Christliche Themen für jede Altersgruppe

Schicksale gehen ihm zu Herzen

GEBERSHEIM (Dekanat Leonberg) – Peter Hompa setzt sich in seinem Ruhestand für die Flüchtlinge im Dekanat ein. Dabei macht er berührende Erfahrungen, hat schöne Erlebnisse, aber er muss auch damit klar kommen, dass nicht jedem Flüchtling geholfen werden kann. 

Peter Hompa setzt sich voll ein für die Belange von Flüchtlingen. (Foto: Brgitte Jähnigen)


Lange Jahre war Peter Hompa Pfarrer in Gebersheim. Als er in den Ruhestand ging, wollte er „Platz machen für Jüngere“. Das war gut so. Denn seine Kraft braucht er seitdem für die Flüchtlinge. Peter Hompa ist Asylbeauftragter des Kirchenbezirks Leonberg. Sein winziges Arbeitszimmer hat er mit gelben Primeln und Tulpen geschmückt. Seine Briefe als Beauftragter für Flüchtlinge zieren Abbildungen von Pflanzen und Tieren.

Wer Peter Hompa, klein und schmal von Statur, trifft, ist sofort in einem Dialog mit einem ungewöhnlichen Menschen. Da sind die Autoren wie Gertrud Kolmar (1894–1943), deren Lyrik zu lesen er empfiehlt. Da ist der Religionswissenschaftler Schalom Ben Chorin (1913–1999), den er immer wieder zitiert. Da ist die neueste Postsendung auf seinem Tisch, eine englischsprachige Ausgabe der Herrnhuter Losungen, die er einem Flüchtling aus Gambia versprach. „Ein ehrlicher, aufrechter Mann, der wahrscheinlich eine Ablehnung bekommen wird“, sagt Peter Hompa. Kehrt der Mann in seine Heimat zurück, will er einen Wasser- und Elektroanschluss bauen – doch womit soll er ihn finanzieren?
Ein Schicksal von so vielen nur, mit denen Peter Hompa seit Jahren verbunden ist. Da ist auch das elfjährige syrische Mädchen, das ihrer schweren Erkrankung wegen eine Knochenmarkspende brauchte. Da ist der zehnjährige Junge, der seines Geburtsschadens wegen erst nach einer großen orthopädischen Operation in Deutschland das Laufen im aufrechten Gang schaffte. „Vorher lief er im Kauergang“, sagt Hompa.

Es sind aber nicht nur die Schicksale der Flüchtlinge vor Ort, die den 80-Jährigen bewegen. Es sind auch die, die wieder weggehen müssen aus dem Hoffnungsland Deutschland. „Wir bleiben für sie verantwortlich“, sagt Hompa. Da sei eine alleinerziehende Mutter, die in den Balkan ausreisen musste und nicht weiß, wie sie „um die Runden kommen soll“, sagt Hompa. Aus seiner Arbeit, die von „großer seelsorgerischer Behutsamkeit“ begleitet sein müsse, weiß er, dass Menschen oft zu Unrecht abgeschoben werden. Nicht immer hätten Richter beim Bundesamt oder dem Verwaltungsgericht der Komplexität wegen „die Akten gut und mit richtigem Blick studiert“. Umso zufriedener berichtet er von einer Familie „mit drei fähigen, begabten Kindern“, die „vor einer erzwungenen, freiwilligen Rückkehr“ bewahrt hätten werden können. „Der älteste ging zum Gymnasium und zeigte erste Zeichen einer Depression“, sagt Peter Hompa. Doch der „mühsame Kampf“ habe sich gelohnt. Die Familie sei heute „ein guter Teil unserer Gesellschaft“.

Schon in der Frühe dieses Tages hat sich der Pfarrer i.R. um einen alleinerziehenden Vater aus dem Kosovo kümmern müssen. „In all dem Durcheinander wurde der Antrag für Kinderzuschlag vergessen, doch der Mann braucht jeden Cent, auch wenn er Arbeit gefunden hat“, informiert Peter Hompa. „Kinderzuschlag“ – ein sperriges Wort, hinter dem sich ein finanzieller Anspruch verbirgt.
Flüchtlinge sind in Deutschland immer weniger willkommen. 59 Prozent lehnen den Zuzug ab. Woher nimmt der Seelsorger die Kraft, aber auch die Motivation, sich kompromisslos in der Flüchtlingspolitik zu engagieren?

„Der liberale Geist meiner Mutter war wegweisend“, sagt Peter Hompa. Als die Nazis das politische Klima in Kehl, wo Hompa aufwuchs, bestimmten, hätte seine Mutter ihre Empörung nicht verhehlt. Diese Prägung begleitet den inzwischen 80- Jährigen bis heute. So fühlt er sich in der Asylarbeit besonders dem Schicksal der Romafamilien verpflichtet, die in der Nazizeit „neben den Juden zu Tausenden ermordet“ wurden. Und die 1,5 Millionen ermordeten jüdischen Kinder bestätigen ihn in seinem Auferstehungsglauben. „Es kann doch nicht sein, dass deren kurze Lebenszeit auf Erden alles gewesen sein soll“, sagt Hompa.

In den 1960er-Jahren zählte er sich zu einer Gruppe von Kirchenreformern, die sich auch über Versagen von Kirche im Dritten Reich austauschten und die Rolle des Juden Jesus im Christentum. Seine Mutter aber hat ihm auch eine tiefe Verbundenheit mit der Natur mitgegeben. „Ich weiß um die ununterbrochene Kette lebender Wesen von der Entstehung der ersten Einzeller bis heute, die Individualität jedes Einzelnen, mich eingenommen, wir sind Teil des Wunderbaren aus der Quelle des Schöpfers.“

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