Christliche Themen für jede Altersgruppe

So bunt wie die Gemeinde

STUTTGART-HEUMADEN – Schülerinnen  des Geschwister-Scholl-Gymnasiums haben während ihrer Projekttage die Kirchenmauer an der Heumadener Bockelstraße bemalt. Die bunten Bilder sollen Markenzeichen und Symbol für die Vielfalt sein, die in der Kirchengemeinde gelebt wird.

Die Farbe ist noch nicht trocken, da steht der erste Nachbar von Gegenüber schon vor den noch unvollendeten Kunstwerken. Einem großen Herz, das von bunten Länderfahnen umschlungen wird. Einer Weltkugel, umringt von Menschen. „Sieht toll aus, viel schöner als eine weiße Wand“, ruft er in die Runde, um gleich darauf noch ein kleines Schwätzchen mit Pfarrerin Jutta Seifert zu halten. Währenddessen hupt ein Autofahrer und hält den nach oben gestreckten Daumen aus dem Fenster. Auch ihm gefällt offenbar, was gerade an der Heumadener Kirchenmauer passiert, die sich im Süden des Stadtteils entlang der Bockelstraße zieht.

Wer von dieser Seite in den kleinen Flecken auf der Filderebene kommt, wird am Ortseingang von dem evangelischen Gemeindezentrum und der Gnadenkirche begrüßt. Der Kirchturm aus den 60er-Jahren ist weithin sichtbar, dennoch verbinden viele ein anderes Erkennungszeichen mit der Kirchengemeinde Heumaden-Süd. Eben jene langgestreckte Mauer, bunt bemalt mit allerlei Pflanzen, Menschen und einem schillernden Regenbogen. „Viele waren traurig, als diese Bilder weg waren“, sagt die Pfarrerin.  

Schuld daran sind die alten Fenster in ihrem Amtszimmer und in der Sakristei, die teilweise schon zugelötet werden mussten, damit im Winter die Kälte draußen bleibt und im Sommer die Hitze. „Trotzdem war es manchmal kaum auszuhalten“, sagt Jutta Seifert. Zwischenzeitlich sind nun überall moderne Fenster eingebaut worden. Bedingung dafür war allerdings, dass aus energetischen Gründen die etwa 60 Meter lange Hauswand von außen gedämmt und neu gestrichen wird. Das Ende des Regenbogens und der anderen Bilder.

Schneeweiß sollte die Mauer nach der Sanierung aber nicht bleiben, weshalb im Kirchengemeinderat verschiedene Ideen entwickelt wurden. Einen Graffiti-Künstler zu beauftragen war eine davon, bei der Mobilen Jugendarbeit anzufragen eine andere. Erfolg hatte die Pfarrerin schließlich mit einer Umfrage an den örtlichen Schulen, auf die hin sich die Kunstlehrerin des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Sillenbuch meldete.

Da ohnehin das Thema „Perspektive“ auf dem Bildungsplan stand, machte Kunstlehrerin Annette Hermann die Bemalung der Kirchenmauer kurzerhand zum Projekt in ihrem Unterricht. Die Aufgabe: „Wie schafft man es, dass eine Wand räumliche Tiefe bekommt?“ Natürlich sollten die Entwürfe, mit denen insbesondere die achten Klassen ein halbes Jahr lang beschäftigt waren, auch etwas mit dem Gemeindezentrum selbst zu tun haben. „Wichtig war uns vor allem, mit den Bildern die Vielfalt und das Gemeinschaftsgefühl zu vermitteln“, betont Pfarrerin Jutta Seifert.

Nachdem Anfang Mai knapp 40 Entwürfe von Schülern und Schülerinnen im Gemeindezentrum ausgestellt und kontrovers diskutiert worden waren, ging es während der Projekttage der Schule kurz vor den Sommerferien an die Umsetzung. Koordiniert wurde die Malaktion dabei von Ilse Holzwarth, die lange im Kirchengemeinderat war, eine Malgruppe im Ort leitet – und vor zwölf Jahren die erste Bemalung der Mauer initiiert hatte. „Damals wurde die Wand immer wieder beschmiert“ erzählt die pensionierte Pädagogin. „Daher haben wir sie zusammen mit Kindern nach und nach bemalt.“

Unter den Schülerinnen, die diesmal den Pinsel in die Hand genommen haben, ist auch ihre Enkelin Hannah. Die Zwölfjährige hat unter anderem eine stilisierte weiße Rose an die Kirchenmauer gemalt, das Logo der Geschwister-Scholl-Schule. „Wenn ich hier vorbeilaufe, dann kann ich sagen, dass ich das gemalt habe“, sagt sie und lacht fröhlich. Bester Stimmung ist auch Pfarrerin Jutta Seifert, die jetzt ein angenehm kühles Dienstzimmer hat und eine kunterbunte Kirchenwand. Und weil noch ein paar der Schülerentwürfe und einige Meter weiße Wand übrig sind, plant sie schon das nächste Projekt: Mit Hilfe der alten und neuen Konfirmanden soll bis zum Ende der Sommerferien auch der restliche Teil der Mauer farbenfroh leuchten.

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