgart den ersten Tierschutzverein Deutschlands. Als Liedermacher steht er heute noch im Gesangbuch. Vor 150 Jahren, am 15. Juni 1864, starb in Stuttgart der vielseitig begabte Pfarrer Albert Knapp. Sein Grab befindet sich auf dem Fangelsbachfriedhof


Pfarrer Albert Knapp liebte Musik und Dichtung. Er arbeitete maßgeblich mit an einem neuen Gesangbuch. Und er setze sich für den Tierschutz ein.

Albert Knapp war ein Altersgenosse und Studienfreund von Ludwig Hofacker (1798–1828). Er wurde am 25. Juli 1798 in Tübingen geboren, sein Vater wurde als Beamter jedoch alsbald nach Alpirsbach versetzt, das Knapp in seinen Erinnerungen als seine Kinderheimat beschrieben hat. Knapp besuchte das Seminar Maulbronn und studierte 1816–1820 Theologie als Stiftler in Tübingen. Er war romantisch veranlagt und liebte Musik und Dichtung.

Als Vikar in Feuerbach und Gaisburg bei Stuttgart kam er in Kontakt mit dem örtlichen Pietismus. Währenddessen besuchte er häufig den kranken Hofacker in Stuttgart. Unter diesen Einflüssen bekehrte sich Knapp und verbrannte seine bisherigen Gedichte, die ihm jetzt als zu weltlich erschienen. Danach wurde er 1825 Pfarrer in Sulz am Neckar, 1831 in Kirchheim unter Teck. Die Versetzung nach Kirchheim war auf Wunsch der im dortigen Schloss lebenden frommen Herzogin Henriette von Württemberg (1780–1857) erfolgt, der Schwiegermutter König Wilhelms I. von Württemberg. 1836 wurde Knapp an die Stuttgarter Hospitalkirche versetzt, 1837 kam er an die Leonhardskirche, 1846 an die Stiftskirche.

Eine Aufgabe, die sich Knapp gestellt hatte, war, der von ihm und anderen empfundenen „Gesangbuchsnot“ abzuhelfen, das heißt, ein den Bedürfnissen der pietistischen Erweckungsbewegung entsprechendes Gesangbuch zu schaffen. Knapp sichtete hierfür das evangelische Liedgut und veröffentlichte aus rund 80 000 von ihm gesammelten Liedern eine 1837 erstmals erschienene, 3590 Lieder umfassende Sammlung „Evangelischer Liederschatz für Kirche, Schule und Haus“. Damit hatte er eine wichtige Vorarbeit für ein neues Gesangbuch geleistet.

Wegen seiner hymnologischen Kenntnisse und seiner dichterischen Begabung spielte er bei der Erarbeitung eines neuen Gesangbuchs eine maßgebende Rolle. Die Kommission, der neben Albert Knapp auch Gustav Schwab angehörte, erarbeitete aus zahlreichen Gutachten einen Entwurf. Das neue Gesangbuch erschien 1842.

Knapps Verdienst bei diesem Gesangbuch besteht vor allem darin, daß er – im Gegensatz zu dem vorhergegangenen Gesangbuch – das ältere Liedgut wieder zur Geltung gebracht hat. Allerdings nahm er bei manchen Kirchenliedern Nachbesserungen vor und fügte teilweise auch neue Verse ein.

Knapp dichtete nach seiner Bekehrung ausschließlich in einem christlichen Horizont.  Deshalb ließ er eigene Gedichtsammlungen erscheinen, wie Christliche Gedichte, 1829, zuletzt Herbstblüten, 1859. Insgesamt hat Knapp etwa 1200 Lieder und Gedichte verfasst. Seit 1832 war er für 20 Jahrgänge Herausgeber der Christoterpe, eines christlichen Jahrbuchs, wofür er Theologen und Literaten als Mitarbeiter heranzog. Knapp wollte damit ein Organ für christliche Kultur schaffen, die er als Gegenposition zum weltlichen Kulturbetrieb verstand.

Zusammen mit seinem Pfarrerskollegen Christian Adam Dann (1758–1837) setzte er sich in Schriften für die Tiere, die Mitgeschöpfe des Menschen ein. Dann ließ er 1822 anonym eine Schrift erscheinen mit dem Titel „Bitte der armen Thiere, der unvernünftigen Geschöpfe, an ihre vernünftigen Mitgeschöpfe und Herrn die Menschen“: Er hatte das auf dem Mössinger Kirchendach nistende Storchenpaar erschossen aufgefunden und war darüber so entsetzt, dass er die Tiere als Mitgeschöpfe in Schutz nehmen wollte.

1833 gab Dann, nunmehr Pfarrer an der Stuttgarter Leonhardskirche, eine weitere Schrift heraus: „Nothgedrungener Aufruf an alle Menschen von Nachdenken und Gefühl, zu gemeinschaftlicher Beherzigung und Linderung der unsäglichen Leiden der in unserer Umgebung lebenden Thiere.“ Hierbei ging es vor allem um das Transportwesen der Zeit, das ausschließlich durch tierische Kraft betrieben wurde, um Tiertransporte zur Schlachtung und zahlreiche andere Beispiele. Dann plante noch eine dritte Schrift, wurde aber durch Krankheiten, denen er schließlich 1837 erlag, an der Ausführung gehindert. Albert Knapp, seit 1837 Pfarrer an der Leonhardskirche, übernahm dieses Vermächtnis Danns und wurde später auch die treibende Kraft bei der Gründung des Stuttgarter Tierschutzvereins.

Information

• "Du weißt allein die Friedenswege": Albert knapp - Pietist, Poet, Patriot. Gottesdienst zum 150. Todestag von Pfarrer Albert Knapp am 22. Juni, 10 Uhr, Leonhardskirche Stuttgart

• Spirituelle Kirchenführung: "Albert Knapp - Tierschützer, Poet, Biograph", 2. Juli, 19 bis 21 Uhr, Start: Hospitalhof Stuttgart

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