Christliche Themen für jede Altersgruppe

Räuber für einen Guten Zweck

KORNTAL (Dekanat Ditzingen) – Butterbrotbande nennen sie sich. Was sich räuberisch anhört, ist es nicht: Die Jugendlichen bitten Käufer im Supermarkt, bestimmte Produkte zusätzlich zu kaufen. Die werden dann an Menschen verteilt, die sich manche Dinge einfach nicht leisten können.


Die Butterbrot-Bande bittet Menschen, für andere etwas mit einzukaufen und die Stadt verteilt die Produkte (Foto: Brigitte J)

Anna (16) findet, „dass es einerseits sehr sinnvoll ist, Bedürftigen zu helfen und andererseits wichtig, dass Menschen erfahren, dass es in unserem wirtschaftlich starken Korntal sozial schwache Familien gibt.“ Eine junge Frau möchte wissen, wie die Butterbrotbande funktioniert. Anna geht mit ihr wenige Schritte zu einer Pinnwand. An ihr heften viele Zettel, die Wünsche verraten: Kaffee, Putzmittel, Zahnbürsten, Milch, Dosenwurst, Schokolade, Mehl, Zucker und viele andere Waren des täglichen Bedarfs. Die junge Frau liest sich durch die Wünsche, entscheidet: „Ich kaufe den Kaffee“ und verschwindet im Supermarkt. Einige Zeit später kehrt sie zurück – beladen mit ihren Einkäufen und dem Kaffee. Der wird in einen Karton gelegt, in dem sich schon Obst und Gemüse, Chips, Butter, Shampoo, aber keine Zigaretten und Alkohol befinden. „Danke“, sagt Anna stellvertretend für die Menschen, die am gleichen Nachmittag mit dem Kaffee beschenkt werden – Rentner, Flüchtlinge, deutsche Familien mit geringem oder gar keinem Einkommen, insgesamt etwa 60 Haushalte. 

Ein Bote der Stadt bringt die Waren bei den Menschen vorbei. Etwa 50 Kinder und Jugendlichen waren beim 6. Einsatz der Butterbrotbande dabei. Über den Sozialdienst der Stadt Korntal-Münchingen werden etwa zwei Monate vor der Aktion bedürftige Menschen nach ihren Wünschen befragt. Anonym. Denn niemand soll beschämt werden. 

Träger der Aktion sind die evangelischen Kirchengemeinden in Korntal, Münchingen und Kallenberg, die katholische Kirche, die Brüdergemeinde sowie der Jugendgemeinderat der Kommune. Die Schirmherrschaft hat Bürgermeister Joachim Wolf. 

Samuel (18), Simeon (24) und Nils (16) sind an diesem Tag auch als Freiwillige da. Leuten zu helfen, denen es nicht gut geht, macht Nils Spaß. Er sagt es und nimmt im gleichen Moment eine Palette Milch entgegen. Von den 400 Wunschzetteln, die morgens um 10 Uhr auf der Pinnwand hingen, sind um 12 Uhr nur noch 80 „abzuarbeiten“. Pfarrerin Bärbel Dörrfuss-Wiedenroth ist überzeugt: „Das schaffen wir“. Sie bittet die Helfer, Kunden direkt anzusprechen. „Geht nicht in der Gruppe auf die Menschen zu, immer nur zu zweit, wir wollen niemanden erschrecken.“ Mädchen, so die Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Korntal, „tun sich schwerer mit dem Bitten“, hat sie beobachtet. 

„Warum kaufen Sie hier für völlig fremde Leute etwas ein ?“ – diese Frage der Berichterstatterin geht an einen Kunden. „Die Mädchen haben mich angesprochen, und jetzt suche ich etwas aus“, antwortet der jüngere Mann und flachst ein bisschen: „Ich sehe wohl so aus, dass ich was Gesünderes kaufen würde, aber ich bin Lehrer und weiss, dass man mit Cola Freude macht.“ Er lacht, geht und kommt wenig später mit einer Palette des „ungesunden“ Getränkes zurück. Die Stimmung ist prächtig am Stand der Butterbrotbande. Die einst leeren Kartons füllen sich, ja quellen über. Helfen macht eben „echt Spaß“, sagen Helfer und Kunden. 

Auf der Wunschliste, die die Haushalte im Vorfeld der Aktion bekommen haben und die sie ausgefüllt in den Briefkasten der Rathäuser in Korntal oder Münchingen werfen konnten, gibt es auch eine Rubrik „größere Anschaffungen“. Vermerkt ist jedoch, dass es „nur in Ausnahmefällen und über Spenden möglich sein wird“, diese Wünsche zu erfüllen. „Größere Windelpakete, Wäscheständer oder ein Fahrrad für die Kinder konnten wir schon ermöglichen“, sagt Regina Wiendahl. „Manche wundern sich, wenn Wünsche so frei geäußert werden, zum Beispiel wenn es um Haarfärbemittel oder eine teure Zeitschrift geht“, so die Gemeindereferentin der katholischen Kirchengemeinde. „Die Kunden sind sehr offen, ich hab noch nichts Abweisendes gehört“, sagt ein junger Helfer. In einem der vergangenen Jahre war dann doch einmal die spitze Frage zu hören, „ob denn auch deutsche Familien berücksichtigt“ würden, sagt Pfarrerin Bärbel Dörrfuss-Wiedenroth. Und eine Kundin sagt: „Eigentlich müsste diese Aktion jede Woche durchgeführt werden“ – doch dafür fehlt den Kirchengemeinden die Kapazität.

„Strohgäuladen“ heißt der Tafel-Laden im benachbarten Ditzingen. Dort können Familien und Einzelpersonen das ganze Jahr über mit einem Berechtigungsschein verbilligte Waren einkaufen. „Doch dort bleibt niemand anonym“, sagt Dörrfuss- Wiedenroth.

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