Christliche Themen für jede Altersgruppe

Offen sein für den Nachbarn

STUTTGART-ZUFFENHAUSEN – Schon zum vierten Mal kochen Muslime für den Kirchenschmaus in der Pauluskirche. Das gemeinsame Essen kommt bei allen gut an. Das Essen ist ein Ausdruck guter Nachbarschaft, aber in Zuffenhausen gibt es noch viel mehr an Integration.

Eine volle Kirche: Für den Kirchenschmaus haben muslimische Frauen gekocht. (Foto: factum)

Familien mit Kindern, ältere und alte Menschen, Frauen mit und ohne Kopftuch freuen sich auf ein türkisches Essen, und noch immer drängen neue Gäste durch die Kirchentür. Mucip Geyik führt die Küchenregie. Börek, Sarma, Cigköfte, Lahmacun, Bulgur, Baklava und andere traditionelle Gerichte haben die Frauen der Islamischen Gemeinde gekocht. „Wir sind Nachbarn, wenn wir gemeinsam essen und reden, lernen wir uns verstehen“, sagt Mucip Geyik. Das soziale Klima in Zuffenhausen sei gut, aber wer wirklich Nachbarschaft wolle, dürfe sich nicht abgrenzen, müsse offen sein, sagt einer der Vorsitzenden der Islamischen Gemeinde. Mucip Geyik ist gläubig, hat eine türkische Frau und „eine deutsche Tochter“, wie er lachend sagt. Denn die bekam den deutschen Pass schon bei ihrer Geburt. Jedes Jahr besucht er mit seinen christlichen Nachbarn eine Veranstaltung. „Wir waren zusammen in Berlin und im Gegenzug besuchen Konfirmanden gleichaltrige muslimische Jugendliche und sprechen über ihren Glauben.“

Immer noch tragen türkische Männer Schüsseln und Schalen mit Spezialitäten in die Nebenräume der Küche. Vor der Tür blinzelt ein älterer türkischer Herr in die Sonne. Später wird er sich wie andere türkische Männer eine grüne Schürze umbinden, wie sie das Helferteam der Paulusgemeinde trägt, und mit ihnen die Teller füllen.

Doch vorher gibt es Musik. Unter Leitung von Ulrike Fromm-Pfeiffer spielt ein Streichquartett der Musikschule mit Cemil Aydemir, der die Baglama zupft, neu arrangierte türkische Melodien. Das Tischgebet wird in zwei Sprachen gesprochen: arabisch und deutsch – dann heißt es: Guten Appetit –Afiyet olsun. Schon zum vierten Mal haben etwa 20 türkische Familien für das leibliche Wohl bei einem „Kirchenschmaus“ gesorgt. „Üblicherweise gibt es zum Kirchenschmaus, zu dem wir jeden zweiten Samstag im Monat einladen, schwäbische Gerichte“, sagt Helferin Gabriele Helmle. Aber auch den Speiseplan heute findet sie gut.

Mehmet Sefa ist zum erstenmal beim Helferteam der türkischen Männer. „Essen ist ein wichtiger Teil unserer Kultur“, sagt der 26-Jährige. Er wohnt in Zuffenhausen und findet es gut, dass in der Paulus-Gemeinde nachbarschaftliche Aktivitäten organisiert werden. „Die Extremisten sind laut geworden in unserer Gesellschaft, wir setzen durch die Gemeinsamkeiten unsere leise Stimme dagegen“, sagt Sefa. Er glaubt fest daran, dass viele leise Stimmen gehört werden.

„Im Jahre 2010 haben wir begonnen, aufeinander zuzugehen“, sagt Pfarrer Dieter Kümmel. 2012 seien Mitglieder der Paulus-Gemeinde und der Islamischen Gemeinde zusammen in Berlin gewesen. „Und jetzt träumen wir von einer gemeinsamen Reise nach Jerusalem“, sagt er – ein freudiges Raunen geht durch die Kirche. „Mein Wunsch ist, dass unsere gelebte Nachbarschaft Kreise zieht, denn es gibt keine Alternative zu solchen Treffen, wenn man friedlich leben will“, sagt Kümmel.

Evangelisches Gemeindeblatt

Aktuelle Ausgabe 47/2017

THEMA - Angst überwinden

Ausgabe 4/2017

Luthers-Familienzeit

Jetzt Online-Magazin testen.

Meinungsumfrage

Meinungsumfrage

Soll man an Weihnachten aufs Schenken verzichten?
Ja.
Nein
Ich bin unentschieden.