Christliche Themen für jede Altersgruppe

Schulen des Glaubens

Aus zwölf württembergischen Klöstern wurden in der Reformation evangelische Klosterschulen. Zwei von ihnen haben sich erhalten und stehen bis heute in dieser Tradition: Die evangelischen Seminare in Maulbronn und Blaubeuren. Zum Auftakt unserer Sommerserie „Orte der Reformation“ werfen wir einen Blick in Gegenwart und Vergangenheit der Bekenntnisschulen.

Als Württemberg 1534 evangelisch wurde, da gab es vor allem eines nicht: evangelische Pfarrer. Überall im Land brauchte man nun Prediger der neuen Lehre, die katholischen Priester, die bereit und im Stande waren, der neuen Konfession zu folgen, reichten beileibe nicht aus.

Eine Übergangslösung waren Arbeitsmigranten aus Sachsen, frisch ausgebildete evangelische Pfarrer aus der Lutherstadt Wittenberg, die in die Bresche sprangen. Schon bald war jedoch klar, dass man eine einheimische Lösung finden musste, eine Schule für junge Männer des Glaubens, die nun in großer Zahl hinaus aufs Land geschickt werden sollten.

Bereits 1536 war in Tübingen ein zentrales Studienhaus gegründet wurden: das evangelische Stift, das bis heute die wichtigste Einrichtung der Pfarrerausbildung in Württemberg ist. Darüber hinaus bedurfte es aber eines flächendeckend Systems von Vorschulen, die Knaben in strenger Disziplin auf das Studium in Tübingen vorbereiten würden.

Mit der Einrichtung evangelischer Klosterschulen konnte der Herzog zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Der künftige geistliche Nachwuchs hatte eine Ausbildungsstätte und für die Konventbauten gab es eine Nachfolgenutzung.

Zwölf ehemalige Männerklöster auf dem Gebiet des Herzogtums Württemberg wurden 1556 in evangelische Internatsschulen umgewandelt: Adelberg, Alpirsbach, Anhausen, Bebenhausen, Blaubeuren, Denkendorf, Herrenalb, Hirsau, Königsbronn, Lorch, Murrhardt und St. Georgen. Am Anfang war es ein seltsames Nebeneinander von Mönchen, denen der großmütige Herzog Christoph ein Wohnrecht einräumte, und evangelischen Schülern und Lehrkräften. „Das ging überhaupt nicht gut, die haben sich zeitweise die Köpfe eingeschlagen“, erzählt Pfarrer Henning Pleitner aus Blaubeuren.

Pleitner ist Schulleiter in Blaubeuren, einer von zwei Klosterschulen der ersten Stunde, die bis zum heutigen Tage als evangelisches Internatsgymnasium fortexistieren. Die andere Klosterschule der Anfangszeit ist Maulbronn (siehe auch Seite 6): Es gehört zu den vielen bemerkenswerten Tatsachen in der Geschichte der württembergischen Bekenntnisschulen, dass die beiden heute noch bestehenden Einrichtungen direkt auf die Anfänge der Reformation zurückzuführen sind.

Bemerkenswert war auch die Bildungsrevolution, die mit ihnen einherging: Nun endlich hatten junge Männer ganz ohne Standesschranken Zugang zu Schule und Studium, wenn sie bereit waren, sich in den Dienst von Staat und Kirche zu stellen. Die waren bis 1918 nicht voneinander zu unterscheiden, der evangelische Pfarrer im Zuge des landesherrlichen Kirchenregiments zu einem staatlichen Spitzenbeamten geworden.

Pfarrer sollten eigentlich alle werden, die die neuen Klosterschulen besuchten: Dazu unterschrieben sie eine Verpflichtungserklärung, die im Laufe der Jahre freilich von immer mehr Ausnahmen gekennzeichnet war. Noch heute ist es so, dass diejenigen, die in den Pfarrdienst gehen, ihr Schulgeld voll erstattet bekommen, für alle die anderen gibt es immer noch die Möglichkeit, Bafög-Unterstützung zu beantragen, wie Henning Pleitner anfügt: „Am Geld soll es eigentlich bei keinem scheitern.“

Evangelisch-Theologisches Seminar Blaubeuren

Telefon 07344-96260

Internet www.seminar-blaubeuren.de

Buch-Tipp

Zum Thema ist von Gemeindeblattredakteur Andreas Steidel ein Buch erschienen: 20 Orte der Reformation werden darin porträtiert.

Auf Luthers Spuren. Orte der Reformation in Baden und Württemberg, Belser 2016, 160 Seiten, 29,99 Euro. ISBN 978-3-7630-2750-7.

Dieses Buch erhalten Sie bei unserem Bestell­telefon 0711-60100-28 oder bei unserer Internetbuchhandlung unter www.buchhandlung-eva.de

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