Christliche Themen für jede Altersgruppe

Sie haben noch ein Bett frei

STUTTGART – „Gräbele g‘sucht“, die Bettenkampagne des Kirchentages in Stuttgart, ist auf einem guten Weg. Um das Ziel von 10?000 Schlafplätzen zu erreichen, braucht es allerdings noch immer Gastgeber. So wie das Ehepaar Christl und Manfred Munz aus Kaltental. 


Christl und Manfred Munz freuen sich auf ihre Kirchentagsgäste. (Foto: Brigitte Jähnigen)

Ordentlich ins Schnaufen kommt, wer die U-Bahn-Haltestelle Engelboldstraße in Stuttgart-Kaltental verlässt und sich bergan begibt. Doch die Anstrengung lohnt sich: Christl und Manfred Munz laden zu Wohnungsbesichtigung, Kaffee und Gespräch. Die 3333. Gastgeber der Bettenkampagne „Gräbele g‘sucht“ des Stuttgarter Kirchentags lachen: „Ein Gräbele haben wir nicht zu vergeben, aber ein französisches Bett, ein ordentliches Frühstück, und wenn es gewünscht wird, kochen wir auch und laden zum Wein ein.“ Serviert würden schwäbische Spezialitäten und schwäbischer Wein. Denn „die Gäste sollten ja auch was Typisches aus der Region kennenlernen“, sagt Manfred Munz.

Man mag es sich gern vorstellen, wie sich Besucher des Kirchentages bei den aktiven Ruheständlern wohlfühlen, wie sie hier in der Einliegerwohung, die ihnen zur Verfügung gestellt wird, nicht nur Quartier, sondern auch ein Zuhause auf Zeit finden. „Wir haben Zeit, wir können uns mit den Gästen befassen, und wir nehmen auf, wer kommt“, sagt Manfred Munz. Aber man würde die Gäste auch lassen, wenn sie viel unterwegs sein wollten oder abends müde seien. Schon einmal – es war im Jahre 1999 – hatten Christl und Manfred Munz Gäste des Kirchentages zu Besuch: ein Ehepaar aus Crimmitschau/Sachsen. Der Kontakt hat sich nicht gehalten, das Ehepaar sei „schon recht betagt“ gewesen. Aber den Abschlussgottesdienst haben die vier gemeinsam besucht.

In Stuttgart-Kaltental muss man sich darauf einlassen, dass es hier – zerschnitten durch die Böblinger Straße – „den katholischen“ und den „evangelischen Berg“ gibt. St. Antonius ist die Kirche auf dem katholischen Berg, Thomaskirche heißt das Gotteshaus der Protestanten. „Natürlich ist das heute nicht mehr so strikt, und es gibt Ökumene“, sagt Christl Munz.  Und dass sie das rege Gemeindeleben, angeführt von Pfarrerin Mirja Küenzlen, sehr schätzt. Deshalb hat sie sich ab diesem Jahr als Besuchsdienst gemeldet. „Die Senioren freuen sich, wenn wir zum Geburtstag gratulieren kommen“, sagt sie. Bedarf nach einem Gespräch, nach einem Lachen sei immer. „Manchmal komme ich mir selbst wie ein Seelsorger vor“, sagt sie.

Der Name Munz hat in Kaltental einen guten Klang – Manfred und Christl Munz hatten bis zum Ruhestand hier ein Geschäft für Sanitär- und Heizungstechnik. Er war der Chef, sie als gelernte Großhandelskauffrau seine rechte Hand. „Kirchgänger sind wir nicht“, sagen die beiden. Dass es Menschen gebe, die sich durch einen Kirchentag im Gemeinschaftsgefühl gestärkt sehen, können sie nachvollziehen.

Aber sie selbst sehen die Großveranstaltung eher distanziert und werden vermutlich nur zur Eröffnung hingehen. „Auch wenn wir wissen, dass der Kirchentag ausdrücklich unter evangelischer ‚Flagge‘ stattfindet: So, wie sich Kirchen immer noch verhalten, wirken solche Veranstaltungen zu eng auf uns“, sagen beide. In einer Stadt wie Stuttgart mit 26 verschiedenen Nationen sollte viel mehr Ökumene sein, deutlich mehr Miteinander mit Muslimen und anderen Mitgliedern von Religionsgemeinschaften. Es genüge in der heutigen Zeit nicht, sich letztlich doch immer wieder auf das eigene Bekenntnis zu beschränken.

Christl Munz ist in Kaltental geboren, Manfred Munz wohnt auch schon lange da. Beide sind protestantisch getauft, zur Konfirmation gegangen. „Man muss die Lebensformen und damit die Religionen anderer Menschen mehr tolerieren“, sagt Manfred Munz. Er vermisst einen wirklichen Aufbruch der Kirchen, seine Frau nickt zustimmend. Ob Juden in Kaltental wohnen, ist ihnen nicht bekannt, Muslime gebe es nur wenige. Und spätestens jetzt wird klar, wie stark sich auch „Nicht-Kirchgänger“ mit Religion und Spiritualität, mit dem Zusammenleben von Menschen auseinandersetzen und warum das Ehepaar Munz Gastgeber mit Herz und Hirn beim Kirchentag sein wird. „Notfalls können wir auch mehr als zwei Gäste aufnehmen, da legen wir eben eine Matratze ins Wohnzimmer“, sagen die beiden. Sie sehen darin auch eine Möglichkeit zu zeigen, „dass in Stuttgart gastfreundliche Menschen leben“.

Ein paar Betten werden für die Privatquartiere zum Kirchentag noch gesucht. Wer noch Platz hat, meldet sich unter Telefon 071169949-200.

 

 

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