Christliche Themen für jede Altersgruppe

Prellbock, Planer, Prediger

SCHORNDORF – Er war fast 30 Jahre lang Mitglied der Landessynode, war in der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland und zuletzt Dekan in Schorndorf. Jetzt geht Volker Teich in den Ruhestand. Im ­Interview mit Nicole Marten hält er Rückschau und wirft einen Blick in die Zukunft – auch der Kirche. 


So ist Volker Teich vielen bekannt: als Redner vor der Landes­synode. (Foto: Klaus FrankeInfo)

Elf Jahre waren Sie Dekan in Schorndorf. Was waren Ihre größten Herausforderungen?

Volker Teich: Auf Gemeindeebene ist die Umsetzung des Pfarrplans eine Herausforderung. Wenn eine Gemeinde, die seit der Reformation einen Pfarrer hatte, jetzt keinen eigenen Pfarrer mehr haben soll, dann ist der Dekan an dieser Stelle ein Prellbock. „Auf Gemeindeebene war sicher die größte Herausforderung die Innenrenovierung der Schorndorfer Stadtkirche. Es war für mich ein ganz besonderes Erlebnis, wie die Schorndorfer Bürgerschaft sich hinter das Projekt stellte und die Stadtkirche als ihre Kirche sahen und dann fast zwei Millionen Euro spendeten. Auch die Stadt selbst beteiligte sich über die Maßen.

Welche Herausforderungen sehen Sie für die Zukunft der Kirche im Bezirk?

Volker Teich: Der demografische Wandel ist ein großes Thema. Wie schaffen wir es, dass wir 2030 fröhlich Gemeinde und Pfarrdienst leben können? Der Kirchenbezirk Schorndorf ist soweit, dass Kollegen und Gemeinden sich über die Schulter schauen lassen und Wege miteinander gehen. Aber wir sollten noch mehr tun: Wenn drei Gemeinden dicht nebeneinander liegen, sollten wir fragen, ob es sinnvoll ist, in jeder Gemeinde jeden Sonntag zur gleichen Zeit einen ähnlichen Gottesdienst zu feiern. Es wäre besser, Gottesdienst-Landschaften zu entwickeln. Beispielsweise einen Frühgottesdienst, einen Abendgottesdienst und einen um 11 Uhr, jeweils mit unterschiedlichem Programm. Wir können das derzeitige Gottesdienstprogramm nicht aufrecht erhalten, wenn wir bis 2030 acht weitere Stellen streichen müssen. Die Alternative könnte aber reizvoller sein, weil sie vielfältiger ist und breitere Bevölkerungsschichten erreichen kann.

Häufig verhalten sich Gemeinden ja eher abweisend...

Volker Teich: Junge Gemeindemitglieder, die in eine andere Stadt ziehen, machen oft folgende Erfahrung: Sie gehen in den Gottesdienst und keiner begrüßt sie, da ist niemand, der sie anspricht bei Gemeindemittagessen. Das ist ein Skandal. Wir brauchen eine Begrüßungskultur, die neue Leute mit hineinnimmt.

Das machen die Freikirchen besser...

Volker Teich: Der Kreis der Menschen, der sonntags zum Gottesdienst kommt, ist doch in der Landeskirche so überschaubar wie eine freikirchliche Gemeinde. Wir sollten uns also durch eine gesunde Konkurrenz zur Freikirche herausfordern lassen. Gottesdienst heißt Leben und Glauben teilen. Das kann auch in der Landeskirche verbindlich sein. Rein menschlich gesehen ist es zwar ganz natürlich, dass man auf Menschen zugeht, die man kennt. Man kann sich aber auch darin schulen, dass man auf Neue zugeht und Grüß Gott sagt.

Schaffen spezielle Begrüßungsaktionen Abhilfe?

Volker Teich: Begrüßungspakete für Neuzugezogene – das hatten wir in Tübingen. Dort hat der Besuchsdienst ganz gezielt neue Mitglieder besucht. Das war frustrierend, weil die Studenten kaum zu erreichen waren. In Schorndorf haben wir das Projekt „Ehrenamt fördern mit System“ durchgeführt. In der Konsequenz haben wir den Besuchsdienst neu entwickelt. Zum Beispiel machen wir jetzt auch Krankenbesuche.

In der Landessynode waren Sie Vorsitzender des Ausschusses „Evangelisch in Württemberg“, der sich auch um das Reformationsjubiläum gekümmert hat. 2017, wenn es dann soweit ist, sind Sie nicht mehr im Amt. Wie empfinden Sie das?

Volker Teich: Es ist schade, dass ich dann im Ruhestand bin. Aber wir haben im Kirchenbezirk einen Arbeitskreis, der viele Veranstaltungen auf den Weg bringt. Das Jugendwerk Schorndorf schreibt beispielsweise einen Kommentar zum Römerbrief mit Jugendlichen. Das finde ich mutig. Es entsteht außerdem ein buntes Programm, das wir als Kirchenbezirk in Form bringen. Nach den Sommerferien wird es veröffentlicht.

Welche Pläne haben Sie für Ihren Ruhestand?

Volker Teich: Ich werde einen Rollenwechsel vollziehen. Das heißt auch, dass wir umziehen in die Tübinger Gegend, nach Dusslingen. Ich freue mich sehr auf die Zeit, in der ich einfach als Volker Teich in der Gemeinde mitarbeiten kann und vielleicht ab und zu auf der Kanzel stehen darf. Ich freue mich auch darauf, mit meiner Frau zusammen den Ruhestand zu gestalten.

Info zum Gottesdienst mit Volker Teich am 24. Juli 2016

Volker Teich wird am 24. Juli mit einem Gottesdienst um 17 Uhr in der Schorndorfer Stadtkirche aus seinem Amt verabschiedet. Im Anschluss gibt es ein Fest der Begegnung.

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