Christliche Themen für jede Altersgruppe

Selber bestimmen und machen

DEIZISAU (Dekanat Esslingen) – Jugendliche, die selbst bestimmen, wie die Jugendarbeit aussieht? In Deizisau ist das Realität. Der gewählte Jugendkirchengemeinderat entscheidet in vielen Bereichen selbst. In diesem Jahr wählen die jungen Deizisauer zwei Mal: Im Oktober „ihr“ Gremium und im Dezember dann den Kirchengemeinderat und die Landessynode. 


Bild: Karolin Kress lädt ins Gemeindehaus von Deizisau ein. (Foto: Gemeindeblatt)

Karolin Kress aus Deizisau ist telefonisch schwer zu erreichen: Sie ist einfach viel unterwegs. Die 22-Jährige gehört dem Leitungskreis der Kinderkirche an, organisiert Kinder- und Jugendveranstaltungen für die Kirchengemeinde, ist Vorsitzende des Jugendkirchengemeinderats. Und Hobbys, ja, die hat sie neben ihrem Beruf als Sachbearbeiterin in der Stadtverwaltung von Stuttgart auch noch. So engagiert sich die junge Frau bei der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) im nahe gelegenen Altbach und bringt sich mit dem Trendsport Zumba in Form, einer schweißtreibenden Kombination aus Aerobic (dem Gymnastik-Trend der 1980er Jahre) und lateinamerikanischen sowie internationalen Tänzen.

Außerdem trifft sich Karolin Kress regelmäßig mit ihren Freunden. Mit einigen von ihnen teilt sie auch ihr ehrenamtliches Engagement für die Kirchengemeinde.

Durch ihre Freunde kam sie überhaupt erst dazu. Seit der Konfirmation arbeitet Karolin Kress in der Kinderkirche mit. Ihre Freunde waren schon dabei. Als sie gefragt wurde, ob sie sich auch engagieren möchte, „war mir sofort klar, dass ich das will“. Schließlich fand sie die Aufgabe nicht nur reizvoll, weil die Freunde dabei waren, sondern sie fand auch die Arbeit selbst interessant. Von Anfang an gehörte Kress dazu, war bei vielen Veranstaltungen für Jugendliche dabei, und wuchs in die Verantwortung hinein. 2009 dann wurde sie in den Jugendkirchengemeinderat gewählt, seit 2012 ist sie dessen Vorsitzende.

Einmalig in der Landeskirche

Der Jugendkirchengemeinderat in Deizisau ist einmalig in der württembergischen Landeskirche: Die Jugendlichen haben ein eigenes Budget, sie stellen einen eigenen Haushaltsplan auf und organisieren die Jugendarbeit. Alle zwei Jahre im Oktober wird das Gremium neu gewählt. Wahlberechtigt sind alle Gemeindemitglieder zwischen 14 und 26 Jahren. Das Gremium hat derzeit sieben gewählte Mitglieder und eine Vorsitzende. Dazu noch die Pfarrerin, in deren Zuständigkeitsbereich die Jugendarbeit fällt, und zwei Kirchengemeinderäte. Sie treffen sich alle vier bis acht Wochen zu den Sitzungen. Laut Satzung, die hier „Leitfaden des Jugendkirchengemeinderats der evangelischen Jugend Deizisau“ heißt, gehört zu den Aufgaben des Gremiums, dass es über grundsätzliche Fragen der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit berät, den Jahresplan der Kinder- und Jugendarbeit konzipiert und durchführt sowie die laufenden Geschäfte der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit erledigt. Letzteres kann das Gremium auch an die Vorsitzende oder ein anderes Mitglied delegieren.

Immer viel zu tun

Ein wichtiger Punkt. Denn „seit ich Vorsitzende bin, ist es viel“, sagt Karolin Kress und strahlt doch dabei. Viele Termine, viel Organisation. Viel Vorbereitung. Sie organisiert nur die Sitzungen des Jugendkirchengemeinderats und schreibt das Protokoll. Außerdem koordiniert sie die Mitarbeit der Jugend beim ökumenischen Gemeindefest, teilt die Schichten ein für die Movienight: Ab 20.30 Uhr wird am ersten Donnerstag in den Sommerferien im Pfarrwäldle, einer großen baumbestandenen Wiese zwischen Gemeinde- und Pfarrhaus, gegrillt, ab 21 Uhr wird gemeinsam ein Film angeschaut. In diesem Jahr stand „Ziemlich beste Freunde“ auf dem Programm. „Zur Movienight kommen nicht nur Jugendliche, sondern auch 80-Jährige“, erzählt Karolin Kress. Zuvor gibt es den Kinderferienwunschfilm: Aus drei Filmen wählen die Kinder aus, welcher angeschaut wird.

Der Jugendkirchengemeinderat organisiert – nicht jedes Jahr, aber immer wieder – auch Konfirmandenunterricht, ist beim Konficamp und beim Konfiwochenende dabei. Außerdem gibt es Konfitage, bei denen die Konfirmanden beispielsweise einen Film drehen. Zu den Kinderangeboten zählen das Kindercamp, ein Zeltlager im Pfarrwäldle, „da schauen wir aber nur, ob es läuft“. Viele weitere Aktionen und Veranstaltungen sind Teil der Jugendarbeit in Deizisau, wie die Orangenaktion des Jugendwerks Mitarbeitertag oder der Einführungsgottesdienst für die Konfirmandinnen und Konfirmanden.

Jugendtreff im Gewölbekeller

Zudem entstand vor einem Jahr der Jugendtreff „Downstairs“, der so heißt, weil er im Gewölbekeller des historischen Teils des Gemeindehauses eingerichtet wurde. „Wir hatten für die frisch Konfirmierten außer den Mitarbeitertreffen von der Kinderkirche keine Angebote“, erzählt Karolin Kress. Deshalb haben die Jugendlichen selbst Abhilfe geschaffen. Alle zwei Wochen ist der Treff am Freitagabend geöffnet. „Downstairs“ selbst wurde vom „großen“ Kirchengemeinderat sehr begrüßt. Strittig war allerdings die Frage, ob dort auch beispielsweise Bier ausgeschenkt werden darf. Der Jugendkirchengemeinderat setzte sich dafür ein. Das war allerdings nicht so einfach „Vor einigen Jahren gab es damit einmal Probleme“, berichtet Kress. „Aber ohne einen solchen Ausschank kommen die Jugendlichen gar nicht und trinken dann heimlich.“ Die Jugendlichen haben mit dem Kirchengemeinderat ausführlich gesprochen. Bier darf nun ausgeschenkt werden. „Bislang gab es deshalb auch keine Probleme“, sagt Kress. Wohl auch, weil vielen Jugendlichen klar sei, dass es keinen Alkohol mehr gibt, sobald irgend etwas vorfällt.

Die Zusammenarbeit mit dem Kirchengemeinderat ist sehr vertrauensvoll, findet Karolin Kress. Zwar müsse der Haushaltsplan des Jugendkirchengemeinderats vom Kirchengemeinderat genehmigt werden, aber ernsthafte Probleme habe es damit bislang noch nie gegeben. Entstanden ist das Jugendgremium aus dem „Arbeitskreis Jugend“. Dieser hatte Vorschläge zur Jugendarbeit unterbreitet. Seit 2007 gibt es den neuen Namen und das eigene Budget.

Vierzehnjährige gewinnen

In diesem Jahr ist großes Wahljahr – nicht nur der Kirchengemeinderat und die Landessynode werden in Deizisau gewählt, auch der Jugendkirchengemeinderat. Ein großer Aufwand, denn alle Jugendlichen zwischen 14 und 26 werden angeschrieben. Kandidaten müssen gefunden werden – und das ist nicht immer einfach. Durch die Ganztagsschule haben die jungen Leute immer weniger Zeit. Ein weiteres Problem ist, dass sie früher vom Ort wegziehen als noch vor einigen Jahren. „Ein Elftklässler ist noch ein Jahr da, dann geht er zum Studium woanders hin“, weiß Karolin Kress. Schon 2011 gab es weniger Kandidaten als Plätze. Deshalb wollen die Mitglieder des Jugendkirchengemeinderats gezielt Jüngere ansprechen – und Jugendliche, die noch nicht so stark in der Jugendarbeit engagiert sind und  deshalb nicht so unter einer Doppelbelastung zu leiden haben.

Ziel ist es auch, das Arbeitspensum für die Jüngeren zu reduzieren. Auch auf die Sitzungen hat das Auswirkungen: „Bis halb elf, elf Uhr am Abend tagen, das geht mit 14-Jährigen einfach nicht“. Bislang sind die Sitzungen donnerstags. Die Stuttgarter Stadtverwaltung und damit auch Karolin Kress arbeitet an diesem Tag allerdings länger als sonst. Was bedeutet, dass die Sitzungen an diesem Wochentag vor 19 Uhr nicht beginnen können. Ein Konflikt, den sie künftig einfach und pragmatisch lösen wird: „Dann müssen wir den Sitzungstag ändern“.

Informationen zum Jugendkirchengemeinderat im Internet

www.jkgr-deizisau.de.

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