Christliche Themen für jede Altersgruppe

Starthilfe für Jugendliche

STUTTGART – Harald Ziegler und Kristina Futterer helfen Jugendlichen dabei, Arbeit oder einen Ausbildungsplatz zu finden. Denn oft scheitert die Job-Suche an Kleinigkeiten. Auch bei größeren Problemen finden junge Menschen dort Ansprechpartner.  Von Nicole Marten

Kristina Futterer und Ali Bulut haben im Internet nach Unternehmen gesucht, die im Maschinenbau tätig sind. (Foto: Job Connections/Kerstin Lasinger)


Drei Jugendliche sitzen an einer Tischreihe mit sechs Computern. Bei zwei von ihnen hat je eine Mitarbeiterin von Job Connections Platz genommen. Das ist eine Initiative der Stadt Stuttgart, mit der sie jungen Leuten bis 27 Jahren den Einstieg in Arbeit und Ausbildung erleichtern will. Trägerin des Angebots ist die Evangelische Gesellschaft. „Jetzt drucken Sie die Bewerbung aus. Einen Briefumschlag brauchen Sie noch – und dann schicken Sie die Bewerbung raus.“ Sagt eine der Mitarbeiterinnen zu ihrem Klienten. Nachdem der Umschlag überreicht ist, ist die Sitzung auch schon beendet.

Ali Bulut war vor etwas mehr als zweieinhalb Jahren ebenfalls Kunde von Job Connections. Er suchte eine Ausbildungsstelle zum Industriemechanker. Obwohl er mehr als 30 Bewerbungen schrieb, erhielt er nur Absagen. Nach offenen Stellen schaute er vor allem in der Internet-Suchmaschine Google. Buluts älterer Bruder schlug ihm vor, zu Job Connections zu gehen. „Darüber hatte auch er ein paar Jahre zuvor eine Stelle gefunden“, erzählt der 19-Jährige. Ali Bulut ging ein bis zwei Mal pro Woche in die Rosensteinstraße 9, wo die Einrichtung ihren Sitz hat – nur wenige Meter entfernt vom Arbeitsamt. Zwei Monate lang recherchierte er mit Hilfe von Kristina Futterer, seiner Beraterin, nach Firmen, die im Maschinenbau tätig sind und schrieb eine Bewerbung nach der nächsten. „Ali Bulut ist einer unserer Vorzeigekunden“, sagt Futterer, nicht ohne Stolz. Denn immerhin schrieb der junge Mann mehr als 60 Bewerbungen in zwei Monaten. „Das machen die wenigsten – die meisten schreiben so fünf bis sechs.“ Kaum kamen Absagen, brachte Bulut auch schon wieder neue Unterlagen auf den Weg. So hat er sich selbst motiviert. „Das war ein Tipp meiner Lehrerin in der Hauptschule“, sagt der gebürtige Bad Cannstatter mit türkischen Wurzeln. „So hatte ich jedes Mal die Hoffnung: Ich habe noch weitere Bewerbungen am Laufen, vielleicht klappt es da ja.“

Und es gab nicht mehr nur Absagen: Immerhin hatte er es auch zu Vorstellungsgesprächen und so genannten Assessment-Centern geschafft, Terminen also, bei denen mehrere Bewerber gemeinsam Aufgaben lösen müssen. Der künftige Arbeitgeber testet die Bewerber damit zum Beispiel auf Teamfähigkeit und will etwas über das Sozialverhalten der Kandidaten wissen. Doch mit einer Stelle wollte es zunächst nicht so richtig klappen. Ein nächster Schritt wäre für Ali Bulut gewesen, Bewerbungsgespräche mit Kristina Futterer zu üben. Doch das musste er dann doch nicht mehr: Kurz vor dem Termin bei Job Connections bekam er die Zusage bei einem kleinen Unternehmen, das jedes Jahr nur einen Lehrling einstellt, diesen dann aber auch im Anschluss an die Ausbildung übernimmt.

So glatt wie im Falle Bulut läuft es längst nicht immer. Rund ein Fünftel aller Jugendlichen, die zu Job Connections kommen, werden nicht vermittelt, geht aus dem Jahresbericht 2012 hervor. Die meisten von ihnen sind nach einem ersten oder auch zweiten Kontakt einfach nicht mehr erreichbar. Das kann damit zusammen hängen, dass sich ihre mobile Telefonnummer geändert hat und es eine Festnetznummer einfach nicht gibt. Oder die Probleme zu Hause werden wichtiger als die Suche nach einer Ausbildungsstelle: Ärger mit den Eltern, Schulden, Probleme mit Behörden, Wohnungslosigkeit. „Unserer Erfahrung nach brauchen die jungen Menschen dann wieder etwas Zeit, um sich um die Klärung der Probleme zu kümmern. Im Anschluss finden dann oft wieder Kontakte mit uns statt“, sagt Kristina Futterer.

Die jungen Leute kommen auch zurück, weil es nicht sonderlich kompliziert ist, Hilfe zu erhalten: Wer eine Bewerbung schreiben muss oder will, kann zum Beispiel ohne Termin kommen. „Wenn sich jemand bewerben will, können wir schlecht sagen: ‚Komm übermorgen wieder.‘ Dieser Jugendliche braucht einfach schnell Hilfe“, erläutert Harald Ziegler, Geschäftsführer der Einrichtung. Die Jugendlichen müssen ihre Bewerbungen selbst schreiben, aber eine Mitarbeiterin von Job Connections schaut drüber und gibt Tipps. Dass die Kunden, wie sie hier heißen, selbst schreiben, ist ein wichtiges Motivationsmittel: „So können sie immer sagen: ‚Das habe ich selbst geschafft‘“, sagt Futterer. Es gibt im Haus sogar eine fest angestellte Fotografin. Das ist wichtig: Denn viele der jungen Leute „sehen ganz nett aus, haben aber schlechte Fotos“, sagt Harald Ziegler. „Bei vielen ist ja schon das Zeugnis schlecht oder der Lebenslauf nicht ganz gerade – da sollte wenigstens das Foto gut sein.“ Und es muss schnell verfügbar sein.

Im Bewerbungscenter können die junge Leute auch kostenlos Unterlagen einscannen und ihre Bewerbungen ausdrucken. Fotos und Briefmarken müssen sie zwar bezahlen. Aber: „Wir finanzieren die Briefmarken zum Beispiel auch vor. Denn wenn sich die Jugendlichen schon aufmachen, wollen wir nicht, dass sie plötzlich vor einer Wand stehen, nur weil ihnen Kleingeld fehlt“, sagt Harald Ziegler. 2012 haben mehr als 6000 Jugendliche das Angebot in Anspruch genommen.

Das Bewerbungscenter ist ein Arbeitszweig von Job Connections. Ein anderer ist die Beratung und Vermittlung. Die jungen Menschen können innerhalb von wenigen Tagen einen Beratungstermin erhalten und sich so über ihre beruflichen Möglichkeiten informieren.

Dabei ist eine enge Verzahnung mit anderen Hilfseinrichtungen in der Stadt wichtig – mit dem Jobcenter des Arbeitsamtes, mit der Schuldnerberatung und vielen anderen. In den Gesprächen werden auch Vorstellungsgespräche geübt und Telefonate mit Firmen trainiert. Und dann gibt es noch die so genannte Fachberatung: Hier finden zum Beispiel Sozialpädagogen Rat, wenn eine der von ihnen betreuten Personen in einer beruflichen Sackgasse steckt. Die Mitarbeiter von Job Connections haben einen Überblick über aktuelle Hilfsangebote aus allen Richtungen – ob vom Arbeitsamt, der Rehaberatung, dem psychologischen Dienst oder der Stadt Stuttgart. Oft geht es dabei auch um „Übersetzungsarbeit“. So erzählt Harald Ziegler von einem Fall, in dem ein junger Mann zu Job Connections kam. Dabei stellte sich heraus, dass er bereit war, auch einen Ein-Euro-Job anzunehmen. Das Telefonat mit dem Mitarbeiter des Jobcenters beim Arbeitsamt ergab allerdings, dass der Mitarbeiter des Arbeitsamtes davon nichts wusste. Also bekam der Jugendliche sofort einen neuen Beratungstermin beim Arbeitsamt im Gebäude nebenan und fand Hilfe.

Ali Bulut ist froh, dass er damals zu Job Connections gegangen ist. Er hat die Einrichtung auch sofort seiner jüngeren Schwester empfohlen, als die sich auf die Suche nach einer Ausbildung machte. Bulut selbst ist nächstes Jahr mit seiner Ausbildung fertig, will bei seinem Unternehmen bleiben und hat noch viel vor: Seit zwei Jahren besucht er die Abendschule, um die Fachhochschulreife nachzuholen und will später den Abschluss als Techniker machen.

Job Connections ist in der Rosensteinstraße 9 in Stuttgart zu finden – gegenüber vom UFA-Palast. Geöffnet ist das Zentrum montags bis freitags von 9 bis 17.30 Uhr. Telefon: 0711-21688919, Internet: www.job connections.de

Information:

Gegründet wurde Job Connections bereits 1998. Das Bewerbungscenter ist „ein voller Erfolg“, wie Harald Ziegler sagt. Damals kamen rund 400 Kunden pro Jahr. Jetzt sind es mehr als 6000. Finanziert wird das Angebot vor allem von der Stadt Stuttgart: Die gibt jährlich 290?000 Euro für das Hilfsangebot aus.

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