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Reparieren statt entsorgen

UMMENDORF (Dekanat Biberach) – Gegen die Wegwerfmentalität: Im Reparaturcafé versuchen sich Bastler und Experten an defekten Geräten, die sie in den meisten Fällen wieder zum Laufen bekommen. Davon profitiert auch das Kirchendach.


Zwei Drittel der Geräte waren noch reparierbarEva Herbst kürzt Hosen auf ihrer Nähmaschine, Michael Schmalz ist mit einem Lötkolben zugange. (Foto: Inge Veil-Köberle)

„Ich tue mich schwer, etwas wegzuwerfen“, lautet der häufigste Satz beim Reparaturcafé im Gemeindesaal der Versöhnungskirche Ummendorf. Kurz nach der Öffnung am Samstagmittag gibt es schon eine kleine Warteschlange am Empfangstisch. Wolfgang Horstmann ordnet die Reparaturwünsche den ehrenamtlichen Reparateuren zu. Fahrräder, Rasenmäher, Radiogeräte, ein Videorekorder, ein Staubsauger, ein Stabmixer, ein Plattenspieler, eine Nähmaschine, ein Heizlüfter, eine Kaffeemaschine, eine Kamera, ein Walkman – sie alle sollen wieder funktionstüchtig gemacht werden.

Fünf Stationen sind im Gemeindesaal aufgebaut. Eva Herbst hat ihre Nähmaschine dabei, um kleinere Näharbeiten zu erledigen. Im Außenbereich hilft Martin Haller eine Fahrradgangschaltung wieder einzustellen. Bernd Gendritzki ist pensionierter Meister der Radio- und Fernsehtechnik und nimmt gerade ein Radio aus den sechziger Jahren unter die Lupe. „Damit haben wir damals Party gemacht“, sagt der Besitzer. Dem Radio kann geholfen werden. Noch drei weitere Herren mit ihren Reparaturkoffern stehen im Gemeindesaal. Dazu gibt es Kaffee und Kuchen, gespendet von Gemeindemitgliedern.

Seit April gibt es das Reparaturcafé in Ummendorf. Die Idee hatte Kirchengemeinderat Michael Schmalz. „Wir werfen viel zu schnell alles weg, das ist ökologisch nicht gut. Manchmal ist es nur eine Kleinigkeit, die repariert werden muss, und es funktioniert wieder“, sagt er. „Zwei Drittel der Geräte konnten wir bei den bisherigen Terminen reparieren.“

Der Drucker von Landschaftsgärtner Armin Wohlgemuth, mit dem sich Schmalz an diesem Vormittag beschäftigt, kommt jedoch nicht mehr in Gang. Drucker werden besonders oft weggeworfen: Sie kosten im Verhältnis wenig, teuer sind nur die Druckpatronen. Michael Schmalz versucht den Druckkopf mit heißem Wasser zu reinigen – ohne Erfolg.

Wiederbelebt wurde heute dagegen schon eine Nähmaschine. Ein kleines Fadenstück hat sie blockiert, mit einer Pinzette plus Fingerspitzengefühl kann es entfernt werden. Die Besitzerin war erst etwas ungeduldig, weil sie warten musste – jetzt ist sie begeistert. Eva Herbst hat derweil an ihrer Maschine bereits drei Hosen nach Wunsch gekürzt.

Ming Breitenbach kennt Reparaturcafés als Großstadt-Phänomen. In Stuttgart seien dort viele junge Leute, die meist Fragen zum Computer haben. „Hier ist die Kundschaft vorwiegend älter“, stellt sie fest. Genauso wie die Geräte: Ein Uher-Tonbandgerät aus den 50er-Jahren hat einen defekten Schalter. Jetzt lässt sich die Tonbandgeschwindigkeit nicht mehr regeln. Reparateur Rainer Grosch probiert verschiedene Schalter und Stifte aus. Einer passt. Der Besitzer, eigens 25 Kilometer angereist, dankt Grosch mehrfach und gibt auch eine Spende.

Die Experten stehen zwar kostenlos zur Verfügung. Doch es wird um Spenden gebeten – denn das Kirchendach braucht eine Reparatur. Im Durchschnitt kommt auf eine Reparaturanfrage eine Spende von zehn Euro. Allerdings: Wenn das Gerät nicht repariert werden kann, fließt meistens auch kein Geld – obwohl die Mitarbeiter viel Zeit für die Analyse investiert haben. Kirchengemeinderat Horstmann sieht das kritisch: „Einerseits soll das Gerät eine Chance erhalten. Andererseits wird das Engagement eines Menschen, der sich darum kümmert, nicht gerne bezahlt.“ Obwohl sein Drucker nicht mehr zu retten war, hat Armin Wohlgemuth den Nachmittag als kurzweilig und entschleunigt empfunden und will wiederkommen: „Man kommt ins Gespräch, lernt andere Menschen kennen, tauscht sich aus und gibt einander Tipps.“

Information zum Reperaturcafé

Die nächsten Termine des Reparaturcafés sind der 19. September, der 31. Oktober und der 28. November, jeweils von 14 bis 17 Uhr. Ort ist der Gemeindesaal der Versöhnungskirche in Ummendorf, Riedweg 12. Zur Reparatur kann prinzipiell alles dorthin gebracht werden: Elektrische Geräte, Möbel, Spielzeug, alles aus Holz, Kleider und Textilien, Haushaltswaren und Elektronik.

Weitere Informationen im Internet: http://repair-cafe.ummendorf.org

Im Reparaturcafé in Ummendorf kann fast alles repariert werden. Oft haben die Helfer sogar Spaß dabei.

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